Führung von Sal. Oppenheim tritt ab

21. Dezember 2009, 17:36
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Deutsche Aufsicht zweifelt an Fähigkeiten der Manager – Bank schreibt hohe Verluste

Frankfurt - Die Führung der angeschlagenen Privatbank Sal. Oppenheim muss auf Druck der deutschen Finanzaufsicht BaFin abtreten. Noch in dieser Woche werde Bankchef Matthias Graf von Krockow seinen Posten räumen, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen am Montag laut Berichten in den Zeitungen Handelsblatt und Die Welt.

Die drei anderen Geschäftsführer Friedrich Carl Janssen, Christopher Freiherr von Oppenheim und Dieter Pfundt sollen Anfang nächsten Jahres zurücktreten. "Die neue Führungsmannschaft steht bereits fest." , sagte einer der Insider. Neuer Bankchef werde Wilhelm von Haller, den die Deutsche Bank vor Kurzem als Generalbevollmächtigten zu ihrer baldigen Luxemburger Tochter geschickt hatte.

Im Sog der Finanzkrise hat Sal. Oppenheim erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg rote Zahlen geschrieben. Verhoben hatte sich das Finanzinstitut vor allem mit seinen Beteiligungen an Krisenunternehmen - wie dem mittlerweile insolventen Konzern Arcandor. Allein im ersten Halbjahr soll der Verlust mehr als 300 Mio. Euro betragen haben. Angesichts dieser Schieflage äußerte die BaFin Zweifel an der Befähigung der Geschäftsleitung, eine Bank führen zu können. Die Untersuchungen der Aufsichtsbehörde beziehen sich unter anderem auf eine von den Beamten als "fragwürdig" kritisierte Kreditvergabe-Politik des Geldhauses.

Drohener Lizenz-Entzug

"Den vier Top-Bankern droht der Entzug der Lizenz" , sagte eine mit den Prüfungen vertraute Person. Sal. Oppenheim, die Deutsche Bank und die BaFin lehnten eine Stellungnahme ab.

Ursprünglich sollte der Führungswechsel bei Sal. Oppenheim erst mit dem Abschluss der Übernahme des Instituts durch die Deutsche Bank im ersten Quartal 2010 über die Bühne gehen. Die BaFin-Zweifel hätten aber für Tempo gesorgt, heißt es. Die Deutsche Bank erwirbt die gut 220 Jahre alte Traditionsbank für mehr als eine Milliarde Euro. Einige Bereiche, wie das Investmentbanking der Luxemburger, sollen verkauft werden. Die Deutsche Bank interessiert sich nur für das Geschäft mit den Privatkunden. Der neue Sal.-Oppenheim-Chef von Haller gilt als sehr gut verdrahtet im Kreis der mittelständischen Firmenkunden und deren jeweiligen Eigentümer-Familien. (Reuters, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.12.2009)

 

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