Vom Christkind und seinen Wurzeln

22. Dezember 2009, 18:54
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Das Christkind, das heute in Österreich, der Schweiz und den katholischen Teilen Deutschlands die Symbolfigur des Weihnachtsfestes ist, dürfte eine Erfindung des Reformators Martin Luther sein. Die Protestanten lehnten nämlich die römisch-katholische Form der Heiligenverehrung und damit auch die Verehrung des Heiligen Nikolaus ab. Als Gegenfigur zum Nikolaus sollte der "Herre Christ" heimlich und unerkannt Geschenke für die Kinder der evangelischen Oberschicht des 16. Jahrhunderts bringen. Später entwickelte sich daraus in katholischen Gegenden das engelsgleiche Christkind und in protestantischen der Weihnachtsmann. Die Figur eines Gabenbringer, der den wahren Geber verschleiert, sollte besonders den Kindern deutlich machen, dass es sich um ein religiöses Fest handelt.

Gaben zum Christfest sind seit dem 15. Jahrhundert bekannt - etwa als Almosen der Kirche oder als Extralohn des Gutsherren für Mägde und Knechte. Generell haben europäische Schenkbräuche adelige Wurzeln: Die Fürsten des frühen Mittelalters demonstrierten gerne ihre Macht mit üppigen Geschenken.

Eine umfassende Schenkkultur entstand allerdings erst im 18. Jahrhundert und entwickelte sich parallel zur Industrialisierung und zum Aufstieg des freien Marktes. Noch im 19. Jahrhundert war es jedoch eher unüblich, Geschenke zu verpacken. Kleinere Gaben wurden allenfalls in einen Strumpf gesteckt. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde dann damit begonnen, die Neugier und den Überraschungseffekt mittels Verhüllung des Geschenks zu steigern. In anderen Kulturen wie etwa in China hat das Verpacken von Geschenken schon eine jahrhundertelange Tradition. (kri/DER STANDARD, Printausgabe, 23.12.2009)

 

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