Basel drückt auf Erste und Raiffeisen

21. Dezember 2009, 17:34
30 Postings

Neue Kapitalvorschriften dürften Österreichs Banken nach Ansicht von internationalen Analysten besonders stark treffen

Wien - Vergangene Woche hat das Baseler Kommitee für Bankenaufsicht neue Regeln für das globale Finanzsystem vorgeschlagen. Im Zentrum der Bemühungen der Aufsicht um einen stabileren Finanzmarkt steht die größere Rolle des Eigenkapitals. Die Hüter der Finanzstabilität wollen nicht nur, dass die Banken tendenziell mehr Eigenkapital hinter ihren riskanten Geschäften haben, auch die Qualität dieses Kapitals soll erhöht werden.

Dazu werden beispielsweise exotischere Formen des Eigenkapitals nicht mehr zur wichtigen Quote des Kernkapitals dazugerechnet. Hybridkapital, eine Mischform aus Eigen- und Fremdkapital, macht laut Daten der Notenbank etwa 3,9 Milliarden Euro in Österreich aus, rund sieben Prozent des gesamten Eigenkapitals.

Während der Teil des Hybridkapitals relativ klein ist, warnen internationale Analysten vor anderen Effekten. Cristina Marzea, Analystin des US-Instituts Bank of Amercia Merrill Lynch, hat die Erste Group und Raiffeisen unter Beobachtung (andere wurden nicht bewertet). Die zwei genannten Banken seien am stärksten von den neuen Basel-Regeln gefährdet, heißt es in dem aktuellen Report der Analystin. Das zentrale Stichwort, das die Notenbank bestätigt: "Minority Interest."

Denn besonders die Zurechnung von Minderheitenbeteiligungen zum Eigenkapital könnte Probleme bereiten. Die aktuellen Basel-Vorschläge sehen vor, dass Minderheitsbeteiligungen nicht mehr zum Kernkapital gezählt werden dürften. Bei Raiffeisen und Erste würde die Kernquote 2009 damit um je 1,7 und 2,6 Prozentpunkte fallen, bei der Erste Group damit auf nur 4,1 Prozent, schätzt Marzea.

Minderheitsbeteiligungen machen im Erste-Konzern immerhin 3,4 Milliarden Euro aus. Die große Bedeutung resultiert aus der Konsolidierung der Sparkassen unter dem Dach der Erste Group. Zwar hält die Gruppe an den einzelnen Instituten oft weniger als 51 Prozent, jedoch werden Eigenmittel wegen des Haftungsverbunds voll angerechnet. Diese Regelung wurde als "Lex Treichl" bekannt.

Risiko ausweisen

Würden die Basel-Regeln also ohne weitere Überarbeitung umgesetzt werden, müsste die Bank zwar das Risiko der Töchter ausweisen, aber nicht das Eigenkapital, das in den Instituten steckt.

Die Lösung des Problems? Laut Simon Nellis, Analyst der Citigroup, könnte die Erste Group in einem solchen Fall "die Dekonsolidierung der Sparkassen" erwägen, zugleich aber die Kooperation der Banken auf andere Weise aufrecht erhalten. Nellis warnt indes auch vor potenziellen indirekten Risiken für Raiffeisen Zentralbank. Denn laut Schätzungen des Citigroup-Analysten würde die Ausklammerung der Minderheitsbeteiligungen die Kernkapitalquote auf 3,9 Prozent senken (ohne das Parizipationskapital des Staates).

Die neuen Bankenregeln, die 2010 fixiert werden sollen, könnten jedenfalls einen Reform- und Kapitalbedarf am heimischen Bankenmarkt auslösen.(Lukas Sustala, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.12.2009)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Neue Regeln - neue Last: Vor allem Änderungen bei der Anrechnung von Minderheitsanteilen würden Probleme bringen.

Share if you care.