Beratung Marta mit Abstand vorn

21. Dezember 2009, 18:19
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Wien - Mit Passiva in Höhe von 150 Mio. Euro war die Marta Unternehmensberatung die größte Insolvenz des Jahres. Das Firmenkonglomerat hatte 2004 gemeinsam mit der Rewe-Gruppe den Start von Billa Russia, die derzeit unter der Marke Biop expandiert, initiiert. Die Marta hielt eine Beteiligung von 25 Prozent. Insgesamt eine halbe Milliarde Dollar sollten für 200 Billa-Märkte bereitgestellt werden.

Desaster

Doch das Vorhaben mündete in ein Desaster: Marta-Chef Georgij Trefilow kaufte einen Supermarkt nach dem anderen, fremdfinanziert und in der Hoffnung, Rewe werde die Märkte übernehmen, was nicht geschah, da sie "den Anforderungen" nicht entsprachen. Marta legte Verträge vor, in denen sich Rewe angeblich verpflichtet hatte, die 500 Mio. Dollar zu zahlen. Unterzeichnet war der Kontrakt von drei hochrangigen Managern, die - völlig verblüfft angaben, diese Verträge noch nie gesehen zu haben.

Rewe reagierte und reichte wegen Verdachts auf Urkundenfälschung Strafanzeige ein. Gestritten wird darüber hinaus über den Wert der 25-Prozent-Beteiligung. Gleichzeitig warfen russische Behörden Marta vor, Kredite erschlichen zu haben - einige der involvierten Firmen der Gruppe seien bereits damals am Rande des Abgrunds gestanden.

Strafverfahren anhängig

Trefilow behauptet, für die Vermittlung des Vertrags Millionen an Rewe-Manager gezahlt zu haben. Mittlerweile laufen in Russland mehr als ein halbes Dutzend Straf- und Zivilrechtsverfahren. Unter anderem soll Trefilow das Inventar von 38 Billa-Märkten rechtswidrig verpfändet haben. Der Marta-Chef bestreitet alle Vorwürfe. Im März wurde das Insolvenzverfahren gegen Marta eröffnet. (ch, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 22.12.2009)

 

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