Jüdische Friedhöfe

"Ein verspätetes Chanukkageschenk"

22. Dezember 2009, 19:50
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    foto: christian fischer/der standard

    Jahrelang dem Verfall preisgegeben, weil Bund und Länder über Zuständigkeiten stritten: Von 61 jüdischen Friedhöfen ist fast jeder dritte, wie hier in Wien-Währing, in einem bedenklichen Zustand.

Neun Jahre lang hatten Bund und Länder darüber gestritten, wer die Erhaltung der jüdischen Friedhöfe bezahlen soll - Nun gibt es eine Einigung

Wien - Ariel Muzicant, der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) sprach von einem "verspäteten Chanukkageschenk". Denn im jahrelangen Tauziehen, wer für die 2001 von der Republik im Washingtoner Abkommen zugesicherten Erhaltung der 61 jüdischen Friedhöfe in Österreich zuständig sei, wurde Montagabend ein Durchbruch erreicht: Bund und Länder einigten sich, einen Instandsetzungsfonds einzurichten. Der wird vom Bund über 20 Jahre jährlich mit einer Million Euro befüllt. Weitere 20 Millionen werden die Kultusgemeinden aufbringen - zum Großteil vermutlich durch Spenden.

Auch vonseiten der Länder wird es Beteiligungen an den Kosten geben. Insgesamt wurde in den vergangenen Jahren von einem Gesamtfinanzbedarf von mehr als 40 Millionen Euro gesprochen.

Länder und Bund hatten jahrelang darüber gestritten, wer für die Erhaltung zahlen soll - die Friedhöfe waren währenddessen verfallen. Nach einer Liste der Kultusgemeinde sind lediglich sechs jüdische Friedhöfe in gutem Zustand - 18 gelten demnach als "mangelhaft" gepflegt. Historiker, wie etwa die Wiener Forscherin Tina Walzer, hatten seit Jahren eine gesetzliche Lösung die gefordert, um den Verfall zu stoppen: "Sonst ist alles für immer hin."

Länderanteil

Am Rande des Ministerrates hieß es am Dienstag, dass Niederösterreich und das Burgenland voraussichtlich 25 Prozent der im jeweiligen Bundesland anfallenden Kosten übernehmen dürften. Den größten Länderbrocken wird aber Wien zu tragen haben.

Schon bisher zahlte Wien der IKG jährlich rund 320.000 Euro für die Friedhofspflege. Diese Summe genügt jedoch gerade, um den einzigen heute noch genutzten jüdischen Friedhof Wiens - die israelitische Abteilung am Wiener Zentralfriedhof - zu betreuen.

Allein für die Sanierung des "Kornhäusls" am Währinger Friedhof werden nun jedoch rund 500.000 Euro bereitgestellt werden müssen.

Mit der Einigung am von Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Josef Pröll (ÖVP) einberufenen runden Tisch wurde für IKG-Präsident Muzicant "das letzte völkerrechtlich offene Thema abgearbeitet". Erfreut zeigten sich auch die Grünen und Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP) erklärte, dass nicht bloß um die Verpflichtung zur Umsetzung des Washingtoner Abkommens gehe: "Wichtiger ist, dass Österreich dadurch einen entscheidenden Schritt in der Erfüllung seiner moralischen Verantwortung zur Wahrung der Würde jüdischer Gräber setzt." (Thomas Rottenberg, DER STANDARD Printausgabe, 23.12.2009)

Kommentar posten
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gott mit uns
 
01
So war es du erbsenkopf ceterum censeo

Etwa 1.500 bis 2.000 Gräber wurden durch Aushubarbeiten für einen nie errichteten Löschwasserteich vernichtet. Die Kultusgemeinde exhumierte zuvor die betroffenen Gräber so gut es ging und schaffte die Gebeine in einem Kraftakt nach der Organisation von Lastkraftwagen und Benzin zum Zentralfriedhof, wo die Gebeine in einem Massengrab beerdigt wurden.Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Friedhof der Israelitischen Kultusgemeinde zwar nach zähen Verhandlungen zurückerstattet, im Gegenzug musste der zerstörte Teil aber an die Gemeinde Wien abgegeben werden.Die Gemeinde widmete daraufhin das als Grünland günstig erworbene Grundstück in Bauland um und errichtete in der Folge darauf den „Arthur Schnitzler-Hof“, einen Plattenbau aus den 1960er Jah

Roger Sturm
410
26.12.2009, 23:05


20 Mille für Friedhöfe?? Nein, nein und nochmals nein.


ceterum censeo
22
30.12.2009, 12:29
Die Juden hätten sich gerne die Friedhöfe selbst gepflegt

aber dein Großvater und dein Urgroßvater haben sie in den KZs ermordet!

Schon mal so weit überlegt?

winterkirsche
67
23.12.2009, 12:16

Der österreichische Staat kommt seit 1948 für die Gräber der gefallenen Soldaten der deutschen Wehrmacht auf.

Da ist es mehr als recht und billig, wenn die jüdischen Friedhöfe endlich auch saniert und betreut werden.

ceterum censeo
21
30.12.2009, 12:31
Eben, aber die Rotstrichler bei deinem Beitrag beweisen,

das der braune Sumpf in Österreich immer noch sehr aktiv ist!

zimbo
 
01
27.12.2009, 11:12
Sowie alle anderen Gräber.

BBC
03
25.12.2009, 01:04

Ja,ja für den Totenkult hama die Millionen. Da matchen sich wieder die ewig gestrigen... hüben wie drüben.

Henry Flower
53
23.12.2009, 10:26
na endlich.

wahrschenlich die beste bisherige tat der jetzigen regierung.

Nik M
11
23.12.2009, 09:24
Im Vergleich zu dem,

was die Republik der katholischen Kirche fuer "Denkmalpflege" loehnt, laecherlich.

Ich wuerd zuerst die katholischen Kirche die Instandhaltungskosten fuer die betriebenen Gebaeude selbst zahlen lassen - da ist mehr zu holen.

Timagoras
 
216
23.12.2009, 08:45
alle, die hier so begeistert für eine auflassung dieser friedhöfe plädieren sollten sich mal folgendes szenario vorstellen: die regierung beschließt - aus einer laune heraus - alle angehörigen von menschen, die auf dem zentralfriedhof begraben sind,

... zu ermorden (absurde idee? nicht absurder als die vor 70 jahren durchgeführte), und ein großteil der bevölkerung macht bei dieser idee begeistert mit.

daraufhin plädieren die werten standardposter mehrheitlich und entschieden für eine auflassung und einplanierung des zentralfriedhofs mit dem argument: "es sind eh keine hinterbliebenen mehr da, wozu die grabsteine, inschriften und gedenktafeln dieser leute (die eh keiner mochte) noch erhalten?"

ich weiß natürlich, dass etliche hier scheinheilig mit "damit hätt' ich eh auch kein problem" antworten würden, aber mit dem argument müssten auch SÄMTLICHE sonstige denkmäler in Wien demontiert werden, denn deren erhaltung kostet VIEL mehr geld als die läppische o.a. million pro jahr!

ordy
02

Zwischen planieren und die Erhaltung als Privatsache ansehen gibt es wohl doch einen Unterschied.
Und: Es würden den Tschechen im Traum nicht einfallen die Gräber der Sudetendeutschen mit Steuergeld zu erhalten.

BBC
00
25.12.2009, 01:16

Gräber sind für die Angehörigen und Denkmäler für die Nachwelt. Wenn es keine Angehörigen mehr gibt sollte das Budget aus der Denkmalpflege kommen.

froilein froilein
014
23.12.2009, 23:48
Ihre Argumentation ist grotesk

Denkmäler sind Kulturgüter und werden als solche gepflegt.

Es wurde ja niemand mit dem Ziel getöten, später die Friedhöfe aufzulassen.
Friedhöfe sind nicht per se Kulturdenkmäler. Normale Gräber werden einfach aufgelassen, wenn sie nicht bezahlt/instandgehalten werden. Egal obs jetzt noch Verwandte gibt oder nicht. Nicht aus Böswillen, sondern einfach weil sich der Erhalt nicht lohnt. Dabei schreit ja auch niemand, dass das ein Skandal wäre.

Timagoras
 
51
27.12.2009, 19:20


keine antwort?
nur rotgestrichle?
arm ...

froilein froilein
15
28.12.2009, 10:57
ich hab nix gestrichelt.Zu beantworten gibts nix. es hat nichts mit "Erbe" ausschlagen zu tun.

Im Laufe der Menschheitsgeschichte wurde sehr vielen Menschen etwas unfairerweise weggenommen. Da gäbe es genug historische Beispiele.
Man kann sich nicht bis in alle Ewigkeit an der nächsten und nächsten und nächsten Generation schadlos halten. Insbesondere wenn es sich um politische oder kriegerische Auseinandersetzungen handelte.

Bei der Grabpflege wäre es ja besonders skurill, weil Friedhöfe vor allem dem ganz persönlichen Trost der Nachfahren dienen. Die müssen das Grab pflegen. Wenns keine Nachfahren gibt oder diese anderswo leben oder kein Interesse haben, hat das Grab ja keine Funktion mehr.

Die IKG hat bisher nichtmal teilweise etwas renoviert, obwohl sie genug Geld dafür hätte. Dann wirds wohl nicht so wichtig sein.

Die dritte Seite der Medaille
00
30.12.2009, 18:59

da liegt aber ne menge Zeit zwischen "bis in alle Ewigkeit" und dem Holocaust. Auch so eine Verharmlosung der Antisemiten.. ist ja schon ewig her... zählt ja nicht mehr.

fibiundchillie
01
30.12.2009, 12:59
"Die IKG hat bisher nichtmal teilweise etwas renoviert, obwohl sie genug Geld dafür hätte.

mal ein neues, gradezu innovatives Argument in der debatte zu einem "jüdischen" THema.
*ironie aus*

Timagoras
 
02
29.12.2009, 23:40
"Im Laufe der Menschheitsgeschichte wurde sehr vielen Menschen etwas unfairerweise weggenommen"


einen widerlicheren euphemismus für den holocaust findet man ja nicht mal bei den abgebrühtesten neonadsis .....

Timagoras
 
70
25.12.2009, 21:12

Sie haben tatsächlich das erbe Ihrer urgroßeltern, großeltern und eltern ausgeschlagen (oder werden dies tun)?

ist das so?

Heinz Anderle
 
108
23.12.2009, 06:05
Die Friedhöfe können als Denkmal der Kultur erhalten...

... oder als Schandmal der Barbarei verfallen gelassen werden.

Die Ehrenpflicht der Erhaltung wird reichlich spät wahrgenommen, dafür wurde die Schandkür des Aussitzens und Wegschauens genußvoll ausgedehnt - über Jahrzehnte.

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

Brücke
1013
23.12.2009, 01:17
Schuld auf ewig ?

60 Jahre nach dem 2.WK
sollten die , die Interesse an der Erhaltung des Friedhofs haben ,
Eigenverantwortung übernehmen .
Bei einzelnen jüdischen Friedhöfen kann durch Kulturinteresse die Erhaltung ein öffentliches Anliegen sein .
Eine Erhaltungsverpflichtung für Österr. auf ewig für alle jüdischen Friedhöfe ist abwegig

Rauscher der Hundefreund
33
23.12.2009, 19:07
Es sitzt der Falke auf der Brücke, gemeinsam ist

...des Hirnes Lücke.

jcMaxwell
11
23.12.2009, 10:51

hier geht es um den erhalt WIENER kultur - ja auch juden sind wiener!

oder wer sollte denn für den erhalt des st.marxer friedhof aufkommen? dieser existiert nur noch, weil (angeblich) mozart dort begraben liegt..

Henry Flower
103
23.12.2009, 10:30
schuld waren die damaligen,

verantwortlich sind wir.

Rauscher der Hundefreund
22
23.12.2009, 19:09
Die Differenz zwischen Verantwortung übernehmen

....ach was schreib ich, Sie sind sowieso ein Ahnungsloser.

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