Nachlese

Steindl: "Fekter kennt das Burgenland nicht"

Rainer Schüller, 22. Dezember 2009, 16:45
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    foto: apa/robert jaeger

    Franz Steindl: "Ich glaube, dass man die Burgenländer nicht für dumm verkaufen sollte. Die können die Situation am besten einschätzen. Wer sie nicht einschätzen hat können, ist die Frau Fekter."

Der burgenländische ÖVP-Chef erklärt im derStandard.at-Interview, warum er die Vorgangsweise seiner Parteikollegin bei der Errichtung eines Asylzentrums in Eberau verurteilt und was er sich von ihr erwartet

Franz Steindl ist ÖVP-Chef im Burgenland. Über seinen Kopf hinweg haben Innenministerin Fekter und der schwarze Bürgermeister von Eberau eine Erstaufnahmestelle für Asylwerber errichten wollen. Im Interview mit derStandard.at erklärt er, was ihn an der Vorgangsweise seiner Parteikollegin stört, und wie es nun in der kleinen südburgenländischen Gemeinde weiter gehen soll.

***

derStandard.at: Wird nun in Eberau ein Asylzentrum errichtet werden oder nicht?

Steindl: Wir haben vorläufig mit Erlass an die Bezirkshauptmannschaft Güssing diesen Bescheid gestoppt. Mit den Stimmen von SPÖ, ÖVP und den Freiheitlichen wurde gestern im burgenländischen Landtag beschlossen, dass es in den drei Bezirken Jennersdorf, Güssing und Oberwart eine Volksbefragung geben soll. Für mich ist das Ergebnis dieser Volksbefragung bindend. Damit erwarte ich mir ein endgültiges Aus.

derStandard.at: Ihre Parteikollegin Maria Fekter erwartet aber ein anderes Ergebnis. Wieso sieht sie das anders?

Steindl: Weil die Frau Fekter das Burgenland nicht kennt. Da nicht lebt. Da nicht wohnt. Und auch die Mentalität der Menschen da nicht kennt. Alleine ihr Fehltritt mit diesem Alleingang zeigt, dass sie keine Ahnung vom Burgenland hat.

derStandard.at: Wieso wurden Sie eigentlich nicht eingebunden in den Eberauer Plan?

Steindl: Das müssen Sie die Frau Fekter fragen.

derStandard.at: Und wieso ist Frau Fekter eigentlich genau auf Eberau gekommen?

Steindl: So wie sich das jetzt rekonstruieren lässt, wurde das an alle Gemeinden ausgeschrieben. Da hat sich Eberau anscheinend auch gemeldet und hier wurde dieses Stillschweigen offenbar vereinbart.

derStandard.at: Sind Sie jetzt angefressen auf Ihre Kollegin?

Steindl: In der Politik gibt es keine persönlichen Befindlichkeiten. Die muss man zurück schrauben. Da muss man Profi sein. Man muss die Sache im Vordergrund sehen. Ich vertrete die Interessen der Burgenländerinnen und Burgenländer und so werde ich mich auch in Zukunft verhalten.

derStandard.at: Der Gemeinderat von Eberau hat sich laut Pressemeldungen für das Asylzentrum ausgesprochen. Zählt das nicht?

Steindl: Das stimmt nicht. Der Gemeinderat wurde nur in einer Gemeinderatssitzung unter dem Tagesordnungspunkt "Allfälliges" informiert. Dabei kann man aber gar keine Beschlüsse fassen. Anscheinend möchte jetzt aber auch die Gemeinde Eberau eine Befragung durchführen. Mir ist alles recht, was dazu nützt, Aufklärung zu betreiben, und die Bevölkerung miteinzubinden. Das ist auch mein Zugang zu einer Politik der Transparenz und nicht des Mauschelns.

derStandard.at: Warum sind Sie eigentlich so strikt gegen das Asylzentrum?

Steindl: Ich bin nicht grundsätzlich dagegen. Sondern, gegen diese Vorgangsweise und gegen diese Unsensibilität. Es werden im Burgenland auch jetzt schon Asylanten aufgenommen. Aber es ist ein Wahnsinn, ein derart großes Projekt mit 300 Asylanten zu bauen in eine Region, in der es kaum Infrastruktur gibt. Das sagen ja auch Vertreter von Non-Profit-Organisationen.

derStandard.at: Der Eberauer ÖVP-Bürgermeister argumentiert mit den Arbeitsplätzen, die es geben würde.

Steindl: Dem Bürgermeister mache ich deswegen keinen Vorwurf, weil er in einer Region lebt, wo leider Gottes nicht viel an Wirtschaftskraft gegeben ist, und er selbstverständlich jeden Strohhalm ergreift, der sich ihm anbietet. Ich mache der Innenministerin den Vorwurf, dass sie da sehr unsensibel vorgegangen ist.

derStandard.at: Sie schließen also nicht aus, dass im Burgenland ein Asylzentrum errichtet werden könnte?

Steindl: Ich kann mir nicht vorstellen,  dass man so etwas im Geheimen und ohne Mitsprache der Bevölkerung macht. Jetzt gibt es eine Volksbefragung und ich erwarte mir, dass sich die Frau Minister an das Ergebnis hält.

derStandard.at: Könnten Sie sich eine Region oder ein Dorf im Burgenland vorstellen, wo ein derartiges Asylzentrum hinpassen würde?

Steindl: Ich kann mir nicht vorstellen, dass so etwas im Geheimen irgendwo hingestellt wird, wenn andere Bundesländer ihren aliquoten Verpflichtungen nicht nachgekommen sind.

derStandard.at: Dass im Süden Österreichs ein Asyl-Erstaufnahmezentrum errichtet werden soll, steht im Koalitionsvertrag.

Steindl: Ich habe diesen Vertrag nicht unterschrieben. Das hat Herr Niessl getan.

derStandard.at: Er hat im ORF gemeint, er sei damals nicht der Verhandlungspartner von Fekter gewesen.

Steindl: Er hat das verhandelt und unterschrieben, und zwar nicht nur sein Kapitel, sondern den gesamten Koalitionsvertrag.

derStandard.at: Also ist Niessl Schuld?

Steindl: Nein, das habe ich nicht gesagt. Er hat mit seiner Unterschrift die Grundlage geschaffen, und bei einer Landeshauptleute-Konferenz im Jänner ist dieses Asyl-Thema auch zur Sprache gekommen. Da hat Niessl dazu kein einziges Wort verloren. Drittens ist er der Chef der Raumplanung des Landes, und als diese Umwidmung seitens der Gemeinde Eberau angesucht wurde, hat er nicht mit der notwendigen Sorgfalt geprüft und die ganze Landesregierung getäuscht.

derStandard.at: Viele burgenländische Politiker haben sich über Parteigrenzen hinweg gegen das Asylzentrum ausgesprochen. Ist Burgenländer-Blut dicker als Partei-Blut?

Steindl: In einer modernen Demokratie zählt der Wille des Volkes. Da geht es darum, dass die Interessen der Burgenländerinnen und Burgenländer bestens vertreten werden. Dass vermisse ich beim Herrn Landeshauptmann, der im Burgenland die Muskeln spielen lässt, aber sich scheinbar bei der Landeshauptleute-Konferenz auf Bundesebene nicht durchsetzen kann.

derStandard.at: Wie wollen Sie sich gegen Ihre Parteikollegin Fekter nun durchsetzen?

Steindl: Wenn die Frau Fekter eine Aussprache möchte, stehe ich jederzeit zur Verfügung. 

derStandard.at: Kann man sich das jetzt so vorstellen, dass Sie im Wirtshaus in Eberau Werbung gegen das Asylzentrum machen und Ihre Parteikollegin im selben Haus dafür?

Steindl: Ich glaube, dass man die Burgenländer nicht für dumm verkaufen sollte. Die können die Situation am besten einschätzen. Wer sie nicht einschätzen hat können, ist die Frau Fekter.

derStandard.at: Wo sollte man nun das vereinbarte Asylzentrum hinbauen?

Steindl: Das zu klären ist Aufgabe der Innenministerin. Dafür wird sie bezahlt. Dafür ist sie als Ministerin bestellt worden. Da gehört sehr viel Feingefühl dazu. Das kann man nur so, wie sie es in der Steiermark gemacht hat, mit der Bevölkerung tun. (Rainer Schüller, derStandard.at, 22.12.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 67
1 2
Oswald vom Berg
 
00
23.12.2009, 15:25
Sie kennt schon mehr nicht,

die Guteste! Mir fielen ein: Anstand, Würde, Menschlichkeit.

gadoladolällar1
01
23.12.2009, 15:04

Er wirft Fetker vor das sie "unsensibel" vorgegangen ist. Ist Fekter schon einmal sensibel vorgegangen??
Kann mich nicht erinnern.

Herhelm
10
23.12.2009, 14:33
Wir hatten

bereits eine Königscobra. Jetzt haben wir eine Klapperschlange !

ricko
00
23.12.2009, 17:34

cobras sind klapperschlangen du afferl

skip it
01
23.12.2009, 13:38
der steindl ist ein grund fuer neue burgenlaenderwitze...

Corny5
00
24.12.2009, 04:03

als burgenländer muss ich da sagen: ja, leider!

Aux Armes Citoyens!
82
23.12.2009, 12:55
liebe burgenlandler

stellt´s euch net so an. kein anderes bundesland hat soviel eu-förderungen erhalten und kein anderes bundesland ist so vehement gegen die eu. sehr intelligent.

wo wären die ganzen bauern und winzer ohne die hilfen? und was wählen sie? die rote burgenländische kopie eines jörg haider, nur net ganz so fesch...

hier regiert populismus statt hirn. wie in kärnten.

eva36
10
23.12.2009, 16:14
BIN AUCH EINE BURGENLÄNDERIN""""

LEBE SEIT60 JAHREN NICHT IN BURGENLAND ;BIN 77 HABE EIN HAUS IN NIEDERÖSTERREICH ;BIN WITWE MUSS ALLEIN ERHALTEN !! DANK BURGENLÄNDISCHER FRZIEHUNG ;NICHT MEHR AUSGEBEN ALS MAN HAT : KEINE HILFE VON EUROPA´´UNION :MAN MACHT WITZE DER BGL FÄHRT MIT ZWEI SCHEIBTRUHEN
(((((((((((((



branca rosic
 
00
23.12.2009, 18:36

Warum fährt der Burgenländer mit zwei Scheibtruhen?

eva36
00
24.12.2009, 08:54

weil er in einem tag mehr macht ,als die andern in zwei TAGEN ((((((((((((((((

entenkrages
10
23.12.2009, 14:52
fördergelder 2

weiters: stellen Sie sich vor, fördergelder wandern nicht in den geldbeutel der lokalen bevölkerung. ein kleiner prozentsatz von einheimischen profitiert davon durch einen neuen arbeitsplatz, die große mehrheit hat den subjektiven schaden in form von riesigen bauprojekten in der natur, gestiegener grundpreise und einem neureichen bauunternehmer in der nachbarschaft.

eu-ablehnung mit mangelnder intelligenz zu verknüpfen ist sehr kurzsichtig. gerade dort, wo das füllhorn ausgeschüttet wird, kommt es zu persönlich empfundenen ungerechtigkeiten.

entenkrages
00
23.12.2009, 14:39
vorsichtig sein

die neiddebatte bezüglich eu-fördergeldern steht den burgenländer schon bis oben hin.

das burgenland war nach dem zweiten weltkrieg plötzlich endstation des westens. die grenze war der eiserne vorhang, da gab es weder transit noch investitionen. das lag nicht an der bevölkerung sondern war einfach geopolitisches pech. die eu-gelder konnten nie das ausgleichen, was die welt- und bundespolitik jahrzehntelang verursacht haben.

Woprschalek Jacqueline
01
23.12.2009, 12:35
und ich kenn den steindl nicht. was erlaubt sich der überhaupt?!

Großer Böser
 
01
23.12.2009, 11:37
"Aber es ist ein Wahnsinn,...

... ein derart großes Projekt mit 300 Asylanten zu bauen in eine Region, in der es kaum Infrastruktur gibt."

Auf die Idee, dass dies von seiner philantrophischen Parteikollegin GENAU SO geplant ist kommt der gute Mann anscheinend nicht. Wäre ja auch ziemlich unpraktisch, Asylanten den Zugang zu Bekannten, Familie, Rechtshilfe, NGOs, etc. zu ermöglichen.

mief quirl
00
23.12.2009, 14:13

Die Herren und Damen Rechtshelfer und NGOs sind sich wohl zu fein um vom 7ten ins Südburgenland zu fahren? Also echt.....

Ok, Sarkasmus beiseite, ich finde, die Idee des Abschneidens vom Ballungsraum hat was. Damit nehmen sie mißbräuchlichen Verwendern des Rechts auf Asyl den Zugang zu den Märkten ihrer "Waren und Dienstleistungen" was im Endeffekt denjenigen zugute kommt die wirklich Zuflucht benötigen, inklusive jenen, die von Hintermännern zu illegalen Tätigkeiten genötigt werden.

sansquartier
04
23.12.2009, 10:49
Demokratieverständnis in österreich

Man ködert einen bürgermeister, verspricht musikheime, tennisplätze, arbeitsplätze ua, vereinbart stillschweigen, damit sich kein widerstand formiert, und überrumpelt dann den überforderten gemeinderat. Nach diesem schema wurden in Ö schon viele projekte "durchgezogen".

ergomane
03
23.12.2009, 10:49
fekter zitat sagt alles

inhaltlich - wortgetreu kann ich micht nicht mehr erinnen - meinte sie am samstag: "ich bin genau jetzt hergekommen, weil ich aufklären und überzeugen will". äh....? seit sommer hat sie es schon gewußt und geplant und jetzt schaut sie mal rein? das is ein halbes jahr!? tschetschenen und afghanen? bis zu 300? na 1% mit unlauteren absichten könnten reichen oder 0,5%...und das in einer paar hundert seelen gemeinde? wer das einfach als hetze abtut ist blind auf den augen.
wohnhaft an der kulmer weinstraße 500 m luftlinie vom 2,5 hektar geplanten und sicher nicht realisierten "lager" komplex...

ego n
00
23.12.2009, 14:14

die vielen hier, sind ja nur dafür, weil sie sie nicht in IHRER nähe haben wollen!

danielamaria
13
23.12.2009, 10:30
Asylzentrum Eberau

Natürlich braucht es ein Erstaufnahmezentrum für Asylwerber, aber das in eine Region zu stellen, wo es außer der ungarischen Grenze nichts gibt und noch dazu in einen Ort, der selbst nicht mehr als 300 Einwohner hat, halte ich für sehr unüberlegt.

Eine Region, die jetzt Jahre lang am sanften Tourismus gearbeitet hat, damit sich wenigstens ein paar wenige Arbeitsplätze erschließen. Eine Region, die von Montag bis Freitag quasi menschenleer ist, weil die Leute nach Wien oder Graz arbeiten fahren müssen.

In einem Ort, in dem unter der Woche fast nur alte Menschen und Frauen (in Karenz) mit Kindern zuhause sind... und dann 300 bis 400 Asylwerber...

Da kann keine Integration möglich sein. Etwas kleiner wäre es vielleicht denkbar.

BirgerJarl
32
23.12.2009, 10:14

Kärnten 2
Mia san mia, die in Wean kennen uns net, wohnen net bei uns und verstehen uns net...

Milan99
11
23.12.2009, 10:05

natürlich ist es mehr als schlecht solche entscheidungen im geheimen zu treffen und die bevölkerung vor vollendete tatsachen zu stellen.
wenn man aber immer vorher volksbefragungen abhält und diese dann noch bindend für die entscheidung pro oder kontra bau eines asylzentrums macht, tippe ich mal, dass in österreich nirgends mehr eines gebaut wird.

gegenwetten werden gerne angenommen :D

Teleobjektiv1
02
23.12.2009, 10:38

Und wieso schafft man es dann in der Steiermark?

Im Grunde habe ich folgende Wahl:

- Zuerst diskutieren, dann entscheiden
- Zuerst entscheiden, böses Blut schaffen, dann versuchen zu diskutieren, gegen eine Wand rennen, weil das Klima vergiftet ist, Entscheidung zurückziehen.

Tertium non datur.

Die Schottermitzi wollte sich aber die mühsamen Diskussionen sparen, mit dem Ergebnis, dass sie sich nun von ihrem Projekt definitiv verabschieden kann. DIESES Projekt ist so nicht mehr durchsetzbar.

Das Vorgehen der Schottermitzi sagt übrigens viel aus über das Niveau der Ösipolitik

Milan99
00
24.12.2009, 15:42

ganz einfach, in der steiermark sind die schubhäftlinge unter verschluss (drum heissen sie ja häftlinge) im gegensatz zu einem erstaufnahmezentrum. da machen sich die leute wahrscheinlich weniger sorgen, dass die kriminalität ansteigt!! womit ich nicht sagen wil, dass das der fall sein wird, aber die ängste sind nun mal unbestreitbar vorhanden.

skip it
30
23.12.2009, 13:40
noch mehr sagt das theater...

...ueber das burgenland im allgemeinen, ueber die sozialdemokratei à la niessl im besonderen und ueber den wandelnden scherz steindl.

wahnsinn!: da erlaubt sich tatsaechlich ein regierungsmitglied etwas zu entscheiden, ohne einen bedeutungslosen parteipagen im burgenland kniefaelligst um zustimmung anzuflehen!

aber JETZT mach mr uns wichtig!

armselig.

perau1
 
00
24.12.2009, 00:47

gut, dass sie selbst erkennen, dass ihr geschreibsel armselig (besser noch: armseligst) ist. in ihrem eifer, der övp den wurstel zu machen merken sie gar nicht wie lächerlich sie sich dabei machen. dass die övp noch immer solche poster wie sie einsetzen zeigt, dass auch die övp nicht kapiert hat, dass ihr der övp mehr schadet als nützt und an den nr-wahl-niederlagen mit beteiligt seid.

aber geistlose menschen wie sie braucht die övp, denn die denkenden laufen ihr bei der nächsten nr-wahl wieder davon.

frage, die vl. auch sie beantworten können: wie oft kann sich die övp noch minus 8% bei nr-wahlen leisten?

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