Der Wasserpfeife geht die Glut aus

22. Dezember 2009, 19:06
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In Syrien und Ägypten machen die Behörden ernst mit dem Rauchverbot - Davon betroffen ist auch die traditionelle Wasserpfeife

Sie gilt als besonders gesundheitsschädlich – aber auch als besonders beliebt.

Damaskus/Kairo/Madrid – Das Bankett in einem stilvollen Restaurant in der Altstadt von Damaskus neigt sich dem Ende zu. Die Kellner bringen Kaffee, Tee und Wasserpfeifen an die Tische. Das entfacht sofort eine hitzige Diskussion – denn solche Szenen werden bald der Vergangenheit angehören.

Präsident Bashar al-Assad hat kürzlich ein Dekret erlassen, welches das Rauchen in Cafés, Restaurants und öffentlichen Einrichtungen verbietet. Das Verbot betrifft auch die Nargile oder Schischa, wie die Wasserpfeife in dieser Region heißt. Wer sich nicht daran hält, dem drohen Strafen von 2000 syrischen Pfund (rund 30 Euro). Lokalbesitzer haben bis April Zeit, sich den Vorschriften anzupassen.

Für viele ist das Wasserpfeiferauchen eine Sucht: "Ich kann den ganzen Tag ohne Essen und Trinken sein, aber nicht auf meine Schischa verzichten", sagt Ahmed, ein ägyptischer Ingenieur. Die Abende im Kaffeehaus mit einer mit Apfelgeschmack aromatisierten Schischa ist eines der beliebtesten, weil auch kostengünstigsten Freizeitvergnügen.

Ärzte sind sich aber einig, dass die Wasserpfeife schädlicher ist als die Zigarette. Rauchen ist in den arabischen Ländern besonders weit verbreitet. 60 Prozent der Männer und 23 Prozent der Frauen in Syrien rauchen. In Ägypten gehen Fachleute davon aus, dass 90 Prozent der Todesfälle durch Lungenkrebs auf den Tabakkonsum zurückgehen, wobei eine deutliche Zunahme an Lungenkrebs festzustellen ist.

Auch am Nil wird deshalb dem blauen Dunst der Kampf angesagt. Mit einer breitangelegten Kampagne soll dem Rauchverbot an öffentlichen Orten zum Durchbruch verholfen werden. In verschiedenen Städten gibt es unterschiedliche Initiativen. In Alexandria sind es Geschäftsleute, die eine "tabakfreie Stadt" propagieren.

Rauchen ist in Ägypten auch für ärmere Schichten erschwinglich. Die finanzielle Schraube wurde von der Regierung noch nicht angezogen. Sie fürchtet sich vor dem Unmut der Bevölkerung, sollte der blaue Dunst zu teuer werden.

Gesundheitsexperten warnen im Falle der Schischa aber auch immer vor dem zusätzlichen Risiko, der Übertragung von Krankheiten – etwa Tuberkulose – wenn die Wasserpfeife von mehreren Leuten gleichzeitig geraucht oder das Wasser nicht ausgewechselt wird. Mit dem Ausbruch der Schweinegrippe kam ein neues Risiko dazu.

Die Behörden verlangen daher, dass Einwegschläuche aus Plastik eingesetzt werden. Die meisten Kaffeehausbesitzer in Kairo halten sich aber nicht daran – in Zukunft soll das Wasserpfeiferauchen aber ganz verboten werden: Und eine Schischa dann mal schnell vor der Türe zu rauchen geht als Notlösung nicht.

Mehr Raucher trotz Verbots

Allerdings: Dass ein Rauchverbot nicht immer sinkende Raucherzahlen nach sich zieht, zeigen am Dienstag veröffentlichte Daten des Nationalen Statistikinstituts (INE) in Spanien: Demnach soll seit Inkrafttreten des spanischen Rauchverbots Anfang 2006 die Zahl der Raucher um 6,7 Prozent gestiegen sein. Untersagt ist das Qualmen am Arbeitsplatz; in Gaststätten entschied bisher der Besitzer, ob geraucht werden darf. Die spanische Regierung will nach Presseberichten bis zum Sommer 2010 eine Verschärfung des Gesetzes verabschieden lassen. (Astrid Frefel, DER STANDARD Printausgabe, 23.12.2009)

  • Ein Ägypter raucht eine Wasserpfeife in einem Café in Kairo: Solche Szenen sollen bald der Vergangenheit angehören.

    Ein Ägypter raucht eine Wasserpfeife in einem Café in Kairo: Solche Szenen sollen bald der Vergangenheit angehören.

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