Wissen, wo die Güter sind

22. Dezember 2009, 19:11
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Satelliten sollen in Zukunft die Ortung von Eisenbahnwagons erleichtern

Zwischen 600.000 und 900.000 Eisenbahnwagons verkehren derzeit auf dem europäischen Festland. "Seitdem in Europa die Eisenbahnunternehmen weitgehend in Infrastrukturbetreiber und Transport- und Speditionsunternehmen getrennt wurden, kann man die Zahl nur schwer genauer bestimmen", sagt Martin Pottendorfer, Eisenbahnexperte bei der österreichischen Dependance des französischen Technologie- und Rüstungskonzerns Thales.

Mindestens genauso schwer ist es für die Spediteure daher auch geworden, die aktuelle Position ihrer Güterwagons zu ermitteln. "Die Idee für eine satellitengestützte Verfolgung und Lokalisation von Wagons hatten wir schon seit einiger Zeit", erzählt Pottendorfer. Erst aber die Ausschreibung des österreichischen Weltraumprogramms Asap des Infrastrukturministeriums brachte die Initialzündung für das Projekt GaWaLoc, kurz für Galileo Wagon Locating System, meint Pottendorfer. Es sei nicht so sehr das Fördergeld gewesen, sondern die günstigen Rahmenbedingungen, die sie mit interessanten Firmen und Institutionen zusammengebracht haben, wie etwa dem Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen in Nürnberg oder dem Kommunikationsspezialisten TriaGnoSys GmbH sowie dem Weltraumtechnologie-Unternehmen Kayser-Threde GmbH, beide aus München stammend.

Die Planungsphase habe man im vergangenen Sommer abgeschlossen, nun liefen die Entwicklungsarbeiten, sagt Pottendorfer. Die Herausforderungen dabei: Wagons haben Lebenszeiten von mehr als 40 Jahren, entsprechende Wartung vorausgesetzt - die Satellitenkommunikationsmodule müssen daher 20 bis 25 Jahre mit einer Wartung durchhalten und möglichst einfach zu montieren sein.

Autarke Stromversorgung

Dazu kommt, dass auf den Wagons keine Energieversorgung vorhanden ist. "Wir nutzen daher eine Energy Harvesting-Technologie, die die natürlichen Schwingungen, die während der Fahrt der Wagons entstehen, über ein Piezo-Element in Strom umwandeln kann", erklärt Pottendorfer. Ein kleiner Batteriepuffer versorgt die Funkeinheit immer dann, wenn der Wagon steht. In der Regel sei das aber nicht länger als acht bis zwölf Stunden, sagt Pottendorfer. Und selbst wenn die Batterie ausfallen sollte, ermittelt das europäische Satellitennavigationssystem die Position sofort wieder, wenn der Wagon bewegt wird.

Dabei werde eine Genauigkeit von unter fünf Metern erreicht, sagt der Fachmann. Montiert werden die Funkeinheiten, die etwas kleiner als ein normaler Schuhkarton sein werden, an der Stirnwand der Wagons. Neben der Satellitenortung könnten je nach Kundenwunsch auch weitere Sensoren integriert werden, sagt Pottendorfer, etwa ein Temperatursensor für die Überwachung von Kühlwagen oder in den Wagonboden eingebaute Drucksensoren, die eine Verschiebung der Ladung anzeigen. Noch etwas mehr als ein Jahr werden die Arbeiten an GaWaLoc dauern, sagt Pottendorfer. (Denis Dilba/DER STANDARD, Printausgabe, 23.12.2009)

 

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    Die Basis für die Wagonüberwachung soll das europäische Satellitennavigationssystem Galileo sein.

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