Hintergrund

Asylzentrum im strukturschwachen Grenzgebiet

21. Dezember 2009, 19:01

Eberau würde ein Drittel aller neuen Flüchtlinge aufnehmen - Kritik der Diakonie

Das Erstaufnahmezentrum in Eberau werde der Region wichtige Impulse bringen: Mit dieser Aussage versuchte man am Montag im Innenministerium, für das ins Wanken geratene Projekt Werbung zu machen. "Es wird eine eigene Polizeistation mit 30 Bediensteten hinkommen. Auch ein Ärztezentrum ist geplant, das Bürgerinnen und Bürgern offensteht", hieß es.

"Nicht zu vergessen" die rund 130 neuen Arbeitsplätze, die im äußersten burgenländischen Süden, hart an der ungarischen Grenze, nach dem Bau des dritten österreichischen Erstaufnahmezentrums für Flüchtlinge entstehen werde: eines Projekts, dessen Notwendigkeit fast alle politisch Verantwortlichen theoretisch einsehen - aber nicht im eigenen Verantwortungsbereich.

Geht es nach dem Willen Innenministerin Maria Fekters, so sollen ab 2012 in Eberau 300 der insgesamt rund 1000 Unterbringungsplätze für Flüchtlinge zu Beginn ihres Asylverfahrens angeboten werden. Wer länger bleibt, etwa weil für ihn keine Grund- versorgungsstelle zur Verfügung steht, wird in die burgenländische Grundversorgungsquote  eingerechnet.

Entlastung für Traiskirchen

Für die älteste Erstaufnahmestelle Österreichs in Traiskirchen, in dem sich in diesen Tagen rund 700 Menschen aufhalten, verspricht man sich dadurch die seit Jahren geforderte Entlastung, ebenso für das kleinere Zentrum im oberösterreichischen Thalham, wo derzeit an die 150 Personen leben. Dass alle drei Zentren im Osten Österreichs liegen, kommt den Flüchtlingsbewegungen - die meisten reisen auf dem Landweg aus dem Osten ein - entgegen.

Die grenznahe Lage Eberaus lässt jedoch Vertreter von Flüchtlingshilfsgruppen an der Sinnhaftigkeit einer größeren Asyleinrichtung in diesem Ort zweifeln: "In Eberau fehlen die Voraussetzungen für eine solche Erstaufnahmestelle derzeit völlig. Diese sind: genug Ärzte, genug Psychotherapeuten, genug Dolmetscher sowie Rechtsberatungsmöglichkeit", zählt etwa Diakoniedirektor Michael Chalupka auf.

Nur wenige Rechtsanwälte

Da sich Asylwerber im Zulassungsverfahren ab 2010 zudem nur noch in ihrem Meldebezirk aufhalten dürfen, wäre unabhängige Rechtsberatung nach derzeitigem Stand der Dinge unmöglich: "Der einzige größere Ort in der Gegend ist Güssing".

Kritik, wenn auch gemäßigtere, kommt von Chalupka aus ähnlichen Gründen ebenso an dem am Sonntag von den Gemeindebürgern befürworteten Schubhaftzentrum im steirischen Vordernberg. Dort sollen Schubhäftlinge in normalen Wohneinheiten leben. "Aber ohne dezidiertes Recht auf Rechtsberatung bleibt der Fortschritt auf halbem Weg stecken." (Irene Brickner/DER STANDARD-Printausgabe, 22.12.2009)

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15 Postings
Dreistein
 
01
22.12.2009, 09:35
Der Schmäh mit den Arbeitsplätzen

Das mit den zusätzlichen Arbeitsplätzen ist offensichtlich auch nur ein Schmäh. Als sich die Fekter Leoben ausgesucht hat, schwafelte sie etwas von 160 neuen Arbeitsplätzen, was von der Gemeinde trotzdem dankend abgelehnt wurde. Nun hat sich Vorderberg dafür beworben und offensichtlich - nach anfänglichem Zögern durch die Innenministerin - doch den Zuschlag erhalten. Nun wird plötzlich nur mehr von 65 neuen Arbeitsplätzen gesprochen. Des Rätsels Lösung: Es wird auch die Infrastruktur des Leobner Landesgerichtes samt Haftanstalt genutzt, die Zulieferer bleiben also die gleichen und die sitzen nun mal nicht in Vorderberg. Für Leoben hätte übrigens dasselbe gegolten, also ebenfalls bestens 65 neue Arbeitsplätze.

waffel
00
22.12.2009, 08:56

Nona, irgendwas was wird sich unsere Frau Fekter schon dabei gedacht haben!

"Da sich Asylwerber im Zulassungsverfahren ab 2010 zudem nur noch in ihrem Meldebezirk aufhalten dürfen, wäre unabhängige Rechtsberatung nach derzeitigem Stand der Dinge unmöglich: "Der einzige größere Ort in der Gegend ist Güssing"."

Jim Kirk
01
22.12.2009, 11:53

Na sind die Damen und Herren Rechtsberater nicht flexibel genug zu ihren Klienten zu ziehen?

Vierter Mann
01
22.12.2009, 10:05

Wenn ein Anwalt eine Kanzlei oder eine NGO eine unabhängige Beratungseinrichtung einrichten will, dann findet sich nirgendwo so günstig eine Räumlichkeit dafür wie in Eberau.

maj jong
01
22.12.2009, 08:54
Manche Blondinen sind nicht dumm,

sondern außergewöhnlich hinterfotzig und falsch,

wenn sie auch noch der ÖVP angehören erhöht sich das Potenzial zum Quadrat,

stammen sie auch noch aus der Wirtschaft, im speziellen einer Schotterdynastie, werden sie unberechenbar und gemeingefährlich.

Unabhängig von der Notwendigkeit(?) eines Asylzentrums habe ich das Burgenland nie zum Süden unseres Österreich gezählt!

Tricksereien, Verlogenheit, man könnte meinen die Dame hat von Schüssel, Molterer, Vatermilch gesogen....

Jim Kirk
00
22.12.2009, 11:54

Zu welcher Gegend zählst du das Südburgenland denn sonst?

Konradin
01
22.12.2009, 07:40

Zuerst treibt Fekter die Kriminalisierung der Ausländer voran.
Und dann wundert sie sich, wenn sie keiner haben will.
Sie hätte das Asylzentrum halt "Gefängnis" nennen sollen, Applaus vom Boden- bis zum Neusiedler See wäre ihr sicher gewesen.

Stachanow, Mitarbeiter des Monats!
 
40
22.12.2009, 07:03
Menschenrechte sind nicht verhandelbar!

Die Erklärung der Menschenrechte ist in Österreich in der Verfassung verankert.

Darin gibt es keine Unterscheidung zw. "politischen" Flüchtlingen und "Wirtschaftsflüchtlingen" zB. aus Hunger.

Es ist ein schutziges Spiel,
wenn versucht wird mit Arbeitsplätzen und Investitionen die Bevölkerung zu kaufen, damit sie den Menschenrechtsverletzungen tatenlos zusieht.

Und es ist lächerlich,
eine handvoll Menschen wegen ihrer Herkunft zu schikanieren, während schon mehr als 550 Millionen Menschen ganz legal (EU!) das gleiche tun können.

Wir brauchen ein EU-Sozialsystem,
dass die Einhaltung der Menschenrechte (nicht eine unverbindliche Grundrechtecharta) garantiert!

Dreistein
 
00
22.12.2009, 18:46
Jetzt bemühen Sie nicht den Hunger als Asylgrund. Diese Menschen zahlen viel Geld an ihre Schlepper, damit sie nach Österreich kommen.

I bis
00
22.12.2009, 12:06
Irrtum


Nach der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 hat jeder Mensch "das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu genießen." (Artikel 14)

Es geht hier und auch in der Praxis ganz klar um eine individuelle Verfolgung. Allgemeine humanitäre Gründe wie zB wirtschaftliche Notlage oder Hunger begründen kein Recht auf Asyl.

In der Debatte um Asylwerber werden aber allzugerne alle in einen Topf geworfen: Menschen, die eine besseres Leben suchen (die Ö aufnehmen kann, aber nicht muss), Menschen, die verfolgt und bedroht werden (die Recht auf Asyl haben) und natürlich ausländische Straftäter jeder Art.

Am Schluss gelten am Stammtisch dann einfach alle als Verbrecher.

Jim Kirk
00
22.12.2009, 12:00

In den Menschenrechten finde ich keinen Passus der das sagt, in der Genfer Flüchtlingskonvention steht dieses:
Anerkannte Flüchtlinge sind solche, die verfolgt werden wegen

* Rasse
* Religion
* Nationalität
* Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe
* politische Überzeugung

Stachanow, Mitarbeiter des Monats!
 
00
22.12.2009, 12:57
Sie haben Art. 2 Abs. 2 überlesen!

Dreistein
 
11
22.12.2009, 09:38
Heuchelei

Wieviel Flüchtlinge unterstützen Sie selbst bzw. haben Sie bei Ihnen aufgenommen?

philippe glatz1
00
22.12.2009, 23:51
Man könnte die Sache auch anders betrachten

Egal wie viele Flüchtlinge jemand bei sich aufgenommen hat, er hat das sicher selbst entschieden. Und egal wie viele Flüchtlinge jemand bei sich zu Hause aufgenommen hat, er braucht dazu keine Ratschläge vom Innenministerium. Ich kann mich nämlich an keine einzige Ausländer freundliche Meldung von dort erinnern. Ganz im Gegenteil. Und jetzt plötzlich sollen genau diese als "Konjunkturstützungszuckerl" verkauft werden. Das ist Brutalität.

Stachanow, Mitarbeiter des Monats!
 
00
22.12.2009, 12:55
Genauso blöd:

Wie viele Eurofighter finanzieren Sie?

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