Messi, fast eine Weihnachtsgeschichte

22. Dezember 2009, 17:22
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Für Teamchef Constantini war er nicht die erste Wahl. Dass der Argentinier zum Weltfußballer erkoren wurde, freut den Tiroler aber sakrisch

Zürich/Wien - "Ich fühle mich nicht wie der Beste, der Beste ist Barça." Lionel Messi sagte das am Montagabend in Zürich, von der Tatsache überwältigt, dass ihn die Teamchefs und -kapitäne der 203 Mitglieder des Fußball-Weltverbandes Fifa mit deutlicher Mehrheit und als ersten Argentinier zum Weltfußballer erkoren hatten. Es kam ja nicht von ungefähr, dass sich gleich drei Spieler des FC Barcelona unter den besten fünf der 23 zur Wahl Stehenden klassierten. Schließlich wirkten sie beim spanischen Meister, Cup- und Supercupsieger, Gewinner der Champions League und der Klub-WM sowie des europäischen Supercups.

Weil er eine Sensation ist

Jene drei hatte auch Österreichs Teamchef Dietmar Constantini auf der Rechnung, allerdings setzte der Tiroler die spanischen Europameister Andrés Iniesta und Xavi Hernández noch vor deren Teamkollegen auf die Plätze eins und zwei. Messi, der vor seinem Vorgänger Cristiano Ronaldo siegte, ist Constantini natürlich auch recht, "weil er einfach eine Sensation ist. Ich war immer ein Verfechter von kleinen, schnellen Spielern. Und weil es auch eine Sensation ist, wie der FC Barcelona in seinem Fall gehandelt hat. Das ist ja fast eine Weihnachtsgeschichte."

Der stille Anführer

Nämliche Geschichte begann vor neun Jahren. Schon mit 13 war Lionel Andrès Messi ein begnadeter Fußballer, aber wegen Wachstumsstörungen mit 1,40 Metern vom Scheitel bis zur Sohle ein deutlich zu kurz geratener. Weil sich sein damaliger Klub, die Newell's Old Boys aus Rosario, Provinz Santa Fe, die Behandlungskosten von monatlich 900 Dollar für das Supertalent nicht leisten wollten und die Wirtschaftskrise in Argentinien auch sonst kaum Perspektiven bot, wanderte die sechsköpfige Familie Messi nach Europa aus.

Nach einem Probetraining schlug Barcelonas Nachwuchs-Trainer Carles Rexach zu, ließ Klein Lionel auf einer Serviette einen ersten, mit 600 Euro monatlich dotierten Vertrag unterschreiben und brachte ihn in der Klub-Kaderschmiede La Masia unter. Und Messi wuchs, auch durch tägliche Spritzen in beide Beine auf 1,69 Meter und, in Rexachs Erinnerung, zu einem "stillen Anführer, der niemals die Stimme erhob".

Am 16. Oktober 2004 debütierte er im Derby gegen Espanyol Barcelona für den Stolz Kataloniens in der spanischen Primera División. Seine ersten Auftritte auf internationaler Bühne hatte der unberechenbare Ballkünstler mit Zug zum Tor 2005 bei der U20-WM in den Niederlanden. Er führte Argentinien als bester Spieler und Schützenkönig zum Titel. In der folgenden Saison gewann "Leo" , wie Messi gerufen wird, mit Barça seine zweite Meisterschaft und erstmals die Champions League.

Die Last des Adels

Diego Maradona adelte Argentiniens Fußballer der Jahre 2005 und 2007 zu seinem legitimen Nachfolger. "Er wird besser, als es ich jemals war." Allerdings lässt sich Messi, der unter Maradona zuletzt in der Albiceleste (bisher 41 Einsätze und 13 Tore) kaum glänzen konnte, sehr ungern mit seinem Teamchef vergleichen. Die matten Auftritte in der Qualifikation für die WM 2010 in Südafrika haben ihm daheim (auch von Maradona) viel Kritik eingetragen. Messi war gekränkt. "Es berührt mich, wenn man sagt, ich würde nichts für die Albiceleste empfinden. Nichts verletzt mich mehr, als wenn behauptet wird, ich sei kein Argentinier", sagte der Pass-Spanier erst kürzlich El País.

Die Auszeichnung zu Europas Fußballer 2009 und zum Weltfußballer hat da vieles gutgemacht. Ans Geld braucht der bestbezahlte Barcelona-Kicker (12,5 Millionen pro Jahr) heute nicht mehr zu denken. Sein Vertrag wurde bis 2016 verlängert, die eher fiktive Ablösesumme beträgt 250 Millionen.

Für Constantini ist Messi auch ein Beispiel für "tausende Eltern, die glauben, dass ihre Kinder für eine Fußballerkarriere zu klein sind" . Riesen sind die von ihm präferierten Iniesta (1,73) und Xavi (1,70) übrigens auch nicht. (Sigi Lützow - DER STANDARD PRINTAUSGABE 23.12. 2009)

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    Lionel Messi, ein Kleiner, der ganz groß rausgekommen ist.

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