Eintragung in feierlichem Rahmen - Bis zu 450 Verpartnerungen im ersten Jahr erwartet
Wien - Wien hat ein "Verpartnerungspaket" für lesbische und schwule
Paare geschnürt. Enthalten ist darin die Möglichkeit, die Eintragung der
Partnerschaft in feierlichem Rahmen vorzunehmen - also etwa in den Festsälen der
Amtshäuser. Erste "Verpartnerungen" sind für den 4. Jänner angesetzt. Insgesamt
wird in Wien damit gerechnet, dass im kommenden Jahr 450 Eintragungen
stattfinden, danach dürften es jährlich rund 300 sein.
"Überall dort, wo man in Wien heiraten kann, kann man sich auch verpartnern",
berichtete die zuständige Stadträtin Sandra Frauenberger am Montag in einer
Pressekonferenz. Die Feier kann in zahlreichen Fest- oder Trauungssälen in den
Amtshäusern des Magistrats stattfinden - auf Wunsch auch mit Musik, feierlichen
Ansprachen oder Ringtausch.
Homosexuelle Paare können sich aber auch für eine der beliebten, externen
"Traumhochzeits"-Örtlichkeiten entscheiden. Zwar muss die Verpartnerung selbst
in den Amtsräumen erfolgen, die Urkunden werden dann aber dort überreicht, wo
gefeiert wird. Insgesamt 37 Locations stehen - meist gegen eine entsprechende
Miete - zur Verfügung. Es sind dies unter anderem der Donauturm, das Schloss
Schönbrunn oder das Riesenrad.
Zwar ist schwulen und lesbischen Liebenden der Gang zum Standesamt verwehrt,
jener zum Standesbeamten in Wien jedoch nicht ausgeschlossen. Denn die per
Bundesgesetz geschaffene "eingetragene Partnerschaft" wird in der
Bundeshauptstadt bei Beamten der Magistratsabteilung 35 besiegelt. Bei diesen
kann es sich auch um Standesbeamte handeln. Die große Party ist übrigens
keineswegs obligatorisch: Der Eintragungs-Akt wird bei Bedarf auch ganz ohne
Zeremonie vollzogen.
"Wir haben jeden Spielraum benutzt"
Für Interessierte wurde eine eigene Informationsstelle im Amtshaus des 5.
Bezirks eingerichtet. Dort befindet sich auch die zentrale Anmeldestelle für
Eintragungswillige. Außerdem gibt es online sämtliche Informationen.
"Ich glaube, das ist ein schönes Wiener Paket. Wir haben jeden Spielraum
genutzt", betonte Frauenberger. Weniger zufrieden zeigte sich die Ressortchefin
mit dem Gesetz selbst. Dieses sei ein Kompromiss. Sie bedauere es etwa sehr,
dass keine Adoption möglich sei. Günter Tolar, der seit Jahren in verschiedenen
Funktionen gegen die Diskriminierung Homosexueller kämpft, lobte die Stadt für
die Wiener Lösung. Auch er ortete "Fehler" im Gesetz, hob aber hervor, dass sich
das Leben für homosexuelle Paare anfange zu "normalisieren".
Tolar rechnet damit, dass zunächst vor allem ältere Paare das Angebot in
Anspruch nehmen werden. Denn diesen sei eine rechtliche Absicherung besonders
wichtig. Das traf auch für ein Paar zu, das bei der heutigen Pressekonferenz mit
dabei war - zwei Männer, die seit 50 Jahren zusammenleben. Sie werden sich als
eine der ersten am 4. Jänner das Jawort geben bzw. eintragen lassen. (APA)