"K. u. k." dominiert den Wahlkampf

21. Dezember 2009, 17:56
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Kandidaten fordern unisono Bekämpfung von Korruption und Kriminalität

Zagreb - Das Herzstück der Wahlkampf-Propaganda für die kroatischen Präsidentschaftswahlen am kommenden Sonntag lässt sich verknappt als "k. u. k." abkürzen. Damit ist allerdings nicht Kroatiens Rückkehr zur Donaumonarchie gemeint, sondern die beiden Schlagworte "korupcija" (Korruption) und "kriminal" ("organisiertes Verbrechen" ). Deren Bekämpfung haben sich die zwölf Kandidaten, unabhängig von ihrer politischen Couleur, auf die Fahnen geschrieben. Das hört man auch in Brüssel gern, wo man im Hinblick auf die weitere EU-Annäherung Kroatiens energisch Taten fordert.

Wer für die nächsten fünf Jahre als Nachfolger des seit zehn Jahren amtierenden Stjepan ("Stipe" ) Mesić in die Präsidentenvilla Pantovcak auf der noblen Zagreber Anhöhe einziehen wird, ist bis zur wahrscheinlichen Stichwahl am 10. Jänner offen. Favorit im ersten Durchgang ist der offizielle Kandidat der Sozialdemokratischen Partei (SDP), Ivo Josipović: ein Jus-Professor und feingeistiger Komponist, Leiter der Zagreber Musikbiennale, ohne schwarze Flecken auf seiner politischen Weste - wofür ihm einige kroatischen Medien allerdings auch das Adjektiv "farblos" angehaftet haben. Sein Slogan "Pravda za Hrvatsku" ("Gerechtigkeit für Kroatien" ) setzt auf Bildungsgleichheit, aber auch höhere Pensionen. Und nicht zuletzt auf die Aufdeckung der Korruptionsaffären, die das Land seit Jahren erschüttern. Fast jeder Dritte von 1000 Befragten will Josipović nach Angaben der Meinungsforschungsagentur Puls wählen.

Weit abgeschlagen drängen sich drei weitere Kandidaten. Da ist zum einen der Unabhängige Nadan Vidošević, sonst Mitglied der konservativen Partei Hrvatska Demokratska Zajednica (HDZ), Chef der kroatischen Wirtschaftskammer. Er gilt als "kroatischer George Clooney" , ist smart, reich und vermarktet kroatische Produkte rund um den Globus. Für ihn würden 14 Prozent der Wahlberechtigten stimmen.

Chancen auf die Stichwahl hat auch der aus der Herzegowina stammende Zagreber Oberbürgermeister Milan Bandić, der auf die Kroaten in seinem Geburtsland als Wähler hofft. Und natürlich auf die Hauptstadt setzt, in der immerhin fast jeder vierte Einwohner Kroatiens lebt. Stark aufgeholt hat der unabhängige Ex-Bildungsminister Dragan Primorac, der aus der Regierungspartei HDZ kommt. Der jugendlich wirkende Wissenschafter will vor allem bei Kriegsveteranen punkten.

Sympathie-Einbußen erlitten hat unterdessen der offizielle HDZ-Kandidat Andrija Hebrang, dessen Popularität laut Puls innerhalb eines Monats von 12,2 auf 7,6 Prozent gesunken ist. Auch in traditionellen HDZ-Wahlkreisen wie Slawonien muss Hebrang Abstriche machen. Wer in landwirtschaftlich geprägten Regionen um Milchpreise mit den Bauern feilscht, erzielt sicher nicht nur Sympathien, sagen politische Beobachter. Die HDZ ist jedoch bei den Auslandskroaten stark, die ebenfalls an die Wahlurnen dürfen.

Chancenlos sind die übrigen Kandidaten, unter ihnen Miroslav Tudjman, der als ausgesprochener Euro-Skeptiker gilt und auf "kroatische Werte" setzt - ganz im Geiste seines verstorbenen Vaters, des autokratischen Staatsgründer und ersten Präsidenten Franjo Tudjman. Zumindest auf einen Achtungserfolg hofft die über die Parteigrenzen hinweg angesehene Pro-Europäerin Vesna Pusić von der Volkspartei/Liberaldemokraten. (weng/DER STANDARD, Printausgabe, 22.12.2009))

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