Die Rechnung, bitte

21. Dezember 2009, 18:38
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Der Moment ist gekommen, wo einer die gute Stimmung ruiniert - Von Birgit Baumann

Träumen wir einen Moment lang. Es gibt kein Geld, aber man kann sich dennoch einiges leisten. Übernachtungen in Hotels werden billiger, Familien bekommen mehr Geld. Und weil ja auch noch das Laufende zu zahlen ist, wird einfach ein neuer Kredit aufgenommen. Und dann ...

Was dann in Deutschland noch passieren könnte, wissen wir nicht. Denn jetzt ist der Moment gekommen, wo einer die gute Stimmung ruiniert, indem er laut „Die Rechnung, bitte!" ruft. Es ist der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), der ab 2011 zehn Milliarden Euro pro Jahr einsparen will, um die Staatsfinanzen nicht völlig aus dem Ruder laufen zu lassen. Und das ist auch gut so.

Deutschland lebt seit Jahren über seine Verhältnisse. Im Moment ist es besonders schlimm. Trotz leerer Kassen haben viele Politiker der schwarz-gelben Koalition nur ein Ziel: eine große Steuerreform - auch wenn Ökonomen seit Monaten darauf hinweisen, dass kein Geld dafür da ist. Vor allem die CSU und die FDP kennen kaum ein anderes Thema. Ihnen wird Schäuble nun klarmachen müssen, dass zunächst mal ein Spardiktat auf dem Stundenplan stehen muss. Leicht wird das für ihn nicht.

Doch Schäuble ist ein „harter Knochen". Er hat alles erreicht, was an Karriere möglich war. Er will nicht mehr Bundeskanzler werden und auch nicht mehr Bundespräsident. Er kann und muss also - zum Wohle des Landes - den Spielverderber geben und aussprechen, was ohnehin alle seit geraumer Zeit ahnen: Die Party ist vorbei.(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.12.2009)

 

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