Sechs Fälle von möglichem wissenschaftlichen Fehlverhalten

22. Dezember 2009, 12:15
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"Österreichische Agentur für wissenschaftliche Integrität" befasst sich mit "alten und neuen Vorwürfen"

Wien - Die "Österreichische Agentur für wissenschaftliche Integrität" (OeAWI) ist ein halbes Jahr nach ihrer Konstituierung mit sechs Fällen möglichen wissenschaftlichen Fehlverhaltens befasst, wie der Vorsitzende des Trägervereins, FWF-Präsident Christoph Kratky, nach einer Sitzung der OeAWI-Kommission am Montag in Wien erklärte. Bei den Fällen handle es sich um "alte und neue Vorwürfe", weitere Angaben darüber werden nicht gemacht. "Es liegt in der Natur der Sache, dass die Fälle nicht öffentlich gemacht werden", so Kratky.

Die OeAWI wurde 2008 unter dem Eindruck von Plagiatsfällen und mehreren Verdachtsfällen wissenschaftlichen Fehlverhaltens gegründet. Die ausschließlich aus ausländischen Experten zusammengesetzte Kommission der Agentur unter dem Vorsitz der deutschen Biowissenschafterin Ulrike Beisiegel hat sich Ende Juni konstituiert. Aufgabe des Gremiums ist es, Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens in Österreich nachzugehen und zu bewerten.

Mittlerweile sind laut Kratky 19 der 21 Universitäten, die Akademie der Wissenschaften, das Institut of Science and Technology (IST) Austria, der Wissenschaftsfonds FWF und der Wiener Wissenschafts- und Technologiefonds (WWTF) Mitglied der Agentur. Man wolle auch anderen Institutionen, die Forschung betreiben bzw. fördern, die Mitgliedschaft anbieten. Wichtig sei es, die Position der Kommission zu stärken und diese wirklich unabhängig zu machen - auch von einer Einflussnahme des Trägervereins, sagte Kratky.

Fünf bis zehn Fälle pro Jahr

Die sechs derzeit behandelten Fälle sind für den Präsidenten des Wissenschaftsfonds FWF "nicht viel". Es handle sich einerseits um "Altlasten", es sei aber auch "der eine oder andere neue Fall" aufgetaucht. Insgesamt rechne man pro Jahr mit fünf bis zehn Fällen möglichen wissenschaftlichen Fehlverhaltens.

Konsequenzen bei Fehlverhalten wird die Agentur keine ziehen, das bleibt den jeweiligen Institutionen, also etwa den Unis, Disziplinarkommissionen oder Gerichten vorbehalten. Beisiegel kündigte bei der Konstituierung aber an, Empfehlungen abzugeben. Kratky rechnet mit einem ersten Bericht der OeAWI in rund einem Jahr. (red/APA)

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