Hoffnung im Westjordanland

Der Glaube an die sieben Prozent

Ben Segenreich und András Szigetvari, 22. Dezember 2009, 17:51
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    foto: szigetvari

    David Dahoud, der Braumeister. Sein Unternehmen Taybeh-Bier expandiert, der Export nach Israel und Europa ist aber nur schwer möglich.

Inmitten israelischer Siedlungen und Kontrollpunkte hat die palästinensische Wirtschaft 2009 wieder ein Lebenszeichen von sich gegeben

Kurz vor Weihnachten herrscht auch in Bethlehem Aufbruchstimmung

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David Dahoud ist es bierernst. Sogar der Nahostgesandte Tony Blair weiß von seinem Alkoholproblem. Dahoud betreibt mit seinen Geschwistern die einzige Brauerei in Palästina, mitten im verschlafenen Nest Taybeh, dem letzten fast ausschließlich von Christen bewohnten Ort im Westjordanland. Eine kleine Fabrikhalle, eine Abfüllanlage: Taybeh-Bier ist ein unspektakuläres Familienunternehmen. Aber das Bier nach Israel zu exportieren, ist eine logistische Meisterleistung.

Palästinensische Lkw holen die Ware ab, schaffen sie zu einem Grenzübergang nicht unweit von Hebron, wo das Bier durch eine Röntgenschleuse muss. Nach dem Sicherheitscheck geht es auf israelischen Lkw weiter, wer ein palästinensisches Kennzeichen hat, muss im Westjordanland bleiben.

"Das ganze dauert drei Stunden und kostet enorm viel Geld" , sagt Dahoud. Es ginge schneller, der nächste Grenzübergang liegt keine 30 Minuten von Taybeh entfernt. Nur haben die dort kein geeignetes Röntgengerät. Da konnte bisher selbst Tony Blair wenig ausrichten.

Wachstum trotz Krise

Die von dem Christen Dahoud betriebene Brauerei ist typisch für das Westjordanland, für ein Leben zwischen Aufbruch und Besatzung. Das nach dem Frieden von Oslo gegründete Unternehmen expandierte rasch, ehe die zweite Intifada (2000 bis 2005) Taybeh-Bier an den Rand des Ruins trieb. Seither geht es aufwärts, heute arbeiten wieder zwölf Leute in der Brauerei, fast so wie zu besten Zeiten. 2009 ging es im Westjordanland trotz der Krise aufwärts. Der Internationale Währungsfonds prognostiziert ein Wachstum von sieben Prozent. Zum ersten Mal seit Jahren steigt das palästinensische Pro-Kopf-Einkommen. Von einer funktionierenden Wirtschaft könne freilich noch keine Rede sein, sagen Experten der Uno. Denn einen großen Teil des Aufschwungs verdankt das Westjordanland der internationalen Hilfe, die nach dem Gazakrieg üppiger geflossen ist.

1,7 Milliarden Dollar waren es 2008, eine Milliarde Dollar gab es in den ersten neun Monaten dieses Jahres. Das von außen stimulierte Wachstum könnte sich als nicht "nachhaltig" erweisen, warnt bereits die Weltbank. Dennoch: der Aufschwung ist spürbar, auch in Bethlehem.

Das 30.000-Seelen-Städtchen ist immer noch eher verschlafen, aber die Schaufenster locken jetzt vor Weihnachten nicht nur mit den typischen Devotionalien aus Olivenholz und Perlmutt, sondern auch mit schnittigem Sport-Outfit, raffinierten Handys oder blitzenden Elektrogitarren. "Wir haben immer noch die israelische Besetzung, aber es stimmt, wirtschaftlich gesehen gibt es einen positiven Trend" , konstatiert Alex Awad, der als Pastor des Bibel-College in Bethlehem die Lage seiner Schäfchen gut kennt.

Ein Symbol für den bescheidenen neuen Wohlstand, die verbesserte Lebensqualität und die allgemeine Normalisierung ist die Cinemathek, die jetzt ausgerechnet im früheren "Terror-Zentrum" Jenin entsteht, wo in den Intifada-Jahren radikale Milizen die Straßen beherrschten und wo es seit 22 Jahren kein Kino gibt.

Weniger Straßensperren

Subventionen kamen vom palästinensischen Kulturministerium, das deutsche Außenministerium hat 170.000 Euro zugeschossen, und im April 2010 will das "Project Cinema Jenin" mit einem internationalen Filmfestival eröffnen.

Zum Aufschwung beigetragen hat laut internationaler Einschätzung auch, dass die Israelis in letzter Zeit viel getan haben, um die Mobilität im Westjordanland zu verbessern. So wurde im November in Anwesenheit Blairs die Öffnung einer Passage von Nordisrael in Richtung Jenin groß zelebriert.

Seit 2007 sollen rund 250 Straßen, die blockiert waren, wieder geöffnet worden sein. Immer wieder melden die Israelis die Auflösung von Straßensperren. Doch die Palästinenser klagen, dass es immer noch Hunderte völlig gesperrte Straßen und Dutzende Checkpoints gebe, und Spenderländer drängen Israel zu einem noch rascheren Abbau der Behinderungen für Handel, damit das Vertrauen von Investoren gewonnen werden kann. Und die größte Barriere, der Sperrwall, lässt sich ohnehin nicht so einfach wegschaffen.

Die neue Stabilität ist aber nicht zuletzt auch dem neuen Geist in der palästinensischen Polizei zu verdanken. "Es war eine politische Entscheidung der Palästinensischen Behörde, und die Sicherheitskräfte haben eine enorme Anstrengung unternommen" , sagt General Suleiman Omran, der zwei Jahre lang als Kommandeur im Raum Jenin war und jetzt für Bethlehem verantwortlich ist.

Durch energisches Vorgehen bei der Bekämpfung bewaffneter Zellen und bei der Durchsetzung der Verkehrsregeln hat sich die Exekutive von Präsident Mahmud Abbas Respekt verschafft. Besonders nützlich findet der General das Training, das seine Leute in Jordanien mit amerikanischen und jordanischen Experten absolviert haben. Ein Hamas-Putsch sei ausgeschlossen: "Was in Gaza passiert ist, kann sich im Westjordanland nicht wiederholen."

Der Bierbrauer David Dahoud hat mit seinem Unternehmen inzwischen den Plafond erreicht. Ohne den Export nach Israel und Europa, sei weiterer Wachstum nicht möglich. Alle palästinensischen Waren müssen über Israel, und das gestaltet sich eben schwierig. Mag er Tony Blair auch auf seiner Seite haben. (Ben Segenreich, András Szigetvari, DER STANDARD, Printausgabe 23.12.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 62
1 2
Georg Schütt
34
24.12.2009, 21:52
Der Wirtschaftsaufschwung im WJL war schon lange ein Thmnea; eigenartigerweise kam nie ein diesbezügliches Thema von mir durch.

Andere aber schon, solche mit dem Tenor: Frieden a la Fatah lohnt sich eh nicht, also lieber Krieg nach Manier der Hamas.

scatman
41
23.12.2009, 20:25

Weihnachten in Israel:

http://www.haaretz.com/hasen/spa... 35512.html

Von einer anderen Seite dazu: " "Es geht ja nicht um Kreuze. Viele fürchten sich schon vor allem, was nur den Anschein erweckt, christlich zu sein", beklagt sich Ariela Scmida-Doron von der Jerusalemer Hotel-Vereinigung. Denn wer christliche Symbole aufstellt, zu denen auch ein Weihnachtsbaum zählt, dem droht der Verlust der Lizenz des Rabbinats und das damit verbundene Koscher-Zertifikat. "

Lass ma bitte die Kirchen amoi im Dorf...
23
25.12.2009, 22:41

Man sollte vielleicht dazu sagen, dass die besten Restaurants in Jerusalem unkosher sind und ergo auch kein Kosher Zertifikat haben. Das ist kein hinderungsgrund ein Restaurant aufzumachen oder viele Kunden anzusprechen.

ziemlich wichtig
22
24.12.2009, 10:08

?? seit wann essen christen koscher? hab ich was verschlafen?

farfur
66
23.12.2009, 17:21
Taybeh


ist eine Ortschaft in den Palästinensischen Autonomiegebieten ... das Dorf ist heute der einzige fast komplette christliche Ort im Heiligen Land.

Am 4. September 2005 wurde die Ortschaft Opfer einer Vergeltungsaktion, da angeblich ein Christ aus Taybeh eine verheiratete Muslima aus dem Nachbarort geschwängert hatte.

Die moslemischen Nachbarn verübten an der Schwangeren einen Ehrenmord und brannten zur Wiederherstellung der Dorfehre in Taybeh vierzehn Häuser nieder, wobei siebzig Menschen obdachlos wurden.
Auch die einzige Brauerei im Palästinensergebiet wäre bei dem Vorfall beinahe niedergebrannt worden.


Und die Israelis sollen das Problem sein ...

tarte tatin
41
26.12.2009, 17:41
...und was wollen sie uns damit sagen?


böse ist er der muslim, von grund auf...

mistvieh666
 
02
27.12.2009, 00:07

nein, wahrscheinlich nicht.
aber menschen wie sie provozieren solche aussagen.
und ein geheimnis, das mir der heilige joerg kurz vor seiner transzendenz am reumannplatz verraten hat:
wirklich boese ist nur der linke gutmensch.

Mark Sass
52
24.12.2009, 10:12

Quelle? PI-NEWS?

farfur
23
26.12.2009, 14:26
ach, kasperl, probier doch einmal


"taybeh 2005" in einer suchmaschine. dann kannst du dir die quelle aussuchen. meine war wikipedia:

http://de.wikipedia.org/wiki/Taybeh

aber schön zu sehen, wie einer wie du "denkt" ...

Reddogg
 
02
30.12.2009, 22:24

1. Quelle, fragwürdig das tendenziös.
2. selbst in der wikipedia-quelle steht was von "angeblich"
3. schauen Sie mal auf den Verfasser bei hagalil. Der gute Herr Sahm, vielleicht wollen Sie sich ja mal über ihn informieren. Z.B. zum Thema bewußte Falschmeldungen, tendenziöse Berichterstattungen. Aber naja solange es solche Berichterstatter wie ihn und PI gibt, sind solche Leute wie sie mit allem zufrieden was einem vorgesetzt wird. Kritisches hinterfragen wird bei islamophobischen Meldungen eh ausgeblendet, Feindbildung könnte ja eventuell nicht aufrecht erhalten werden...

das haar in der suppe
 
811
23.12.2009, 11:20

man hätte herrn dahoud auch fragen sollen, was ihm lieber wäre: die israelischen "schikanen" die nachweislich den aus dem wjl kommenden terrorismus eingedämmt haben, oder die "schikanen" die ihm als alkoholika produzierendem palästinenser erwachsen würden, wären die gottesstaatler (welcher fraktion auch immer) an der macht..

Hubert Ungeist
 
54
23.12.2009, 14:21
Stimmt wohl

die anderen sind noch schlimmer.

SOmit sind ALLE Handlungen Israels gerechtfertigt

Lass ma bitte die Kirchen amoi im Dorf...
20
23.12.2009, 13:38

Ach, wozu? Das versteht sich doch von selbst...

Nikos S.
1011
23.12.2009, 08:45
toll so ein artikel über bier

schöne heile welt - oder etwa doch nicht? solange die palästinensergebiete politisch nicht souverän sind und von israels "gutem willen" abhängig sind, ist es wohl kaum möglich, eine längerfristig stabile wirtschaft aufzubauen! der artikel ist ja ganz nett, will aber im prinzip nur vermitteln, dass eh alles bergauf geht für die palästinenser. und das ist, mit verlaub, erfunden!

mistvieh666
 
01
27.12.2009, 00:12

ja, fast in jedem islamischen land gibt es das permanente wirtschaftswunder ...
merken sie eigentlich nicht, wie realitaetsfern das ist, was sie da schreiben?

norman m.
34
23.12.2009, 14:20
Genau -

nur immer Bad News, Negativismus und Dämonisierung, bitte! Gibt ja eh kein normales Leben "dort unten", nur Schießwütige und Steinewerfer!

[ironie ende]

Wenn EINMAL im Jahr ein Artikel über den NO-Konflikt kommt, der nicht den üblichen Gewalt-/Religions- etc. Klischees entspricht, überfordert das offenbar das Differenzierungsvermögen von so manchem...(ps: Ihr Insiderwissen, dass das eh alles "erfunden" ist (von wem übrigens?), haben Sie aus Ihrer Glaskugel, oder vom präe-silvestrischen Bleigießen, oder? Anders gefragt: wann waren Sie denn das letzte Mal im WJL, dass Sie so gut informiert sind?)

Herzerzog Johann
105
23.12.2009, 10:42
Da die Palästinenser selbst noch nie irgend etwas "stabiles" auf die Beine gestellt haben ...

... dürfte Israels "Guter Wille" geradezu ein Segen sein.

falafel 95
13
23.12.2009, 17:24
erz..... johann

kann es sein, das du dich im nahen osten überrhaupt nicht auskennst ?

Fetz Pepi
48
23.12.2009, 11:38

zutiefst rassistisch was sie da schreiben, übrigens die Palästinser waren die qualifziertesten Araber im Orient, ich möchte nicht sehen und wissen was aus Ihnen unter so einer Jahrzehnte währenden Dauerbesatzung wird,

Lass ma bitte die Kirchen amoi im Dorf...
93
23.12.2009, 13:48

Wenn festgestellt wird, dass ein Staat, oder sagen wir lieber eine Gemeinschaft denn es gab noch nie einen Pal. Staat, immer wieder versagt, dann ist das nicht rassistisch zu behaupten dass diese Gemeinschaft noch nie was auf die Beine gestellt hat. Ich weiß schon man will immer Rassismus bei Israel oder Leuten die Israel verteidigen suchen um sich vielleicht selber zu entlasten. Man macht sich jedenfalls nur lächerlich egal ob man aus der Deutsch- oder Arabischantisemitischen Ecke kommt oder einfach nur etwas ins falsche Ohr bekommt...

Hubert Ungeist
 
12
27.12.2009, 10:00
Es gab enen Flughafen -. wer hats zerstört?

Es gab ein Casino - wer hats zerstört?

Es gab funktionierende Wasserversorgung - wer hats zerstört, und verhindert Aufbaumaterial (Zement, etc)?

Es gab funktionierenden Tourimsus in Betlehem - wer verhindert das mit einer Mauer?

Ich sperr sie mal in ihr Haus, und dreh ihnen das Wasser und den Strom hab. Ackere alle 3 Monate ihren Garten um. Mal schauen was SIe auf die Füsse stellen.

sultan8
00
23.4.2010, 00:56
wann waren sie das letzte mal in betlehem??

also ich war vor gar nicht all zu langer zeit dort und konnte erstaunlicherweise feststellen,dass ich auf einer strecke von ungefähr 3km noch nie so viele audi A8 und vw touareg gesehen habe.(strecke vom checkpoint in die innenstadt)

Lass ma bitte die Kirchen amoi im Dorf...
00
Arafat hats zerstört

ganz klar. Die Intifada war eine schlechte Idee.

ela na
 
10
...es gab ein Casino....

wie ahnungslos kann man sein, ein so blödes Argument zu bringen: Das Casino war eine sogenannte "Kooperation" bei der die Palis 30% besaßen. Es war das "bestgehende Casino weltweit" im Vergleich zur Größe (anzahl der Tische u. Slot-Masch.). 1.500 Palis (also 1500 Familien) hatten dort einen gutbez. Job. Aber die 2. Intefada machte alles zu Nichte, außer dem Casino, das steht heut noch eingemlottet in Jericho.
- Beim Flughafen in Gaza wurde lediglich die Piste unstartbar gemacht um Waffenimporte u. auch der Flucht Arafats vorzubeigen.
- Wasserversorgung funktionierte u. funktioniert bis heute
-Tourismus lag darnieder wegen des ununterbrochenen Pali-Terrors, der den Mauerbau zur Folge hatte.
Facit: 98% weniger Terroranschläge in Israe

Fetz Pepi
33
23.12.2009, 16:19
Lassma das

Lassen wir bitte die Demagogie vom nie existiert habenden palästinensischen Staat, es ist seit jeher interantional anerkanntes Völkerrecht, dass das Territorium von Kolonien oder so geannten Mandatsgebieten den Eingeborenen beziehungsweise der Urbevölkerung und nicht den Kolonialmächten gehört, die dieses daher auch nicht an Dritte , etwa die zugewanderten nunmehrigen Israelis verschenken können.

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