"Wir möchten Tournee gewinnen!"

22. Dezember 2009, 14:00
posten

ÖSV-Adler-Coach Pointner macht kein Hehl aus den Zielen - Schlierenzauer und Ammann die großen Favoriten für die Vierschanzen-Tournee

Wien/Innsbruck - Neun Jahre hatten Österreichs Adler warten müssen, doch am 6. Jänner 2009 war es so weit: Wolfgang Loitzl kürte sich zum Sensationssieger der Vierschanzen-Tournee. Und wie vor einem Jahr zählt der Steirer wieder nur zum erweiterten Favoritenkreis. Denn die Top-Favoriten sind auch bei der am 28.12. in Oberstdorf beginnenden 58. Auflage der "Jack-Wolfskin-Vierschanzen-Tournee" Gregor Schlierenzauer und Simon Ammann.

Sowohl Österreichs Superstar, der schon als Teenager vor kurzem den ÖSV-Allzeit-Rekord von Andreas Felder (25 Weltcupsiege) mit seinem 26. Sieg überboten hat, als auch der Schweizer Doppel-Olympiasieger von 2002 fehlt der Tournee-Sieg auf ihrer Erfolgs-Visitenkarte noch. "Es wäre tiefgestapelt, wenn man ihn nicht zu den Favoriten zählen würde", meint auch ÖSV-Cheftrainer Alexander Pointner, der auch kein Hehl aus dem hohen Ziel seiner Mannschaft machte. "Da brauchen wir gar nichts schönreden. Wir haben alle so gearbeitet, dass wir die Tournee gewinnen möchten", so Pointner.

Sieben Adler

Neben Schlierenzauer muss man freilich auch mit Titelverteidiger Loitzl, Thomas Morgenstern und dem heuer wieder erstarkten Andreas Kofler rechnen. Ergänzt wird das siebenköpfige ÖSV-Team durch Martin Koch und den aus dem Kontinentalcup aufgerückten Stefan Thurnbichler und Junioren-Weltmeister Lukas Müller.

Trotz vielen Höhepunkten gerade in dieser Saison, bleibt die Traditionsveranstaltung in Oberstdorf (29.12.), Garmisch-Partenkirchen (1.1.), Innsbruck (3.1.) und Bischofshofen (6.1.) ein auch emotional ganz wichtiger Teil dieser Olympia-Saison. Auf vier verschiedenen Schanzen muss man achtmal schon sehr gut springen, will man am Ende ganz oben stehen. Pointner zur Faszination Tournee: "Es ist eine Mischung zwischen Olympia- oder WM-Springen und dem Gesamt-Weltcup. Im Gesamt-Weltcup kann man sich vielleicht für kurze Zeit einen Durchhänger leisten, obwohl das bei der Dichte auch schon fast nicht mehr geht. Bei Olympia oder WM kann man sich überhaupt keinen Patzer leisten."

"Leistungsbeschleuniger" für Ahonen

Die Konkurrenz wird derzeit von Simon Ammann angeführt. Er kommt auch als Weltcupleader nach Oberstdorf, wo am Montag Training und Qualifikation auf dem Programm stehen. "Simon ist kein unbeschriebenes Blatt, er hat auch schon sehr viel gewonnen. Er springt auch dieses Jahr wieder auf sehr hohem Niveau, das wirkt auch beflügelnd für unsere Leute", meint Pointner. Nicht außer Acht lassen dürfe man auch den Routinier und Rückkehrer Janne Ahonen, den bisher einzigen fünffachen Tournee-Sieger. "Der sieht das als Leistungsbeschleuniger an, wenn die 'Aura' von der Tournee da ist, wie auch für unsere Sportler, weil wir auch vor unserem Publikum springen."

Für den vierfachen Familienvater, der wie immer beim Neujahrsspringen seinen Geburtstag, es wird der 39., feiert, ist es bereits die sechste Tournee als Cheftrainer. Erfolgsmüde ist weder er, noch seine Burschen. Mit Morgenstern ("Das Rennpferd Morgenstern muss nur einmal richtig in Fahrt kommen, dann ist der nächste Leistungsschub da") und Kofler, der mit den Saison-Rängen 7, 6, 6, 4, 3, 4 als einziger Springer überhaupt immer in den Top Ten war, sind neben Schlierenzauer und Loitzl zwei weitere ÖSV-Adler zum erweiterten Favoritenkreis zu zählen.

Pointner ist es wichtig, dass manche seiner Aussagen nicht als Überheblichkeit interpretiert werden. Und sollte es nicht klappen, werde er auch nicht unbescheiden sein. "Wenn ich weiß, dass die Mannschaft sehr gut gearbeitet hat und wir nicht auf der falschen Fährte sind, dann bin ich zufrieden."

Sein Team wird eventuell noch an diesem Mittwoch eine kurze Einheit auf der Tournee-Schanze in Innsbruck absolvieren, sollte es das Wetter zulassen. "Aber dann kommt das Christkind." Nur der Heilige Abend wird heilig gehalten. "Grundsätzlich gibt es auf dem Level keine gesetzlich vorgeschriebenen Feiertage", spricht Pointner individuelle Trainingseinheiten der Sportler an.

Papa Pointner will die paar Tage mit seiner Familie "intensiv genießen, weil ich weiß, dass es etwas Besonderes ist, wenn man das Leuchten der Augen der Kinder sieht. Für die Kinder ist Weihnachten so wie für uns zur Tournee fahren", sagte Pointner. Und das meint er ernst. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein Adler über Innsbruck.

Share if you care.