Kärtner Hypo

Kroatiens Notenbank unter Druck, Bayern drohten mit EU

21. Dezember 2009, 14:50

Nach der HAAG-Not-Verstaatlichung rückt die Übernahme durch die BayernLB stärker ins Rampenlicht

Zagreb/München/Wien - Nach der Not-Verstaatlichung der Kärntner Hypo Alpe Adria Group (HAAG) rückt die Übernahme der vor allem in Südosteuropa stark engagierten Bank durch die Bayerische Landesbank (BayernLB) im Jahr 2007 stärker ins Rampenlicht. Vor allem was damals in Kroatien vorging. Die kroatische Nationalbank (HNB) hatte dem Deal zunächst die Zustimmung verweigert. Das hatte den Druck steigen lassen und zu politischen Interventionen seitens kroatischer und bayerischer Politiker geführt, bestätigte der kroatische Notenbank-Chef Zeljko Rohatinski gegenüber der kroatischen Tageszeitung "Novi list" einen Bericht im aktuellen "Spiegel". Die "Süddeutsche" (Montag) weiß zu berichten, dass auch mit Kroatiens EU-Beitrittswunsch gepokert wurde.

Rohatinski zufolge intervenierte unter anderem der ehemalige kroatische Premier Ivo Sanader, den der damalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) gut kennt. In einem "informellen Gespräch" betonte Sanader die Vorzüge der Übernahme durch die BayernLB für Kroatien. Und er sprach auch Rohatinskis Notenbankmandat an: "Er (Sanader Anm.) erwähnte, dass ich das zweite Mandat aufgrund seiner Initiative erhalten hatte, und dass es in seinem politischen Interesse ist, dass wir gute politische Beziehungen mit Kärnten und Bayern haben", sagte Rohatinski zu Novi list am Montag.

Die kroatische Notenbank stimmte erst im zweiten Anlauf im September 2007 der Übernahme der Hypo Alpe Adria durch die BayernLB zu und machte damit den Weg für den Kauf frei. Der Kauf der Kärntner Hypo durch die BayernLB hatte der Zustimmung aller Notenbanken jener Länder bedurft, in denen die Hypo damals tätig war. Nur die kroatische Notenbank hatte sich damals zunächst der Übernahme widersetzt.

Druck auf Zentralbank

Mit dem ersten Antrag habe auch der Druck auf die Zentralbank begonnen, erinnert sich Rohatinski. Nach dem Antrag auf Genehmigung durch die Notenbank habe Stoiber erklärt, dass es "praktisch unmöglich ist, dass die kroatische Notenbank den gesamten Übernahmeprozess der Hypo Kroatien aufhält". Am 13. Juli verweigerte die kroatische Notenbank tatsächlich die Übernahme.

Die Argumentation der Ablehnung wurde bereits vor Antragstellung ausgearbeitet: Einerseits wurde auf das Benehmen der BayernLB im Fall der Rijecka banka verwiesen. Die Bayern hatten nach Devisenspekulationen die Bank im Jahr 2002 an Kroatien um 1 Dollar zurückgegeben. Kroatien rettete die Bank vor der Pleite durch Notkredit in der Höhe von 90 Mio. Dollar. An anderer Stelle in der Ablehnung wurde die Geschäftstätigkeit der Kärntner Hypo in Kroatien als "problematisch" beurteilt.

"Wir wollten nicht, dass sie sich in der bis dahin erfolgten Form fortsetzt", so Rohatinski. Daher wurde dem Rat der Notenbank eine negative Stellungnahme empfohlen, zumal auch die BayernLB davor bekräftigt hatte, dass sich an der Geschäftstätigkeit der Hypo nichts ändern solle. Erst in einer zweiten Abstimmung nach Erfüllung von insgesamt vier HNB-Forderungen, darunter einer Kapitalerhöhung in der Höhe von 300 Mio. Kuna (41,1 Mio. Euro), stimmte die kroatische Notenbank der Übernahme zu, am 12. September 2007.

Veto der Notenbank

Dazwischen, so schreibt die "Süddeutsche Zeitung" heute unter dem Titel "Kroatische Freunde", soll sich Stoiber "bemüht" haben. Als gerade zwei Tage, nachdem er Sanader den Bayerischen Verdienstorden umgehängt habe, das Veto der kroatischen Notenbank kam, soll Stoiber in München geschäumt haben. Dieses Veto "belastet die Beziehungen zu Kroatien", ließ er per Pressemitteilung wissen, in der er indirekt auch damit drohte, die Unterstützung in Sachen EU-Beitritt aufzugeben. Mit Erfolg: Das Nationalbank-Veto hatte nicht lange Bestand. Dass Stoiber sich hier engagierte, ist für die "SZ" interessant: Denn bisher habe der frühere bayerische Ministerpräsident den Eindruck zu erwecken versucht, mit dem schlussendlich desaströsen Kauf der Hypo Group Alpe Adria habe er überhaupt nichts zu tun gehabt - die Hypo wird nun an Österreich abgegeben, nachdem die BayernLB dort insgesamt 3,7 Mrd. Euro gelassen hat.

Laut "Spiegel" soll Stoiber im August 2007 nach Kroatien gereist sein, um Sanader zu treffen. Stoiber hatte davor den Kauf der Kärntner Hypo als "gutes Signal für den Bank- und Finanzplatz Bayern" gepriesen. Bei seinem Adriaurlaub soll Stoiber dann die letzten Hindernisse für die Übernahme aus dem Weg geräumt haben. Gegenüber dem "Spiegel" erklärte Stoiber, dass er seine "guten politischen Beziehungen zu Kroatien" spielen gelassen hatte. Allerdings sei er an dem Kaufvertrag der zwei Banken nicht beteiligt gewesen, so der Ex-CSU-Chef.

Neben der kroatischen Staatsanwaltschaft ermittelt auch das österreichische Innenministerium mit einer eigens gebildeten "SOKO-Hypo Alpe Adria". Aber auch die bayerische CSU sucht nach einem Schuldigen im Hypo-Desaster der BayernLB, berichtete "Der Spiegel". Immerhin kostet die Bayern der Adria-Ausflug über Kärnten rund 3,7 Mrd. Euro. Anwälten sollen im Auftrag von CSU-Finanzminister Georg Fahrenschon prüfen, ob man gegen frühere Parteifreunde vorgehen könne. 2007 haben "den überteuerten und zweifelhaften Kauf" unter anderem die CSU-Granden Kurt Beckstein als Innenminister und Erwin Huber als Wirtschaftsminister abgesegnet. Die BayernLB zahlte 2007 für die Kärntner 1,6 Mrd. Euro. (APA)

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10 Postings
mirko burijan
11
22.12.2009, 12:27
salbeitee

interessant, dass schüssels freund edmund st. wieder in den nachrichten auftaucht.

noch interessanter, dass er in hrvatska aufgetaucht ist, einem synonym u.a. nicht nur für korruption, sondern *auch* für eine kriegsgewinnler-gesellschaft in reinkultur.

au contraire
00
22.12.2009, 11:41

Das ganze Thema gehört meines Erachtens in das (Innen-)Politik-Ressort...

che_guevara2
00
21.12.2009, 19:43

liest sich ja wie ein krimi....

hmm leider real das ganze!

Aracni Santini
01
21.12.2009, 18:24
Wenn die Bayern zweifelhafte Schulden reingeschoben haben

in diese Bank, dann ist die Zahlung von 3.. Mrd vielleicht wenig? Z.B. hätten sie Zweifelhafte Schulden (als Anlageform) in die Hypo geschoben (unter nicht zweifelhaft...) und "nur" 3... Mrd bezahlt, hätten sie, da ja nicht sie selbst die theoretischen 7 Mrd abschreiben müssten also unter dem Strich einen Gewinn von 4 Mrd....

volker racho
01
21.12.2009, 17:33

HAAG? HGAA! :)

angelo6
01
21.12.2009, 16:02
Wo ist hier der Balkan ?

Scheint ein Stück nach Norden gerutscht zu sein.

Walter Bimini
01
21.12.2009, 22:26
die korruption in westeuropa und den usa ist nur anders, aber sicher nicht geringer als am balkan.

ein weiterer unterschied ist, daß der balkan schon pleite ist und bei wird es noch ein weilchen dauern bis es zugegeben wird.

dr.peb
00
22.12.2009, 12:35
Was ist Politik?

Ist doch - auch - der Versuch, verschiedene Interessen zu vermitteln. Je höher die politische Ebene, desto geringer zwangsläufig die Kenntnis der Interessens-Hintergründe. Was hat es nicht für Erfolgsmeldungen gegeben damals? Auch in diesem Medium. Nur heute, im nachhinein sind wir gescheiter. Und die einstigen Helden stehen im Regen - und dumm da.

Walter Bimini
00
22.12.2009, 23:01
vieles war von anfang an zu sehen.

daß das kleine österreich seine einstigen kronländer nicht einfach aufkaufen wird können, war mir immer klar genauso wie die tatsache, daß die eu osterweiterung am ende für alle beteiligten ein fiasko sein wird.

Lophiomys imhausi
03
22.12.2009, 00:08

Aber die beteiligten Kerlchen müssen ja irgendwo ihre versteckten Konten habe. Die müssen auffindbar sein. Die einfachste Lösung wäre, alle Involvierten in Beugehaft zu nehmen und pfänden. Ein paar werden sicher umfallen und das Kartenhaus zum Einsturz bringen.
Die Exekutive kann ja diesen Tierschützerparagrafen in aller Härte anwenden... in dieser Angelegenheit wär er zweilfelsfrei angemessen und zum Schutz des Staates sinnvoll, ganz abgesehen von der Gerneralprävention bei den Bankstern!

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