Kardinal gegen Dompfarrer

21. Dezember 2009, 21:42
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Diözese will Projekt wegen Krise vorerst stoppen

Wien - Anfang nächsten Jahres sollten die Bauarbeiten am Stephansplatz eigentlich beginnen. Die Pläne für die unterirdische Dombauhütte und das neue Museum sind längst eingereicht. Die Baugenehmigung müsse demnächst eintrudeln, heißt es beim Verein Unser Stephansdom.

Schräg gegenüber, im erzbischöflichen Palais, bezweifelt man allerdings seit kurzem die Notwendigkeit eines neuen, unterirdischen Besucherzentrums. Die Vermögensverwaltung des sogenannten erzbischöflichen Mensalgutes sprach sich bei der letzten Zusammenkunft gegen das Zwölf-Millionen-Projekt aus. "Diese Entscheidung ist bindend", sagt Diözese-Sprecher Erich Leitenberger, "und Kardinal Christoph Schönborn trägt sie natürlich mit." Angesichts der gesamtwirtschaftlichen Lage sei es kein gutes Signal, jetzt ein solches Großprojekt zu realisieren.

Finanzierung gesichert

Dabei hat man die zwölf Millionen für die unterirdische Erweiterung unter dem Stephansplatz offenbar bereits beisammen. "Das Projekt ist ausfinanziert", sagt Dompfarrer Anton Faber, "weil wir bereits im Vorfeld gut gearbeitet haben." Bund, Land und Sponsoren sollen dafür aufkommen, Kirchenbeitragsgelder werden dafür nicht verwendet.

Bei der Erzdiözese geht man davon aus, dass das Projekt aufgrund ihres Vetos auf Eis liegt. Schließlich ist das Dommuseum, das in den Keller das Palais umsiedeln und mit der unterirdischen Dombauhütte verbunden werden soll, ein wesentlicher Teil davon. Beim Verein Unser Stephansdom will man allerdings nicht so schnell aufgeben. "Wir wurden noch nicht über das Veto informiert", sagt Generalsekretärin Doris Feldbacher, "somit hat sich für uns auch nichts geändert."

Die Dombauhütte, die derzeit in einem Nachkriegsbau beim Nordportal untergebracht ist, könnte laut Feldbacher zur Not auch ohne Museum verlegt werden. Pläne für einen neuen Standort gibt es seit langem. Nachdem Raiffeisen-Chef Christian Konrad den Vereinsvorsitz übernommen hatte, nahmen sie erstmals konkrete Formen an: Das Architekturbüro Katzberger erarbeitete einen Entwurf. Eine flache Stiege mit verglasten Seitenwänden sollte demnach in die Werkstätten der Domsteinmetze, Tischler und Schlosser führen. (Martina Stemmer/DER STANDARD-Printausgabe, 22.12.2009)

  • Im Bild ein Computer-Rendering der geplanten Teilverbauung des Stephansplatzes in der Wiener Innenstadt für den unterirdischen Neubau der Dombauhütte samt Aufzugsschacht und Domshop.
    foto: grüne wien

    Im Bild ein Computer-Rendering der geplanten Teilverbauung des Stephansplatzes in der Wiener Innenstadt für den unterirdischen Neubau der Dombauhütte samt Aufzugsschacht und Domshop.

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