Insolvenzen heuer deutlich gestiegen

21. Dezember 2009, 18:16
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Der Anstieg blieb unter den schlimmsten Prognosen, die involvierten Schulden explodierten aber, 2010 dürfte es noch dicker kommen

Wien - "Die Insolvenzentwicklung in Österreich lag mit einem Anstieg von 9,2 Prozent deutlich unter dem OECD-Schnitt von 34 Prozent und unter unseren Erwartungen." Hans Georg Kantner vom Kreditschutzverband 1870 (KSV) legte am Montag zwar eine besser als die Befürchtungen ausgefallene Pleitenbilanz für das Jahr 2009, allerdings enthält diese doch einigen Sprengstoff: So stieg die Summe der involvierten Passiva um 36,7 Prozent auf 4,1 Mrd. Euro. Von den Pleiten waren 28.400 Dienstnehmer betroffen - um ein Drittel mehr als 2008.

"Der Insolvenztsunami ist ausgeblieben" , sagte Kantner. Die Gründe dafür lägen zum einen bei der Liquiditätssicherung für die Banken durch die Regierung und den niedrigen Zinsen, zum anderen bei den Österreichern selbst. Kantner: "Die Leute haben Geld, und sie haben es 2009 auch ausgegeben."

Insgesamt schlitterten 6893 Unternehmen in die Pleite, das waren im Schnitt 29 Fälle täglich. Der Spitzenwert aus dem Jahr 2005 mit über 7000 Insolvenzfällen wurde somit nicht erreicht. Die größte Pleite legte heuer die Marta Unternehmensberatungs GmbH (siehe "Pleitegeieier 2009") hin, gefolgt von der Non Ferrum Metallpulver GmbH (136,7 Mio. Euro) und Quelle (88 Mio. Euro).

Nach Branchen litten vor allem exportorientierte Unternehmen im Bereich Maschinen/Metall mit einem Insolvenzanstieg von 75 Prozent, Glas/Keramik (plus 65,4 Prozent) und Papier/Druck (plus 51,1 Prozent). Salzburg rangiert im Bundesländervergleich bei der Zuwachsrate auf Platz eins vor Oberösterreich und Kärnten.

Privatinsolvenzen steigen weiter

Auch bei den Privaten stiegen die Insolvenzen. Mit 9079 Personen meldeten um sieben Prozent mehr Privatkonkurs an als im Vorjahr. Kantner: "Privatkonkurse sind ein Großstadtproblem. So führt Wien seit Jahren die Liste an."

Entwarnung will der KSV nicht geben, denn sobald sich die Zinsen wieder auf einem "normalen" Niveau einpendelten, werde sich "die Spreu vom Weizen" trennen. Bevor die im Markt verbleibenden Unternehmen wieder mit Gewinnen rechnen könnten, seien zudem Kapazitätsreduktionen erforderlich, prognostiziert Kantner.

Für 2010 rechnet er mit einem Anstieg der Firmenpleiten auf über 7500 Fälle, was einer Steigerung von zwölf Prozent entspricht. Ähnlich groß werde das Plus bei den Privatkonkursen ausfallen.

Scharfe Kritik übt der KSV an einem Urteil des Obersten Gerichtshofs, wonach die Möglichkeit besteht, sich jederzeit aus der Bonitätsdatenbank löschen zu lassen. Banken oder Leasingfirmen könnten somit die Kreditwürdigkeit eines Verbrauchers nicht mehr prüfen. Kantner fordert, "mit diesem Unfug aufzuräumen". (ch, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 22.12.2009)

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