Das Land der Sackgassen hofft auf die Türken

16 Jahre nach der Grenzschließung schien die Normalisierung zwischen Armenien und der Türkei in Reichweite. Doch Ankara knüpft an die Ratifizierung der Protokolle mit Eriwan nun Bedingungen.

Es könnte die Lösung einer der letzten historischen Konflikte Europas sein, der Beginn der Versöhnung zwischen Türken und Armeniern, die Wende im Kaukasus nach dem Krieg vom Sommer 2008. Vartan Oskanian aber spricht von gescheiterter Diplomatie, einem stümperhaften Versuch, Armenien aus seiner Isolation zu reißen. "Man gibt, was man hat und dann setzt man sich hin und wartet, was die Türken tun."

Mehr als zwei Monate sind vergangen, seit die Außenminister der Türkei und Armeniens ihre Unterschrift unter zwei Protokolle gesetzt haben. Die Aufnahme diplomatischer Beziehungen hatten sie vereinbart und die Öffnung der gemeinsamen Grenze. Es ist das wichtigste Thema, das Eriwan in diesen Tagen beherrscht. Keine Stunde Fahrt ist es von der armenischen Hauptstadt zum Kontrollpunkt Margara am Fuß des Ararat, eine dieser vielen Sackgassen im Land. Doch für die türkische Regierung ist die politisch heikle Grenzöffnung derzeit nur einer der vielen Bälle, mit denen sie jonglieren muss.

Zehn Jahre war Vartan Oskanian Außenminister der kleinen Kaukasusrepublik am Rand Europas und wäre in seiner Amtszeit gern an diesem Punkt angelangt - die Normalisierung mit dem türkischen Nachbarn in Reichweite, das Ende der Blockade, die den Armeniern nur zwei Landwege nach Außen lässt, über Georgien oder den Iran. Jetzt vergräbt sich der 54-Jährige in einem Frust, der seine früheren Amtskollegen in Ost und West erstaunt. Die armenische Regierung mit seinem Nachfolger Eduard Nalbandian habe unnötig Zugeständnisse an die Türken gemacht, sagt Oskanian, die Verhandlungsposition im Konflikt um die Enklave Berg-Karabach ebenso verspielt wie den internationalen Druck zur Anerkennung des Völkermords an den Armeniern während des Ersten Weltkriegs.

"Die Türken müssen den Genozid nicht mehr leugnen" , erklärt Oskanian und verweist auf die Protokolle vom Oktober. Darin ist auch die Arbeit von Regierungskommissionen vereinbart, die einen "Dialog über die historische Dimension" führen sollen und Aufzeichnungen und Archive "unparteiisch und wissenschaftlich" untersuchen würden. "Die Natur der Debatte hat sich zugunsten der Türken geändert" , meint Oskanian, die Türken könnten sich nun stets auf die Kommission berufen, die allein entscheidet, ob der Völkermord stattgefunden hat oder nicht.

Straßenproteste

Oskanians Gegnerschaft zu den Protokollen wird von der Opposition in Armenien geteilt, der kleinen Zharangutiun-Partei und der alten Daschnak-Partei im Parlament, die aus Protest darüber die Regierung verließ, vor allem aber vom Armenischen Nationalkongress des früheren Präsidenten Lewon Ter-Petrossjan; er versuchte immer wieder mit Straßenprotesten die Regierung zu stürzen. Doch an der Ratifizierung der Protokolle besteht kein Zweifel. Wenn Serge Sarkisian, der Staatschef, es will, passieren sie das Parlament.

Sarkisian will aber nicht, sollte die Regierung in Ankara weiter Vorbedingungen stellen. Ende Jänner, wenn die Höchstrichter ihr Plazet zur Normalisierung mit der Türkei gegeben haben, muss die Ratifizierung im türkischen Parlament vorangegangen sein oder die Protokolle würden gestoppt, drohte der Präsident. "Wir werden sie vielleicht einfrieren" , sagt Arman Kirakossian, der Vizeaußenminister, der die Verhandlungen mit der türkischen Seite führte und sein Amt im Übrigen schon zu Oskanians Zeiten bekleidete.

Zu keinem Zeitpunkt habe Armenien während dieser Verhandlungen mit Ankara über den Konflikt in Berg-Karabach gesprochen, den Krieg um die Enklave mit dem türkischen Bruderstaat Aserbaidschan Anfang der 1990er-Jahre. Die Türken hätten das Thema auch nie auf den Tisch gebracht, bekräftigt Kirakossian - "niemals" . Dennoch macht der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan nun eine Ratifizierung der Protokolle von einem Durchbruch bei den schon 15 Jahre währenden Friedensverhandlungen zwischen Armenien und Aserbaidschan abhängig.

Anerkennung für Erdogans Politik der Öffnung zu Armenien gibt es dabei sehr wohl; politische Beobachter in Eriwan sprechen von der größten Revolution in der Türkei seit Atatürk. Und die Hoffnung auf den wirtschaftlichen Aufschwung beschäftigt alle. Mindestens um ein Viertel würden allein die Transportkosten sinken, glaubt Misak Balasanyan, der junge Direktor der Gyumri-Bierbrauerei. Denn bisher wird die Lieferung von Maschinenteilen und Rohstoffen über den georgischen Schwarzmeerhafen Poti abgewickelt; zehn Tage dauert das, sagt Balasanyan, die Öffnung der Grenze zur Türkei würde alles ändern.

Vergangenen Freitag sendete Yerkir, der TV-Kanal der nationalistischen Daschnak-Partei, einen Dokumentarfilm über den politischen Wandel in Istanbul seit der Regierungsübernahme von Erdogans AKP, eine prämierte Produktion der Europäischen Stabilitätsinitiative ESI, Erste Stiftung und Standard. Noch vor zwei Jahren eine undenkbare Sache. Eine Stunde diskutierten davor zwei regierungskritische türkische Journalisten mit armenischen Politologen. Das Thema "Völkermord" kam in der Runde kein einziges Mal auf.  (Markus Bernath aus Eriwan/DER STANDARD, Printausgabe, 22.12.2009)

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Türkei und EU

Türkei muss

1) Den Völkermord zugeben
2) Entschädigungen leisten

unter anderen 2 Punkte die eingehalten werden müssen falls die Türkei in die Eu will

Die Türkei muss garnix!

Träumen sie ruhig weiter..

Immer wenns eng wird um den Völkermord fordert


die türkische Regierung die 150. neue Kommission, die 80ste Fachleutekonferenz und die 300ste Begutachtung.

Grad so, wie wenn bislang der Völkermord an den Armeniern nicht vielfachst längst seit sehr vielen Jahrzehnten korrekt und international anerkannt nachgewiesen wäre.

Und es finden sich immer wieder neugeborene Naivlinge und gehirngewaschene eigene Bürger, welche zu dem erbärmlichen Schauspiel brav mitnicken.
js

Bla bla bla.. Behauptungen..

Sie sollten sich lieber um den Völkermord auf Zypern gegen die Türken begangen von den Griechen beschäftigen,statt immer mit der Türkei abzulenken!

Ein Blick in die BBC und Deutsche Welle Archive reicht schon!

Die Türken und Armenier haben Jahrhundertelang zusammen gelebt und werden ihre Probleme selber lösen..

Da braucht kein Dritter dazwischen zu funken,denn die haben alle selber genug Dreck am stecken:
siehe Frankreich-Völkermord in Algerien(1.Mio.Opfer!).

Dass sind immer die Richtigen,die sich einmischen!

Ihre nächste, türkisch offensichtlich übliche?, Irreführung für Naive:


Ein Blick in die Archive zeigt deutlich, dass ein

ungemein größere Anzahl von griechischen Zyprioten

der türkischen Invasion und der illegalen Besetzung

zum Opfer gefallen sind,

als es längst keinen Anlass mehr zum Eingreifen

der angeblichen "Schutzmacht" gegeben hat.

Was ein Völkermord ist wissen Sie ganz offensichtlich auch überhaupt nicht,
sonst würden Sie nicht ständig Unsinn darüber posten und den Begriff übelst missbrauchen!
js

Ah ja..interessante..griechische übliche.. Irreführung..!

Die Türkischen Streitkräfte sind sicherlich nur zum Urlaubszweck auf Zypern gelandet..oder wie?

Und was war eigentlich vor 1974..?
Könnten sie das Wort ENOSIS mal bitte definieren?

Natürlich wie immer kein Wort davon,stattdessen nur Ablenkungsmanöver!

Wie immer, die griechische dreistigkeit,die vom Täter in die Opferrolle schlüpfen will!

Den Begriff Völkermord kenne ich sehr gut,denn meine Albanischen Nachbarn haben mir so einiges über ihre Griechischen Peiniger berichtet!

Historiker-Kommision eine Täuschung

Solange die Türkei seine Historiker mit Strafe droht, werden die türkischen Historiker sich nie trauen, die Wahrheit auszusprechen. So wird es nie zu einer Einigung kommen. Dieser Vorschlag ist nur dafür gedacht, die Welt zu täuschen.

Internationale Historiker-Kommision!

Die Türkei fordert eine "Internationale Historiker Kommision" und keine rein Türkischen Historiker!

Es gibt zahlreiche Historiker(nicht Türkische),die der Armenischen Version wiedersprechen!
zb.Bernard Lewis,Justin Mc Carthy,Heath Lowry,Guenther Lewy,Norman Stone sind einige von ihnen!

Nicht umsonst füchten die Armenier diese Kommision wie der Teufel das Weihwasser.

Also bitte täuschen sie hier nicht die Leser!

Ein Vorschlag

Sehr geehrter Herr Helmut Neumann,
was halten Sie bitte von diesem Vorschlag?
Es soll ein Gremium von internationalen Historikern gebildet werden, diese soll die Unterlagen / Beweise in der Türkei, in Armenien, und SEHR WICHTIG vor allem in Russland bewerten. Das was diesem Gremium vorschlägt, gilt.

Dies ist und war ein Vorschlag der Türkei an Armenien gewesen, falls es Ihnen nicht bekannt sein sollte.
Übrigens ich würde Ihnen den Orhan Pamuk und ähnliche nachgemachte Historiker schenken, nur weil er persönlich zu gegeben hat, und dafür mit Literatur Nobelpreis auch beschenkt würde, würde aus ihm kein Historiker machen.

Falls Sie Interesse an Genozid in der Geschichte haben, lesen über Belgien, Hauptsatdt der EU und Antwerpen

Armenien und seine Lügen

1. Seit wann ist denn Armenien in Europa? Ist ja bekanntlich im äussersten Winkel der Türkei?
2. Warum gibt denn Armenien nicht den Völkermord von Hocali zu? UN Resolutionen sind ja bekannt!!!!
3. Weshalb sind denn die Armenier so sauer dass eine Historiker-Kommision gegründet werden soll?
Antwort: Sie haben Angst, dass die lügen die sie verbreitet haben haltlos werden? Wenn sie doch so sicher sind das es Völkermord gewesen sein soll, sollten Sie die ersten sein die das begrüssen.
4. Ach die so demokratische EU soll doch ebenfalls Druck auf Armenien ausüben, dass sie den Volkermord von Hocali anerkennen!!!!
5. Im Falle von Zypern soll doch die EU Ihrerseits das Versprechen einlösen und die Handelsbarrieren gegen den Nortteil aufheben!!

Typisch, zuerst von den anderen alles verlangen, typisch.

Wieso?

Die Türkei ist FÜR eine Einrichtung eines unabhängigen Historikerkommission.

Der Nordzypern hat FÜR die Wiedervereinigung plädiert und nicht umgekehrt.

Typisch Arroganz...

ja wenn Armenien am "Rande Europas" liegt...

diese Nachricht ist nicht Wahr

1. Die Türkei hat WOHL mehrere Bedingungen an Protokollen geknüpft.
2. Die Türkei hat WOHL die von Armenien besetze Gebiete und Berg-Karabach IMMER wieder als Bedingungen gestellt und das haben auch die Taube gehört ausser die demokratische Zeitung Standart.
3. Ob es ein Genozid war, soll durch eine unparteiische Gremium festgestellt werden, Dies War die 1. BEDINGUNG der Türkei.
Mein Gott Jungs, lasst eure Vorurteile und Lügen zu Hause, Ihr macht angeblich hier demokratische Journalismus.

Also Erdogan hat wahrlich ganz andere Sorgen im Moment

Armenien kann nur gewinnen, wenn es bereit ist, auch zu verlieren.

Die Türkei wird einmal.....

mit der selben Masche Mitglied der EU. Wir können uns heuzte schon darauf freuen! Die Zyprioten haben genug Erfahrung...

Die Zyprioten haben genug Erfahrung..

Meinen sie die Griechischen Zyprioten in Sachen Völkermord gegen die Türken..?

Ein Blick in die BBC und Deutsche Welle Archive(vor 1974) reicht schon!

Sie meinen ein paar hundert ermordete türkische Zyprioten und


die über 1500 ermordeten griechischen Zyprioten ?

Wer soll auf ihre plumpe, typisch türkische, Irreführung hereinfallen ?
js

Einpaar hundert ermordete spielt keine Rolle oder wie?

Völkermord ist Völkermord ob hundert oder hundert tausend!

Wenn die Türkei auf Zypern nicht eingegriffen hätte,hätte es heute keinen einzigen Türken mehr auf der Insel gegeben!

Komisch - die Türkei wurde längst wegen der illegalen Besetzung


vielfach zu Schadenersatz verurteilt und musste auch gehorsamst kräftig blechen.

Die "Invasion" - nichts als ein Vorwand für einen Raubzug um fremdes Eigentum - fand statt, als sich die Lage dank UNO längst beruhigt hatte.

Typisch türkische
Vernebelungs-propaganda-nachplapperung.
js

Komisch-Die Griechen haben den UNO-Friedensplan abgelehnt und somit die angeblich"illegale Besetzung" legalisiert!

Danke für ihre Bestätigung.

Nebenbei läuft die Zeit den griechen davon..

Entweder sie akzeptieren die Gleichberechtigung der Türken auf der Insel oder die Teilung wird endgültig zementiert..und diesmal mit Absegnung der Weltgemeinschaft!

Wertlose Realitätsverdrehung.

js

Er meint die Masche der Griechen...

.. wie die in die EU gekommen sind.

Wie???

Wie sind denn die Griechen in die EU gekommen,
können Sie mich aufklären?
Das würde mich aber mal interessieren.

ganz einfach... so wie alle europäischen staaten ihre kennzahlen verdrehen und rumfuhteln. das bip ist schon längst eine zahl die nur auf spekulationen und mit buntstiften errechnet wird. ein normaler volkswirt wird verrückt bei den gedanken was europa alles verdreht und zurecht rückt... und alles legal, daher ist griechenlands verhalten mehr als nur ok. zypern, eine geteilte insel aufnehmen und ohne die türken darauf zu fragen die ganze insel von griechen regieren lassen ist auch okay... europa ein staatenbündnis der superlative mit toleranz und menschenrechten für menschen wie iresgleichen.

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