Happy End für das Haus der Affen

21. Dezember 2009, 21:52
9 Postings

Fünf Jahre nach dem Konkurs des Safariparks Gänserndorf wurde doch noch eine Bleibe für ehemalige Versuchsschimpansen gefunden - In Gänserndorf entstehen neue Gehege

Gänserndorf - Warm und feucht ist die Luft im Affenhaus, und es riecht nach den Rindenstücken auf dem Boden des ehemaligen Besucherfoyers. Aber Besucher sind hier rar. Mit dem Konkurs des Gänserndorfer Safariparks im Jänner 2004 (siehe Chronologie unten) wurde der Zoobetrieb eingestellt. Für immer, wie der deutsche Tierschützer, Michael Aufhauser, erläutert, der hier ab 2010 das Sagen hat: "Gänserndorf soll zu einem Affenrefugium werden."

Also gehört das verschachtelte Holzgebäude inmitten des inzwischen verwilderten Waldstücks, wo einst Löwen und Giraffen an Autos vorbeistreiften, ganz ihnen: 45 Affen, darunter 40 Schimpansen in mehreren Gehegen und etlichen Einzelkäfigen, betreut von insgesamt acht Pflegerinnen und Pflegern, die die Tiere zum Teil schon aus ihrer Zeit in den HIV- und Hepatitisimpfstoff-Versuchslabors der Firma Immuno kennen.

Etwa die Schimpansin Martha, 45 Jahre alt, 1,30 Meter groß und von eher ruhigem Gemüt. Bedächtig setzt sie sich von ihrem Ausguck in Bewegung, um die Unbekannten jenseits der massiven Glasfenster in Augenschein zu nehmen. Vorsichtig platziert sie Pfote nach Pfote, von Brett zu Brett, von Ast zu Baumstamm. Dann, vor einem schaukelähnlich montierten Seil, zögert sie: "Das traut sie sich noch nicht. Das muss sie noch üben", sagt die Pflegerin.

38 Jahre im Einzelkäfig

Denn Martha - so erklärt die Pflegerin - hat immer noch viel Nachholbedarf. Sechs Jahre Affenhaus, integriert in eine Sozialgruppe von acht Artgenossen, können die Schäden aus 38 Jahren Einzelkäfighaltung zwar abschwächen, aber nicht wettmachen.

Als Martha 2002 erstmals ihr Gänserndorfer Gehege inspizierte (der STANDARD war dabei), hantelte sie sich von Gitter zu Gitter. Vor Gegenständen aus Holz hatte sie Angst: Seit sie als Baby aus Westafrika nach Europa gebracht worden war - Tierfänger hatten ihre Mutter getötet - hatte sie nichts aus Holz zu Gesicht bekommen.

Was echte Bäume angeht, soll sich das laut Aufhauser bald ändern. "Mein größter offener Wunsch hier ist der Bau von Freigehegen." Am Montag stellte der Betreiber des Gnadenhofes Gut Aiderbichl mit Vertretern des Landes Niederösterreich und der Pharmafirma Baxter im Gesundheitsministerium das neue Affenprojekt vor. Das Geld kommt großteils von Baxter. Das Unternehmen hat einst die Firma Immuno und damit auch die Affen aufgekauft. Der Entschluss, die Verantwortung für sie zu übernehmen, sei "aus dem Bauch" gekommen, sagte Aufhauser. Außerdem: "Es musste sein. In zehn Jahren werden Menschenaffen in Freiheit ausgestorben sein." (Irene Brickner/DER STANDARD-Printausgabe, 22.12.2009)

Chronologie:

1996 Übernahme: Der Pharmakonzern Baxter übernimmt die Firma Immuno AG und erbt damit auch die ehemaligen Versuchs-Schimpansen. Baxter übergibt die Affen dem Safaripark Gänserndorf und zahlt monatlich Haltungskosten.

2004 Konkurs: Der Safaripark geht in Konkurs, die Affen werden Konkursmasse.

2006 Ministerium: Im Gesundheitsministerium, das auch für Tierschutz zuständig ist, wird ein Arbeitskreis eingerichtet, dem der Masseverwalter, das Land Niederösterreich, Baxter und die Stadtgemeinde Gänserndorf angehört. Zur Diskussion stehen unter anderem die Unterbringung in anderen Zoos, die Sanierung der vorhandenen Anlage oder die Übersiedelung der Tiere in zoologische Parks.

2009 Gnadenhof: Im Februar des Jahres wird schließlich Kontakt mit Michael Aufhauser, dem Betreiber der Gut-Aiderbichl-Gnadenhöfe aufgenommen. Kurz vor Weihnachten gibt es eine Einigung.

2010 Altersruhesitz: Im Juli sollen die Affen in die neuen Gehege einziehen, die in Gänserndorf entstehen.(red/DER STANDARD-Printausgabe, 22.12.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein Ort, um artgerecht und würdig zu leben: Die ehemaligen Versuchsschimpansen der Pharmaindustrie können in Gänserndorf bleiben.

Share if you care.