Ohne Brustkorbschnitt zum Herzen

22. Dezember 2009, 10:15
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Eine Operation, zwei Eingriffe - Minimal-invasive Kombinationsmethode senkt Eingriffsrisiko und Operationstrauma für Herz-Patienten

Jena - Mit einem bisher einmaligen minimal-invasiven Eingriff am schlagenden Herzen ist jetzt der neue Hybrid-Operationssaal am Herzzentrum des Universitätsklinikums Jena (UKJ) in Betrieb genommen worden. In einer fünfstündigen Operation haben die Herzchirurgen und Kardiologen des UKJ dabei einem 80-jährigen Patienten sowohl einen Bypass gelegt als auch einen transapikalen Aortenklappenersatz implantiert. Beide Operationen wurden minimal-invasiv über den gleichen 4,5 Zentimeter großen Schnitt am Brustkorb und ohne Einsatz der Herz-Lungen-Maschine am schlagenden Herzen durchgeführt. Der schwerkranke Patient, für den ein herkömmlicher Eingriff aufgrund der Vorerkrankungen nicht in Frage kam, konnte am Abend nach dem Eingriff bereits wieder extubiert werden.

Operieren mit Bildschirm

Die bei dieser Operation angewendete Methode der Verbindung zweier minimal-invasiver Eingriffe am schlagenden Herzen ist extrem anspruchsvoll für die Operateure: Die Operation ohne Herz-Lungen-Maschine verlangt schnelles Arbeiten, der minimal-invasive Zugang nur über einen kleinen Schnitt bedeutet, dass der Chirurg sein Arbeitsfeld nur mit Hilfe von Bildübertragungen sehen kann.

Voraussetzung für das Gelingen ist dabei eine enge Zusammenarbeit der Herzchirurgen mit den Kardiologen und den Kardioanästhesisten, die in einem Hybrid-Operationssaal gemeinsam an dem zusätzlich mit einem Herzkatheter ausgestatteten Operationstisch stehen. "Dadurch wurde die von uns umgesetzte Kombination der beiden Eingriffe erst möglich", erklärt Herzchirurg Oberarzt Dr. Martin Breuer. "Nach dem Ersatz des Herzgefäßes durch einen Bypass haben wir kathetergestützt transapikal, also direkt über die Herzspitze, eine stentgestützte Herzklappenprothese eingeführt und an Stelle der alten, funktionsuntüchtigen Klappe über eine Ballonaufdehnung entfaltet. Nach unserem Wissen gehören wir damit zu den ersten, die diesen Eingriff in einer solchen Verbindung, minimal-invasiv und ohne Herz-Lungen-Maschine, bisher umsetzen konnten."

Chance für ältere und multimorbide Patienten

Die auf diese Weise schnellere und schonendere Operation bietet vor allem für ältere Herz-Patienten eine neue Chance, für die aufgrund von Zusatzerkrankungen eine herkömmliche Herzoperation mit Herz-Lungen-Maschine und großem Brustkorbschnitt nicht in Frage kommt. "Für diese Hochrisikopatienten kann so das Eingriffsrisiko und das Operationstrauma gesenkt werden", so Oberarzt Markus Ferrari, Kardiologe am Universitätsklinikum Jena. "Dank der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Chirurgen und Kardiologen können nun mit solchen minimal-invasiven Eingriffen neue Behandlungsmöglichkeiten für diese in Zukunft weiter wachsende Gruppe von älteren und multimorbiden Patienten entwickelt und angeboten werden."(red)

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