Urteil

Bosnien diskriminiert Minderheiten

22. Dezember 2009 18:23

Der Europäische Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg hat das Land verurteilt, weil Bosnien Minderheiten politische Ämter verweigert

Sarajewo/Mostar - Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg hat am Dienstag Bosnien-Herzegowina wegen diskriminierenden Verhaltens gegenüber Juden und Roma bei der Wahl des dreiköpfigen Staatspräsidiums und der Völkerkammer des gesamtstaatlichen Parlamentes verurteilt. "Das Verbot für die Minderheiten, an den Wahlen teilzunehmen, hat keine objektive und vernünftige Rechtfertigung und steht daher im Widerspruch zur Europäischen Menschenrechtskonvention, welche eine Diskriminierung verbietet" , stellte der Gerichtshof laut Medienberichten fest.

Bosnien war vor dem Menschenrechtsgerichtshof von dem Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde in Sarajewo und Diplomaten Jakob Finci und von Dervo Sejdić, dem Leiter einer Roma-Organisation verklagt worden. Finci und Sejdić beschwerten sich über die Tatsache, dass sie als Angehörige von Minderheitengruppen in Bosnien-Herzegowina diskriminiert worden seien. Entsprechend der Verfassung werden nur Vertreter der drei Staatsvölker - Bosniaken (Muslime), Serben und Kroaten - in das Staatspräsidium und die Völkerkammer des Parlaments Bosnien-Herzegowinas gewählt. Die Minderheitengruppen sind nicht vertreten.

Der bosnische Staat ist nach dem Krieg (1992-1995) nach strengen ethnischen Proporzregeln aufgebaut worden. Diese Regeln sollten den Frieden zwischen den drei großen Volksgruppen festigen. Allerdings wurden damit auch jene ausgeschlossen, die sich weder zu den Kroaten, Serben oder Bosniaken zählen, etwa all jene aus sogenannten Mischehen, also Menschen, die sich selbst einfach als "Bosnier" oder noch immer als "Jugoslawen" bezeichnen. Im bosnischen Staatspräsidium ist ein Sitz für einen Serben, einer für einen Kroaten und einer für einen Bosniaken reserviert. Željko Komšić, der seit 2006 auf dem "kroatischen" Sitz sitzt, erhob erstmals den Anspruch, nicht nur die Kroaten, sondern alle Bürger Bosnien-Herzegowinas vertreten zu wollen. Komšić bezeichnet sich selbst als Bosnier.

Seit Jahren wird in Bosnien über die Abschaffung der ethnischen Proporzregeln diskutiert, weil sie auch oft politische Entscheidungsprozesse lähmen. In den zuletzt in Butmir geführten Gesprächen zur Verfassungsänderung wurde etwa darüber nachgedacht, die gesetzgebende Funktion der Völkerkammer abzuschaffen. Das Urteil könnte die Verfassungsreform ankurbeln. Der Menschenrechtsgerichtshof hat den bosnischen Staat verpflichtet, die von den Klägern getragenen Kosten in der Höhe von 21.000 Euro an Finci und Sejdić zurückzuerstatten. (awö/APA, DER STANDARD, Printausgabe 23.12.2009)

 

Kommentar posten
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Vollmeise
 
31.12.2009 17:52

Liebe Leute, ich wünsche Euch ein frohes neues Jahr voller Gesundheit, Glück, Friede, Liebe und Freude.

Möge es auch für BiH und auf dem Balkan im neuen Jahrzehnt besser ausschauen als in diesem. :)


Alles Gute und bis zum nächsten Jahr!

Der Waehlerwille
 
28.12.2009 14:52
liest man sich das alles da unten so durch ...

mekr man erst wozu wir die EU in europa wirklich brauchen .. diese ganze nationalismuspleampln sind so öde .... und so verhetzt.

Bosanac1981
24.12.2009 17:42
Die Überschrift ist ja schon der Hammer

Als ob bei uns Juden und Roma auf der Strasse gemäuchelt werden. So ein Schwachsinn. Ich wusste gar nicht dass es dieses Gesetz gab und ich finde es absolut nicht richtig. Ändern und das war es. Und zudem sollten die Leser bitte auch erfahren wer die Gesetze bei usn macht, denn wir sind es nicht, da sich bei uns kein idiiot einigen kann und die ganze Rechtsstruktur durch den Westen aufgelegt wurde und erhalten wird.
Ausserdem sollen sich bitte dann auch alle angesprochen fühlen denn das gilt für den ganzen Staat Bosnien und nicht nur für die patriatoten unter uns.

Es lebe Bosnien!

Aschik75
24.12.2009 15:40
Prof. Dr. Mirko Pejanovic - bosnischen Verfassung

Am 1.7.2009 in der Diplomatischen Akademie Wien sprach Prof. Dr. Mirko Pejanovic (ein bosnischer Serbe und Mitglied der Kriegsregierung Bosniens), der Dekan der Fakultät der politischen Wissenschaften in Sarajewo ist, über die Verfassungsänderung und sagte, dass es zwei politischen Strömungen in Bosnien gibt. Eine ist probosnisch und setzt sich ein für einen funktionalen Staat mit gleichen Rechten für alle Bewohner. Die zweite Strömung, die mehrheitlich aus dem kleineren bosnischen Entität Republika Srpska kommt, ist für eine nationale Teilung des Landes, was zu den zusätzlichen Spannungen, sowie zum Versuch der Spaltung des Landes, führen wird. Da mind. 60% der Einwohner gegen diese Spaltung sind, würde das zu einem neuen Konflikt führen.

Vollmeise
 
27.12.2009 22:21

Ja, die Podiumsdisskusion am 01.07.2009 war sehr schön und aufschlußreich. :)

..|..
25.12.2009 17:55
In der moslemisch-kroatischen Föderation

streiten sogar die Kantone untereinander.

Wenn die Mehrheit in der RS für den Austritt aus Bosnien ist, warum sollte das zu einem Krieg führen? Die 'Probosnier' in der Föderation könnten dann ja zeigen, was für einen tollen Staat sie aufstellen können und wie super Moslems und Katholiken harmonisieren.

Aschik75
25.12.2009 19:09

Die RS ist ein Projekt Serbiens, aber ein Teil Bosniens. Und die Mehrheit der Bosnier wird sicherlich nicht ein Teil ihrer Heimat einfach so aufgeben!
Insbesondere nicht, weil die RS durch die ethnischen Säuberungen der Nichtserben entstanden ist - siehe die Berichte von Tadeusz Mazowiecki).
Der Ultranationalist Radovan Karadzic war eigentlich derjenige, der immer wieder davon gesprochen hat, dass die bosnischen Völker (auf einmal) nicht zusammen leben können um seine Ideologie der ethnischen Säuberung ins Leben zu rufen.
Es gibt auch in Österreich PolitikerInnen, die sagen, dass verschiedene Kulturen nicht zusammenleben können.
Wo es Vielfalt gibt da entstehen auch die Wiedersprüche. Da wird die Toleranz gebraucht.

Lucky Luke 1988
15.01.2010 12:48
Die RS

ist kein projekt serbiens, sondern ein projekt des westens... siehe friedensvertrag von dayton...

marko serbe
30.12.2009 12:11
Aschik75

ich würde dir mal vorschlagen einen bericht zu lesen .

http://www.spiegel.de/politik/a... 29,00.html

Melde dich danach

Aschik75
30.12.2009 16:14
Die Urteile

Die wahren Gründe für den Krieg in Bosnien-Herzegowina kann man jetzt schon in den Urteilen des Haager Kriegstribunals nachlesen. Und es kommt noch mehr, weil die Prozesse gegen Karadzic, Perisic, Seselj noch immer laufen. Ratko Mladic muss noch erwischt werden.

Antun Zonger
04.01.2010 15:08
Ach, die Urteile, fast hätt ich vergessen!

Die von Ihnen genannten werden wegen Übertretung des Badeverbots verurteilt werden. Das steht fest. Wer sie allerdings ins Wasser gestoßen hat, das interessiert keinen. Einmal im Wasser, was hätten sie denn anderes machen sollen, als zu schwimmen? Ertrinken, um den guten Willen zu zeigen? Also hat man sich gewehrt.

Die Briten wollten Jugoslawien als ihre Einflußsphäre erhalten. Deutschland wollte Einfluß, die USA den pöhsen Kommunismus besiegen. Und da hat man nationalistische und religiöse Fanatiker unterstützt.
Deutschland hat gewonnen, Jugoslawien existiert nichtmehr.

Und die religiösen Trennungen als Definition wird man da wohl aufrecht erhalten müssen.
Viel Spaß noch im "geeinten" Bosnien.....

Aschik75
05.01.2010 14:55
Biljana Plavsic - Urteil auf Englisch

Hier kann man das Urteil in Englisch nachlesen.

http://www.icty.org/x/cases/p... lavsic.pdf

Aschik75
04.01.2010 16:10
Biljana Plavsic und die ethnische Säuberung der Nichtserben in 37 bosnischen Gemeinden

Als die serbische Kriegsverbrecherin und die Ex-Präsidentin der bosnischen Entität Republika Srpska Biljana Plavsic in Den Haag aussagte, sagte sie, dass sie auch geglaubt hat, dass sich das serbische Volk gewehrt hat, in dieser Obsession aber wurde das serbische Volk zum Täter. http://www.icty.org/x/cases/p... ic_BCS.pdf
Biljana Plavsic wurde für die ethnische Säuberung der Nichtserben in 37 bosnischen Gemeinden (inkl. die Zerstörung der 850 Dörfer, über 100 Moscheen und 7 katholischen Kirchen, 408 Gefängnissen und Lager) verurteilt.

Antun Zonger
08.01.2010 09:43

Darf ich Sie darauf aufmerksam machen, daß unser Strafgesetzbuch den Tatbestand der Notwehrüberschreitung kennt, Den Haag hat davon aber offenbar noch nichts gehört.
Wozu hat man seine Politiker, wenn nicht dazu, daß sie durchsetzen, Widerstand leisten, den Widerstand koordinieren? Ich behaupte ja nur, daß jemand, der von anderen in eine solche Situation gebracht wird, genau diese Aufgaben zu erfüllen hat. Und die Situation war in Bosnien nun einmal so, daß unbedingt Izetbegovic Präsident sein mußte, obwohl der garnicht gewählt war.
Genau deshalb auch mein Vorschlag, hinterlistigerweise Bosnien einfach zwischen Serbien und Kroatien zu teilen. Die Kroaten sind ohnehin wahlberechtigt, sollen sie sich doch mit ihren Freunden herumschlagen.

Aschik75
08.01.2010 16:38
Als nächstes kommt das Gutheißen des Völkermords!

Ja, Relativieren und danach rechtfertigen!
Als nächstes kommt das Gutheißen des Völkermords! Alles schon bekannt.

Antun Zonger
09.01.2010 11:47

Was heißt hier gutheißen, die Kroaten sind doch eh so friedlich!

Aschik75
04.01.2010 16:09
Relativieren statt sich damit auseinander setzen

Ja, relativieren statt sich damit auseinander setzen! :-))
Die bekannte Sozialpsychologin aus Serbien Prof.in Janja Bec-Neumann sagte, dass die Relativierung die zweite Etappe des Völkermords ist, sowie dass das Völkermord ein Verbrechen des Staates, bzw. des Systems.
Es ist allgemein bekannt dass die Internationale Gemeinschaft eine sehr schlechte und undefinierte Rolle in Bosnien-Herzegowina gespielt hat, das amnestiert aber die Kriegsverbrecher nicht im Geringsten.

Aschik75
30.12.2009 14:48
Wissenschaftliche Aufklärung

Ja, ich kenne die Geschichte. Echt traurig.

Noch trauriger ist es, dass bestimmte Kreise diesen Mann (was immer seine Motivation ist um so offen zu sprechen) einerseits dafür benützt um den Völkermord an muslimischen Bosniaken recht zu fertigen und andererseits um die islamophobe Politik in der EU zu betreiben.

Wir in Bosnien-Herzegowina brauchen unbedingt die wissenschaftliche Aufklärung bezüglich der Kriegsvergangenheit. So werden alle Fakten sichtbar (sie werden bereits immer sichtbarer) und auf dieser Basis wird man das Vertrauen wiederaufbauen können.
Damit meine ich natürlich diejenigen, die sich um die Verbesserung der Lage bemühen.

Z. Ristic
27.12.2009 22:39

Bosnien ist ein Projekt der EU - ohne Souveränität.

Aschik75
27.12.2009 23:24
Die Resolution 1244 und der Daytoner Friedensabkommen


Die Resolution 1244 und der Daytoner Friedensabkommen garantieren die Souveränität des Staates Bosnien-Herzegowina.

Z. Ristic
28.12.2009 12:53

Die Resolution 1244 betrachtet das Kosovo auch als Bestandteil, seinerzeit Jugoslawiens, respektive des heutigen Serbiens...und wer hält sich dran.

Aschik75
28.12.2009 15:57
Kosovo war eine autonome Provinz

Kosovo war eine autonome Provinz in Ex-Jugoslawien und demensprechend hatte die Provinz bestimmte rechtliche Möglichkeiten. Genauso wie die Provinz Vojvodina.

Z. Ristic
28.12.2009 17:09

Allerdings keine rechtswidrige Unabhängigkeit.

Aschik75
28.12.2009 17:51

Darüber wird momentan an dem UN-Gericht in Den Haag diskutiert.

Z. Ristic
28.12.2009 18:58

Ja, diskutiert - gänzlich ohnen Bindung. Dennoch, sollte man die Resolution respektieren, ist die Unabhängigkeit illegal.

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