"Kein Unfall": Kirgisischer Journalist in Kasachstan gestorben

22. Dezember 2009, 15:53
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Reporter gehörte zu Kritikern von Präsident Bakijew - Opposition vermutet Attentat

Bischkek/Almaty - In Kirgistan (Kirgisistan/Kirgisien) ist ein regierungskritischer Journalist seinen schweren Verletzungen erlegen, nachdem er offenbar aus dem Fenster eines Hochhauses gestoßen wurde. Der 40-jährige Gennadi Pawliuk starb am Dienstag in Almaty, der Hauptstadt des Nachbarstaates Kasachstan, in einem Krankenhaus, wie ein Sprecher des Innenministeriums in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek sagte.

Pawliuk war am Mittwoch vergangener Woche aus einem Fenster im sechsten Stock eines Hochhauses in Almaty gestürzt; er wurde schwer verletzt aufgefunden, die Hände und Füße mit Klebeband zusammengebunden. Nach Angaben des Ministeriumssprechers schließen die Ermittler versuchten Mord nicht aus.

Pawliuk war beruflich in Kasachstan gewesen. Er wohnte in Almaty in einem Hotel und soll Medienberichten zufolge mit einem Unbekannten in die Wohnung gegangen sein, aus deren Fenster er später stürzte. In der Wohnung entdeckte die Polizei eine Rolle Klebeband, Pawliuks Hotelschlüssel und seine Jacke.

Kritiker des kirgisischen Präsidenten

Der Journalist, der unter dem Pseudonym Ibragim Rustambek veröffentlichte, war ein führender Kritiker des kirgisischen Präsidenten Kurmanbek Bakijew. Er schrieb für verschiedene Medien, darunter die kirgisische Ausgabe der russischen Zeitung "Komsomolskaja Prawda", und wollte zudem eine Internetseite für die Oppositionspartei Ata Meken herausbringen.

Nach deren Einschätzung war der Fenstersturz "kein Unfall". Parteichef Omurbek Tekebajew warf den Behörden in Bischkek vor, den Mord in Auftrag gegeben zu haben. Die Organisation Reporter ohne Grenzen zeigte sich "äußerst schockiert" über den Vorfall.

Bakijew war nach der sogenannten Tulpenrevolution im Jahr 2005 Staatschef des zentralasiatischen Landes geworden. Die Opposition wirft ihm Korruption und Unterdrückung der Meinungsfreiheit vor. Im Juli wurde er in einem umstrittenen Wahlgang für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. (APA/AFP)

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