Täuschungsmanöver

Nofretete-Entdecker soll Büste getarnt haben

21. Dezember 2009, 14:11

Zahi Hawass beruft sich auf einen angeblichen Trick Ludwig Borchardts, um erneut die Rückgabe zu fordern

Kairo - Der Streit um die Nofretete-Büste zwischen Deutschland und Ägypten geht in eine weitere Runde: Der Chef der ägyptischen Altertümerverwaltung, Zahi Hawass, kündigte am Sonntag in Kairo an, dass Ägypten die Büste offiziell zurückfordern werde. Hawass wolle zunächst noch alle Formalitäten vor einer offiziellen Rückforderung prüfen lassen, erklärte die Altertümerverwaltung nach Gesprächen Hawass' mit der Direktorin des Ägyptischen Museums Berlin, der Ägyptologin Friederike Seyfried. Ägypten hatte schon mehrfach die endgültige Rückgabe der Nofretete-Büste beantragt.

Aktueller Hintergrund der neuerlichen ägyptischen Bemühungen ist ein angebliches Täuschungsmanöver des deutschen Nofretete-Entdeckers Ludwig Borchardt, der bei der Ausfuhr der Büste aus Ägypten im Jahr 1913 einem Antikeninspektor einen geringeren Wert vorgegaukelt haben soll. Demnach sei die Büste nach ihrer Entdeckung mit Tonerde beschmiert worden, um die Inspektoren über ihre tatsächliche Beschaffenheit zu täuschen. Museumsdirektorin Seyfried hatte dagegen jüngst Dokumente vorgelegt, die nach Auffassung der deutschen Seite die Rechtmäßigkeit der Ausfuhr der Büste belegen.

Deutschland wies bisher selbst Forderungen, die Büste zu verleihen, kategorisch zurück, da dies aus konservatorischen Gründen nicht zu verantworten sei. Nach deutscher Auffassung war der Erwerb der Nofretete-Büste vor 95 Jahren rechtmäßig. 1911 hatte der Berliner Kunstmäzen James Simon Ausgrabungen in Ägypten finanziert. Da die Grabungslizenz auf ihn ausgestellt war, gehörten ihm alle Fundstücke, auch die Büste von Nofretete. 1920 schenkte Simon die Büste dem Vorderasiatischen Museum in Berlin. (APA)

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Martin Blechbichl
 
01
28.12.2009, 10:50
wandlung der historischen beurteilung

Leider wird hier nicht darauf eingegangen, was zur damligen zeit als "interessant" gegolten hat. Ägyptologie war primär die wissenschaft der steine, alles andere, lehm, gips usw. galt als minderwertig.
Eine rosengranit statue, ok, aber gips?

Erzpiefke
 
01
28.12.2009, 07:09
Wenn all die unzähligen uns gestohlenen Kulturwerke

uns zurückgegeben würden, dann würden wir sehr gern die weitgehend legal erworbene Nofretete zurückgeben. Die Ägypter brauchen sich am allerwenigsten zu beklagen. Ohne die entscheidende deutsche Mithilfe bei der Verlagerung der Tempel von Abu Simbel gäbe es diese überhaupt nicht mehr. Dafür kann man die kleine Nofretete schon bei uns belassen.

Fritz Wunderlich
00
24.12.2009, 10:53

der hawass wäre mir getarnt auch lieber

Swaantje Janke
 
00
31.12.2009, 15:56
es müsste mehr hawasse geben !

endlich mal einer der lang überfälliges unrecht anprangert und wiedergutmachung fordert und viel für sein land tut.
es waren meines wissens nach auch nicht nur deutsche, die in abu simbel geholfen haben. das nennt man weltkulturerbe.
schön, dass wenigstens andere nationen einsichtiger sind, wie zum beispiel frankreich !

Aufklärung die fünfte
00
23.12.2009, 11:44

alle grenzen weg dann ist jedes "kultur"gut menschheitsgut und jede diskussion ist ad absurdum

DerKauz
01
23.12.2009, 10:47

unglaublich wie oft ich mich jetzt bei der überschrift verlesen habe...

bedenklich

Dilvish the Damned
10
22.12.2009, 11:19

Ist die Nofretete-Büste nicht ohnehin eine Fälschung?!

Ruth Schlabbeeritzka-Pangl
03
22.12.2009, 09:31
Stimmt das?

1. "Mäzen" erhält Grabungslizenz (Wird sicher nicht gratis gewesen sein)
2. Laut Gesetz gehören eventuelle Funde ihm
3. Er findet tatsächlich was
4. Der "Inspektor" (Beamter) hat keine Ahnung und lässt sich von ein bisserl Dreck täuschen
5. Die Regierung will's wieder zurück haben (wieso? siehe 2.)
6. Gesetz ist nur solange Gesetz, solange es um nix geht

Oder täusch' ich mich da?

martial
42
22.12.2009, 15:36

Ich nehme an, er hat für alle Funde die er mitnehmen wollte eine Erlaubnis gebraucht. Nach Argumentation der Ägypter hat er den Wert der Nofretete Büste durch das beschmieren mit Dreck verschleiert, und sich somit die Genehmigung durch Täuschung erschlichen. Wäre die Büste sauber geblieben, hätten die Ägypter sie vielleicht nicht hergegeben.

Rechtlich haben die Deutschen zwar nichts falsch gemacht, andererseits hat man damals aus einer imperialistischen Positon der Stärke heraus schwächeren Staaten Kulturgüter abgenötigt, deren Wert für diese damals gar nicht abschätzbar war. Heute spielen da natürlich auch wieder eigene Interessen rein, wenn es wirklich nur um Kulturgüterschutz ging hätte sich schon längst eine Lösung gefunden.

Nick Tameer
00
30.12.2009, 23:03

Mit dem Versuch, imperialistischen Druck auszuüben,hätte ein Deutscher 1913 in Ägypten schlechte Karten gehabt, denn seit 1892 war Ägypten de facto unter englischer Oberhoheit gelangt.

Andrej Stoltz
07
22.12.2009, 17:25
Jeder weiss, dass der Hawass ein Dampfplauderer ist und wild zu phantasieren beginnt, sobald eine Kamera in der Nähe ist.


"imperialistischen Positon der Stärke" ?...Das waren die Briten und nicht die Deutschen.

"beschmieren mit Dreck" ?...Artefakte, die 3000 Jahre im Boden liegen, sind DRECKIG, was sonst ? Top restauriert wurde die Büste erst in Berlin.

Fakt ist, Hawass´Vorgänger hat sich damals für den optisch attraktiveren "Klappaltar von Kairo" entschieden und den alten Gipskopf links liegen lassen.
Hawass versucht nach 100 Jahren noch mal nachzukarten, obwohl die Sache völlig sauber abgelaufen ist.
Ich kann auch meine vor 20 Jahren pleite gegangenen AEG Aktien nicht mehr in Apple eintauschen, nur weil sich jetzt herausstellt, daß Apple die erfolgreichere Firma ist.
Ausserdem lebt Hawass und ganz Egy vom Tourismus und dem Antikenboom im Westen.

Jürgen Rembremerding
02
22.12.2009, 22:41
"Jeder weiss, dass der Hawass ein Dampfplauderer ist"

Gestern hatte der WDR (Radio) einen längeren Beitrag dazu.

Die ägyptische Seite bat in der Sache um Einsicht in die damaligen Aktenvorgänge, die in Berlin noch erhalten sind. Die Einsicht wurde gewährt und man überstellte Hawass Kopien der Akten.

Bereits am nächsten (!) Tag nach Übergabe der Kopien kam er mit seiner Geschichte an die Öffentlichkeit. In Berlin löste nicht die Tatsache Verwunderung aus, dass er sich äußert (was sein gutes Recht ist), sondern dass er binnen eines Tages fähig ist, einen (offenbar nicht so kleinen und auch nicht so simplen) Aktenvorgang in einer Fremdsprache schlüssig durchzuarbeiten.

martial
20
22.12.2009, 18:54

Ich habe nur die ägyptische Argumentation wiederholt, wie dreckig oder nicht das Teil war lässt sich 100 Jahre später schwerlich beurteilen. Nicht alles was man aus der Erde zieht ist auch zwangsläufig schmutzig, gerade in sandigen, trockenen Böden hält sich der Dreck nur oberflächlich. Falls die Büste gereinigt und danach wieder dreckig gemacht wurde, um den Wert zu verschleiern, liegt durchaus eine Täuschung vor.

Davon abgesehen, ob Deutschland, Frankreich oder Großbritannien macht keinen Unterschied. Im 19./20. Jahrhundert haben alle Kolonialmächte sich großzügig in Griechenland, der Türkei und Ägypten bedient. Diese Länder haben dies zugelassen und es ist naiv zu denken politische Gründe hätten hier keine Rolle gespielt.

Maria Gambrelli - the maid
 
22
22.12.2009, 00:30

der hawass soll endlich mal ruhe geben und akzeptieren dass die bueste nun mal den deutschen gehoert.

Die dritte Seite der Medaille
08
22.12.2009, 00:09

Jetzt hab ich den Artikel angeklickt, weil ich was von getarnten Brüsten gelesen habe. Das wäre spannend gewesen.. so ist aber eh auch interessant.

Die dritte Seite der Medaille
00
22.12.2009, 18:01

post um die doofe Funktion"Alle Kommentare zu diesem Artikel per email erhalten" wieder abzubestellen.
Sonst ist er nicht zu gebrauchen. Vielleicht mach ich ein paar Schimpwörter rein, damit er erst nicht freigeschaltet wird..

grrrr verdammt und.. arrrghhhh nein, kann ich nicht..

Ehemaliger ösi
010
21.12.2009, 19:42

Ich hab die Geschichte etwas anders gehört. Und zwar hatte der Simon als Sponsor der DOG einen Vertrag mit den Ägyptern geschlossen, dass alle Funde hälftig geteilt werden. Was auch so geschah, nachdem der Borchardt seine Grabungen beendete. Dieser wusste allerdings genau, auf welche Stücke es die mit der Aufteilung beauftragten ägyptischen Beamten abgesehen hatten und plazierte die zahlreichen Funde so, dass die Ägypter sich schliesslich für ihre Lieblinge entschieden. Die Nofrete wurde dabei nicht versteckt oder verheimlicht, aber Borchardt kannte halt seine Pappenheimer. Clever, aber nicht illegal. An sich ein sauberer Deal, jedenfalls im Vergleich zu den Ägypten-Raubzügen anderer Nationen.

Kontrahent1
10
22.12.2009, 12:56
Da wissen die Leute, bei wem was zu holen wäre.

Die hauptsächlichen Räuber Frankreich und England bleiben nahezu ungeschoren, denn dort holt man sich nur eine kalte Abfuhr, so plump der Raub auch war. Deutschland und Österreich (Federkrone) sind da schon dankbarere Kandidaten, wegen des 'schlechten Gewissens' und so.

Das kleine Maßahmenpaket
10
22.12.2009, 15:31

Wie kommen Sie darauf, Frankreich hat gerade Freskenfragmente an Ägypten zurückgegeben. Die Deutschen geben die Nofretete sicher nicht her und "wir" sowieso nix.
Ihr Posting pflegt nur die blöde Klischeesuderei die auf eine endlose Nabelschau hinausläuft und sonst gar nix.

Kontrahent1
00
22.12.2009, 17:41
Durch Pöbeln

wird Ihre Antwort auch nicht richtiger.- Die Fragmente wurden nach jahrelangem Prozessieren als ein kleiner Teil der reklamierten Stücke nun restituiert, da die Beweislast erdrückend war. Aber wie Sie vielleicht wissen, ließ schon Napoleon alles was irgend möglich bis hin zum Obelisken abtransportieren. Oder waren das auch Geschenke ?

duke box
00
22.12.2009, 15:15

wieso sollen wir wegen der federkrone ein schlechtes gewissen haben, die haben immerhin unseren maximilian erschossen. wir sind quitt.

Kontrahent1
02
22.12.2009, 17:44
Sie wissen sicher,

wie es gemeint war.- Von den Kronen gabs mehr als ein halbes Dutzend. Da jene, welche in Mexico verblieben, mit der Zeit von den Motten aufgefressen wurden, richten sich die Begehrlichkeiten nun natürlich auf das letzte, gut konservierte Stück. Und das ist nachweislich nicht gestohlen !

Seria
00
21.12.2009, 15:32

auf alle Fälle gute Propaganda für Ägyüten und Berlin

Rhodopis
00
21.12.2009, 15:05
Ich bin zwar ein absoluter Laie...

...aber wäre die Bemalung der Büste nicht stark geschädigt worden, hätte man sie tatsächlich mit Tonerde beschmiert?

AmazingSpace
10
22.12.2009, 15:04

Die Bemalung wurde erst später angebracht.

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