22 Mumien kamen in Kairo in den Computertomographen - Neun der Untersuchten hatten zu Lebzeiten an Gefäßverengungen gelitten
Kairo/Wien - Rund die Hälfte der Menschen in den westlichen Industriestaaten sterben an Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch Atherosklerose. Doch die gefährliche Gefäßverkalkung ist keineswegs eine
Errungenschaft der Moderne: Wissenschafter haben per
Computertomographie in Kairo 22 bis zu 3.500 Jahre alte Mumien
untersucht. Bei neun von ihnen entdeckten die ForscherGefäßverengungen.
Die Experten wollten herausfinden, ob die Menschen im Altertum
gesündere Gefäße hatten. Siemens stellte für die Untersuchungen
einen Computertomographen in einem transportablen Container zur
Verfügung. So mussten die konservierten Leichen für die Untersuchung
nicht einmal aus ihren Binden gewickelt werden. Die Kardiologen
fanden schließlich bei neun der 22 untersuchten Mumien neben
Gefäßverengungen und Wucherungen im Bindegewebe auch
lebensgefährliche Fett- und Kalkeinlagerungen in den Arterien.
Mit dem Computertomographen (CT), der dreidimensionale Bilder
liefert, durchleuchtete das Team in Kairo zunächst die Schlagadern.
Aber auch andere Teile des Kreislaufsystems waren in den
mumifizierten Körpern erhalten geblieben und sind dadurch deutlich zu
erkennen. Auf den CT-Bildern der Mumien sieht damit eine
Atherosklerose oft genau so aus wie bei heutigen Patienten.
Wohlhabende Oberschicht
Bei der Atherosklerose lagern sich an den Wänden dieser Gefäße
häufig Fette und Kalk ab, die den Blutfluss behindern können.
Offensichtlich war auch die Bevölkerung im Altertum von dieser Form
der Gefäßverengung betroffen. Die Ablagerungen wurden sowohl in
männlichen als auch in weiblichen Mumien beobachtet, die aus dem
Zeitraum 1.570 vor Christus bis 364 nach Christus stammen und zu
Lebzeiten vermutlich der wohlhabenden Oberschicht angehört hatten.
Ob diese Krankheiten auch der Grund für den Tod dieser Menschen
waren, ist zwar nicht sicher. Doch zeigt die Studie, dass diese
Wohlstandskrankheit offensichtlich auch damals ziemlich häufig war.
Die Funde legen nahe, dass aber noch andere Gesichtspunkte als die
aktuellen Risikofaktoren in Frage kommen können, um die heutige
Volkskrankheit Nummer Eins vollständig zu verstehen. (red/APA)