Eingeatmete und verschluckte Gegenstände

  • Röntgenaufnahme einer Achtjährigen zeigt verschluckte Stahlkugeln und Magnete
    foto: ap/the justin herald

    Röntgenaufnahme einer Achtjährigen zeigt verschluckte Stahlkugeln und Magnete

Viele nehmen den natürlichen Weg, manche werden zur Lebensbedrohung

Bei der Grätensuche im Hals hat ein Ägypter heuer im Sommer einen Löffel verschluckt. Die Ärzte mussten ihm das Besteck schließlich unter Vollnarkose aus der Speiseröhre holen. Ein Fall, der es bis ins renommierte Fachmagazin "New England Journal of Medicine" geschafft hat. Gräte haben die Mediziner in diesem Fall zwar keine gefunden, dafür wird der Weihnachtskarpfen heuer wieder für so manchen Festmahlesser zum Problem werden. Und auch das ein oder andere neue Kleinspielzeug werden die neugierigen Sprösslinge "zum Fressen gern haben". 

Verschluckte Dinge nehmen meist natürlichen Weg

Häufig verschlucken Kleinkinder Nüsse oder andere größere Stücke von Nahrungsmitteln, aber auch Plastikbausteine, Münzen, Knopfbatterien oder Büroklammern. Kleine Gegenstände bis zwei Zentimeter Durchmesser wandern in der Regel problemlos durch den Verdauungstrakt und werden wieder ausgeschieden. Vorausgesetzt der Gegenstand besitzt eine gewisse Gleitfähigkeit. Tut er das nicht, muss er endoskopisch oder operativ vom Arzt entfernt werden. Bei rund einem Zehntel der Fälle ist das die Konsequenz.

Knopfbatterien und Magnete

Problematisch sind in jedem Fall Knopfbatterien, denn sie können sich im Inneren des Körpers entladen und giftige Inhaltsstoffe freigeben. Daher sollten Eltern mit dem Kind ein Spital aufsuchen. Magnete, die im menschlichen Körper einander oder einen metallischen Gegenstand anziehen, können schwere Verletzungen verursachen. Deshalb sollte sofort ein Arzt zu Rate gezogen werden, wenn Magnete verschluckt oder eingeatmet wurden.

Eindringen in Atemwege gefährlich

Eine besonders große Gefahr ist die sogenannte Fremdkörper-Aspiration - nicht das Verschlucken eines Teilchens, sondern dessen Eindringen in die Atemwege. Laut der Spitalsdiagnosestatistik müssen pro Jahr rund 175 Kinder unter fünf Jahren deswegen im Spital behandelt werden. Bleibt das Ding stecken oder verursacht innere Verletzungen, kann die Situation schnell zum Notfall werden: Die eingeatmeten Fremdkörper können in die Bronchien gelangen und Erstickungsgefahr droht. 

Symptome

Die ersten Reaktionen sind anfallsartiger Husten, Würgen, Atemnot und Erstickungsangst. Zeigt ein Kind diese Symptome, muss es schnellstens in Krankenhaus. Vorsicht ist auch geboten, wenn ein aspirierter Gegenstand aufgrund nachlassender Symptome zunächst nicht bemerkt wird - daraus kann sich eine schwere Lungenentzündung entwickeln, wenn der Gegenstand nicht entfernt wird. Gegenstände, die in die Atemwegen gelangt sind, können mittels Bronchoskopie entfernt werden. Geortet werden sie meist mit bildgebenden Verfahren.

Gefährliche Zwischenfälle

Laut der Todesursachestatistik sterben jährlich drei Kinder unter fünf Jahren durch Einatmen von Kleinstgegenständen. Ein Fremdkörper kann zu einer totalen Verengung der Atemwege führen. Gegenstände von rund zwei Zentimetern Durchmesser können die Luftröhre verschließen und zum sofortigen Tod oder zu einer bleibenden Schädigung des Gehirns aufgrund von Sauerstoffmangel führen, warnen die Experten vom Kuratorium für Verkehrssicherheit. Gegenstände in der Größe von Münzen, Plastikbausteine, Schokolade mit großen Nüssen, Kirschen oder Murmeln - seien besonders gefährlich, weil sie im Aspirationsfall den Kehlkopf verschließen können und die Kinder daran ersticken.

Vorsorgen

Die beste Vorsichtsmaßnahme gegen Unfälle dieser Art: Gegenstände, die kleiner als eine Ein-Euro-Münze sind, sollten nicht in die Reichweite von Kindern im Alter von vier bis fünf Jahren gelangen. Auch Nahrungsmittel wie ganze Nüsse oder kleine Karottenstücke sind nicht für den Speiseplan der Kleinen geeignet. Kinder sollten in einem möglichst ruhigen Umfeld essen, denn Unfälle passieren meist in hektischen Situationen. Als Erste Hilfe Maßnahme bei Aspiration können kleine Kinder an den Beinen hochgehalten werden, durch Klopfen auf den Rücken können sie besser abhusten. (mat, derStandard.at, 23.12.2009)

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