Zwischen Hausgeburt und Klinik

21. Dezember 2009, 14:00
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Praxis in Hietzing als "Alternative zwischen Hausgeburt und Klinik" - Ziel sei es, dem Gefühl einer Hausgeburt möglichst nahe zu kommen

Wien - Ab Jänner haben werdende Mütter in Wien erstmals die Möglichkeit, ihr Kind in einem von drei Hebammen geführten Geburtshaus zur Welt zu bringen. Man verstehe sich als eine "professionelle Alternative zwischen Hausgeburt und Klinik", erklärte Geschäftsführerin Martina Klasz am Montag. Die Pauschalkosten von rund 1.400 Euro müssen von den Eltern jedoch großteils selbst getragen werden. Schließlich würden von der Gebietskrankenkasse nur etwa 320 Euro übernommen werden, was dem Tarif für eine Hausgeburtshilfe entspreche, hieß es.

Vorbild Hausgeburt

Die Praxis in der Hietzinger Hauptstraße 50 verfügt über zwei Geburtszimmer, wobei eines davon mit einer Geburtsbadewanne ausgestattet ist. Der Slogan "Von Anfang an" ist Programm: Jede Schwangere wird vor und während der Geburt von ihrer persönlichen Hebamme begleitet. Ziel sei es, dem Gefühl einer Hausgeburt möglichst nahe zu kommen. "Ab und zu sind die Umstände in den eigenen vier Wänden eben nicht geeignet", so Klasz in einer Pressekonferenz. Sollte es unerwartete Probleme geben, könne in drei Minuten das St.-Josef-Krankenhaus angefahren werden.

Betreuung maximal bis 24 Stunden nach der Geburt

Nach der Geburt darf die frisch gebackene Mutter die Praxis nach frühestens drei Stunden verlassen. Es gibt jedoch auch die Möglichkeit, bis zu 24 Stunden danach betreut zu werden. Darüber hinaus bietet die Einrichtung zahlreiche Zusatzangebote an - von Yoga für Schwangere über Babymassage bis hin zu Spielgruppen für den kleinen Nachwuchs. Auch Hausbesuche der Hebammen sind möglich. Diese Leistungen müssen jedoch extra bezahlt werden.

Momentan besteht das Team aus drei Hebammen, wobei es bald mehr werden sollen. Schließlich sollen in der Praxis, für die es strikte hygienische und bauliche Auflagen gegeben hat, jährlich rund 200 Geburten durchgeführt werden. Das schaffe einen Arbeitsplatz für insgesamt sechs bis zehn Geburtshelfer, sagte Co-Geschäftsführerin Rotraud Zeilinger.

Eigenes Tempo zählt

Aufgrund der derzeitigen Situation in Krankenhäusern gebe es für viele Frauen kaum mehr die Möglichkeit, ihr Kind aus eigener Kraft und in ihrem eigenen Tempo zu bekommen, beklagte Zeilinger. Die aktuelle Kaiserschnitt-Rate von 28 Prozent sei "eine erschreckend hohe Zahl". Enttäuscht zeigte sich das Team heute von der Wiener Gebietskrankenkasse. Man habe trotz oftmaliger Versuche keinen Termin bekommen, um das Modell Geburtshaus vorzustellen. Trotzdem wollen sich die Geburtshelferinnen weiter um eine höhere Kostenübernahme durch die Kasse bemühen. (APA)

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