Von Witzfiguren geführt

21. Dezember 2009, 18:21
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Endlich konnte "News" wieder einmal auf sein Lieblingscover zurückgreifen - Der Jörg, diesmal mit finsterem Gesicht

Endlich konnte "News" wieder einmal auf sein Lieblingscover zurückgreifen. Der Jörg, diesmal mit finsterem Gesicht. So oft hat er uns von diesem Platz aus angefeixt, nun, nachdem er alkoholbedingt ausgefeixt hat, wird auch des Toten Tatenruhm pietätlos zur Disposition gestellt. Von Haiders Milliardendesaster ist die Rede, und die abgestandene Wahrheit, Kärnten hat unter Haider auf Pump gelebt, als Neuigkeit verkauft. Auch das soll jetzt nichts mehr wiegen: Als Landeshauptmann hat Haider seinen Kärntnern Brot und Spiele geboten. Schnöder Undank!

Dabei können sich seine Kärntner über den Unterhaltungswert seiner ökonomischen und politischen Hinterlassenschaft umso weniger beklagen, als sie vom Bundeskanzler höchstpersönlich von jeder Mitverantwortung am Milliardendesaster freigesprochen werden. ,Die Bevölkerung in Kärnten kann nichts dafür, dass Landespolitiker Haftungen für 18 Milliarden eingingen', wischte er mit dem Schwamm des Verzeihens über die Seebühne - zu Recht, so wie sich seine Kärntner nicht nur seinen Spielen, sondern auch seiner Handfütterung stets mannhaft verweigerten. Und gewählt hat ihn ohnehin nie wer, schließlich ist er nicht dem Kärntner Blut und Boden entsprossen, vielmehr dem von Bad Goisern, was leicht erklärt, wie er seinen Kärntnern das alles antun konnte.

Noch herber aufgeklärt wird nur noch Andreas Mölzers freiheitliches Publikum in "Zur Zeit", ohne Rücksicht darauf, ob dieses im Moment eher der Strache-FPÖ, der Privatpartei der Gebrüder Scheuch FPK oder dem noch unverwerteten Restl Kärntner FPÖ zuneigt. Der einstige Chefideologe Jörg Haiders, der es ohne ihn kaum je zum EU-Abgeordneten, aber vielleicht zum Stadtschreiber von Krumpendorf gebracht hätte, weiß heute genau, wem er dereinst seinen Weg zu bahnen geholfen hat: einem karantanischen Catilina-Verschnitt. Andere haben das schon gewusst, als noch die politologische Lehrmeinung vertreten wurde, erst Ausgrenzung habe Jörg Haider groß gemacht.

So wie Mölzer nun die posthume Ausgrenzung seines einstigen Führers betreibt, handelt es sich um einen glatten Widerruf der Maxime "Unsere Ehre heißt Treue". Seine Schleppenträger in der Landespolitik müssen nun - hin- und hergerissen zwischen Realitätsverweigerung und Größenwahn - ein System weiterführen, für das es ihnen an Gerissenheit und Zynismus - worüber Haider sattsam verfügte - fehlt. Dabei haben sie es naturgemäß schwer. Nach seinem endgültigen Abgang, nach seinem letzten Triumph bei der Nationalratswahl und nach einem für ihn typischen, schillernden Tag zwischen Heldenfriedhof und Schwulenlokal blieb keiner mehr, der das Kärntner Narrenhaus auf Dauer zusammenzuhalten vermag. Ein solcher Spagat liegt halt nicht jedem.

Im Vergleich mit dem Bundeskanzler verrät Mölzer immerhin eine gewisse Skepsis, was die Mitverantwortung der Schleppenträger betrifft. Das Bundesland Kärnten, bankrott und der Lächerlichkeit preisgegeben, an der letzten Stelle in sozialer und ökonomischer Hinsicht liegend, seines Tafelsilbers beraubt und von Witzfiguren geführt. Das haben Kärnten und die Kärntner nicht verdient - oder doch?

Wie es aussieht, könnte auf die Kärntner noch Schlimmeres zukommen, seit sich Heinz Christian Strache in die Mitverantwortung für das Milliardendesaster drängt, um wenigstens im Nachhinein etwas von Haiders Charisma abzustauben. Weniger zwischen Heldenfriedhof und Schwulenlokal, dafür umso intensiver zwischen Bierzelt und Szenelokal schillernd, rühmt er sich nicht nur, die Scheuch-Brothers aufgeschnupft zu haben, er hat mehr zu bieten. In "Österreich" zeigt HC Strache seine neue Flamme, was ihm jene Virilität verleihen soll, die sich sein Vorbild als bodenständiger Almosenier erwarb.

Strache verbringt seine Auszeiten gerne im Wiener Szenelokal The Box. Oft in Begleitung von Freunden, aber zuletzt erstmals mit seiner neuen Partnerin Elisabeth. Die attraktiver Blondine - von -HC liebevoll "Sissi, meine neue Freundin" genannt - posierte mit ihrem Herzbuben, so am Sonntag. Montag verdichtete sich die Story vom liebestollen Fremdenhasser. Eng schmiegt sich die junge, blonde Frau an den Mann an ihrer Seite. Stolz präsentierte er am Freitag in der Wiener "The Box" die neue Frau in seinem Leben. Eine Nacht später präsentierten sich die beiden in den "Calafati-Hallen" im Wiener Prater.

Noch ein paar Präsentationen in der Geisterbahn, und Strache ist reif für Kärnten. (Günter Traxler, DER STANDARD; Printausgabe, 22.12.2009)

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