Krebstherapie

Überbehandlung bei Brustkrebs

22. Dezember 2009 12:02

Geringer Überlebensvorteil mit kombinierter Hormon-Chemotherapie - Nebenwirkungen jedoch eklatant

London/Seattle/Wien - Die adjuvante Chemotherapie ist bei Brustkrebspatientinnen eine gängige Behandlungsoption. Auch dann, wenn eine antihormonelle Therapie genügen könnte, das Zytostatikum also kaum zusätzliche positive Effekte erzielt. Das hat eine US-Studie mit einem Beobachtungszeitraum von zehn Jahren ergeben, die in der neuesten Ausgabe des "Lancet" erschienen ist. In einem Kommentar weisen die Wiener Spezialisten Michael Gnant und Günther STeger darauf hin, dass man bei solchen Patientinnen vor allem eine Überbehandlung wegen der Nebenwirkungen vermeiden sollte.

Die US-Wissenschafter unter Leitung von Kathy Albain (Loyola University in Maywood im US-Bundesstaat Illinois) hatten 1.558 Frauen mit hormonabhängigen Brustkrebs und Lymphknotenbefall in die Studie aufgenommen. Ein Teil von ihnen erhielt nach der Operation fünf Jahre lang Tamoxifen, ein seit langer Zeit verwendete Medikament bei solchen Formen von Brustkrebs, die auf den Wachstumsimpuls des körpereigenen Östrogens ist. Ein Teil der Patientinnen erhielt hingegen noch zusätzlich (in zwei verschiedenen Verabreichungsformen) eine Chemotherapie (Cyclophosphamid, Doxorubicin und Fluorouracil) über einen Zeitraum von bis zu einem halben Jahr hinweg.

Anstieg der Gesamtüberlebensrate um fünf Prozent

Die Beobachtungszeit betrug schließlich maximal 13 Jahre, im Durchschnitt waren es fast neun Jahre. Der Vergleich der drei Patientengruppen erbrachte kaum Vorteile für jene Frauen, welche die belastendere zusätzliche Chemotherapie bekommen hatten: Zwar erkrankten um 24 Prozent weniger Frauen neuerlich an einem Mammakarzinom, was statistisch signifikant war, die Gesamtüberlebensrate erhöhte sich aber - statistisch nicht signifikant - nur um fünf Prozent.

Vor allem die österreichische Studiengruppe ABCSG zur Erforschung neuer Therapien bei Brust- und Darmkrebs hat in den vergangenen Jahren international für Aufsehen gesorgt, weil sie bewiesen hat, dass eine antihormonelle Therapie (z.B. mit Tamoxifen oder sogenannten Aromatase-Hemmern) bei bestimmten Patientinnen zumindest genauso wirksam wie eine Chemotherapie ist - bei wesentlich weniger Nebenwirkungen.

Kombination hat ihren Preis

"The Lancet" lud daher den ABCSG-Präsidenten, den Wiener Chirurgen Michael Gnant, und den Wiener Onkologen Günther Steger zu einem Kommentar ein: "Zunächst einmal nicht schaden, lautet ein Hauptprinzip der Medizin", schrieben die beiden Experten. Die erzielten fünf Prozent Überlebensvorteile hätten auch ihren Preis. So traten nach der Hormon-Chemotherapie mehr Fälle von Blutbildveränderungen, Thrombosen, Herzschwäche, Leukämie und andere mögliche Langzeitfolgen einer Zytostatika-Behandlung auf. (APA)

 

Kommentar posten
14 Postings
contains sugar
22.12.2009 16:34

das sich das mal wer denken, geschweige denn laut sagen traut! hut ab!

fluchtpunkt
22.12.2009 22:57

Dazu braucht es kein "trauen", sondern einfach seriöse wissenschaftliche Arbeit.

Anders, als Sie vielleicht glauben, wollen wir für unsere Patientinnen die am wenigsten belastende Therapie (bei gleichem Überlebensvorteil).
Dass durch die antihormonelle Therapie bei Brustkrebs viel an Chemotherapie zurückgefahren werden kann, ist ein sehr erfreulicher, aber keineswegs sensationell neuer Trend.

contains sugar
23.12.2009 12:00

die wissenschaftlichen arbeiten gibts aber schon lange. wieso wurden sie so lange verschwiegen?

fluchtpunkt
25.12.2009 12:33

Es wurde überhaupt nichts verschwiegen, Sie Schlaumeier. Die vorliegenden Daten sind aktuell und jetzt zeitgerecht erschienen.
Wer würde auch interessante Ergebnisse unter den Tisch kehren wollen?

Gerade die Therapie des Mammacarcinoms hat in den letzten Jahren eine stürmische Entwicklung gemacht (und macht sie noch), die den betroffenen Frauen (weniger leider den betroffenen Männern) viel an Heilung oder, wenn diese nicht mehr möglich ist, Lebenszeit und -qualität bringt.

Überzeugende Erkenntnisse, die sich auch reproduzieren lassen, werden in der Onkologie sehr, sehr schnell in die tägliche Praxis übernommen, viel schneller als in vielen anderen Bereichen.
Wenn wir gute Dinge sehen, stürzen wir uns eh wie die Geier drauf. ;)

contains sugar
25.12.2009 12:46

warum fühlst du dich eigentlich persönlich angegriffen?

fluchtpunkt
26.12.2009 17:16

Polemik aus Ihrer Feder muß man mit der Realität kontern. Das hat nichts mit mir persönlich zu tun.
Per Du sind wir übrigens nicht.

contains sugar
28.12.2009 10:26

du schreibst in internetforen und weißt nicht, dass man da per du ist? wo ist dein sinn für realität?

fluchtpunkt
28.12.2009 16:03

*seufz* Rüssel an Schwanz, hm?
Meine Umgangsformen ändere ich nicht mit dem Medium.

contains sugar
28.12.2009 17:48

du kannst das halten, wie du willst, nur erwarte halt nicht, dass sich andere auf deine sonderwünsche einstellen.

contains sugar
25.12.2009 12:45

wer? denk mal stark nach.

fluchtpunkt
26.12.2009 17:19

Wahrscheinlich wieder mal die pöhse Pharmaindustrie? Oder die pöhsen Ärzte? Oder die Illuminaten? Oder der Terrier meiner Nachbarin?
Tja, wer weiß...

contains sugar
28.12.2009 10:27

begründung?

fluchtpunkt
28.12.2009 16:02

Der Inhalt Ihrer letzten paar hundert Postings auf dieser Seite brachte mich zu der Annahme, es handle sich wieder um Ihre üblichen Verdächtigen.
Das ist übrigens langweilig.

contains sugar
28.12.2009 17:48
paar hundert postings? zählst du da mit? ;)

zu deinem posting: deswegen hätte ich ja gerne deine begründung gelesen.

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