Atherosklerose bei alten Ägyptern offenbar weit verbreitet

24. Dezember 2009, 18:31
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22 Mumien kamen in Kairo in den Computertomographen - Neun der Untersuchten hatten zu Lebzeiten an Gefäßverengungen gelitten

Kairo/Wien - Rund die Hälfte der Menschen in den westlichen Industriestaaten sterben an Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch Atherosklerose. Doch die gefährliche Gefäßverkalkung ist keineswegs eine Errungenschaft der Moderne: Wissenschafter haben per Computertomographie in Kairo 22 bis zu 3.500 Jahre alte Mumien untersucht. Bei neun von ihnen entdeckten die ForscherGefäßverengungen.

Die Experten wollten herausfinden, ob die Menschen im Altertum gesündere Gefäße hatten. Siemens stellte für die Untersuchungen einen Computertomographen in einem transportablen Container zur Verfügung. So mussten die konservierten Leichen für die Untersuchung nicht einmal aus ihren Binden gewickelt werden. Die Kardiologen fanden schließlich bei neun der 22 untersuchten Mumien neben Gefäßverengungen und Wucherungen im Bindegewebe auch lebensgefährliche Fett- und Kalkeinlagerungen in den Arterien.

Mit dem Computertomographen (CT), der dreidimensionale Bilder liefert, durchleuchtete das Team in Kairo zunächst die Schlagadern. Aber auch andere Teile des Kreislaufsystems waren in den mumifizierten Körpern erhalten geblieben und sind dadurch deutlich zu erkennen. Auf den CT-Bildern der Mumien sieht damit eine Atherosklerose oft genau so aus wie bei heutigen Patienten.

Wohlhabende Oberschicht

Bei der Atherosklerose lagern sich an den Wänden dieser Gefäße häufig Fette und Kalk ab, die den Blutfluss behindern können. Offensichtlich war auch die Bevölkerung im Altertum von dieser Form der Gefäßverengung betroffen. Die Ablagerungen wurden sowohl in männlichen als auch in weiblichen Mumien beobachtet, die aus dem Zeitraum 1.570 vor Christus bis 364 nach Christus stammen und zu Lebzeiten vermutlich der wohlhabenden Oberschicht angehört hatten.

Ob diese Krankheiten auch der Grund für den Tod dieser Menschen waren, ist zwar nicht sicher. Doch zeigt die Studie, dass diese Wohlstandskrankheit offensichtlich auch damals ziemlich häufig war. Die Funde legen nahe, dass aber noch andere Gesichtspunkte als die aktuellen Risikofaktoren in Frage kommen können, um die heutige Volkskrankheit Nummer Eins vollständig zu verstehen. (red/APA)

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    Angehörige der wohlhabenden Oberschicht waren bereits im alten  Ägypten nicht vor Gefäßverengungen gefeit.

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