Politisieren und Party: Zwei Monate besetzten StudentInnen den größten Hörsaal der Uni Wien
Wien - Am 60. Tag der Besetzung durch protestierende Studenten wurde
das Audimax, der größte Hörsaal der Universität Wien, Montag Früh
polizeilich geräumt. Eine Chronologie der Ereignisse.
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20. Oktober: Aus Protest gegen die geplante Umstellung der Ausbildung auf die
Bologna-Struktur (Bachelor/Master/PhD) und die Abschaffung von Studien besetzen
Studenten und Lehrende der Akademie der Bildenden Künste die Aula der
Hochschule.
22. Oktober: Im Anschluss an eine Demonstration der Akademie-Studenten wird
das Audimax der Uni Wien besetzt, nach und nach
strömen immer mehr Studenten in den Hörsaal, der sich in der Nacht zur
Partymeile wandelt.
23. Oktober: Nach und nach entsteht eine Infrastruktur im Audimax. Ein basisdemokratisch organisiertes "Plenum"
entscheidet über alle wichtigen Angelegenheiten, daneben konstituieren sich
"Arbeitsgruppen", Sympathisanten werden u.a. via Facebook und Twitter auf dem
Laufenden gehalten. Ein erster Forderungskatalog wird erarbeitet. Am Nachmittag
wird vor dem Wissenschaftsministerium demonstriert. Die Uni selbst entscheidet
sich gegen eine Räumung und verlegt Lehrveranstaltungen später ins Austria
Center und die Messe Wien. Nach und nach werden auch an anderen Unis Räume
besetzt.
24. Oktober: Bundeskanzler Werner Faymann (S) äußert Verständnis für die
protestierenden Studenten. Im Audimax kehrt
Routine ein, tagsüber halten nur wenige Studenten die Stellung, abends füllt
sich der Saal für Plenum bzw. Kulturveranstaltungen.
28. Oktober: An der größten Demonstration der
Protestbewegung in Wien beteiligen sich mehr als 10.000 Personen, die
Veranstalter sprechen von 50.000."
30. Oktober: Wissenschaftsminister Johannes Hahn (V) zapft die
Notfalls-Reserve des Uni-Budgets an und stellt den Hochschulen 2010 daraus 34
Mio. Euro zur Verfügung. Unis und Studenten bezeichnen dies als ungenügend.
5. November: Rund 8.000 Personen demonstrieren in Wien für eine Verbesserung
der Studienbedingungen. Auch in anderen Uni-Städten gehen Hunderte auf die
Straße.
12. November: Der Nationalrat beschäftigt sich in einer Sondersitzung mit dem
"Notstand an den Universitäten".
14. November: 150 bis 200 Demonstranten unterbrechen eine Vorstellung im
Burgtheater.
17. November: Am "Weltstudententag" fordern ca. 800 Studenten vor der
Industriellenvereinigung mehr Geld für Bildung. In anderen Unistädten gibt es
vor allem satirische Aktionen.
19. November: Die Leitung der Uni Wien lädt zum "Dialogforum" mit den
Besetzern, die allerdings Verhandlungen ablehnen. Für solche müsse Rektor Georg
Winckler vor dem Plenum erscheinen.
25. November: In Wien findet ein von Hahn initiierter "Hochschuldialog"
statt, zu dem auch Vertreter der Besetzer geladen sind. Zeitgleich halten diese
als Gegenveranstaltung einen "echten Bildungsdialog" ab.
2. Dezember: Die Audimax-Besetzer orten ein
"Obdachlosenproblem". Diese hätten den Hörsaal "zu ihrer Zufluchtsstätte
gemacht".
3. Dezember: Die ÖVP fordert die Räumung des Audimax - wenn nötig auch durch die Polizei. Die
Uni-Leitung setzt allerdings weiter auf eine "politische Lösung".
4. Dezember: Winckler erfüllt eine der Bedingungen für einen Abzug und
diskutiert mit den Besetzern im Audimax.
5. Dezember: Einmal mehr machen rund 1.500 Studenten, unterstützt von
verschiedenen Gruppen, ihren Unmut auf der Straße Luft.
6. Dezember: Nach kurzer Besetzung geben Studenten Räumlichkeiten eines
Hauses in Wien-Alsergrund wieder frei, von dem sie dachten, es gehöre der
Bundesimmobiliengesellschaft (BIG). Allerdings steht das Gebäude in
Privatbesitz.
10. Dezember: Das Rektorat der Uni Wien verschärft den Tonfall und spricht
von Sicherheitsproblemen im Audimax. Gleichzeitig
bietet Winckler im Gegenzug für eine Räumung der besetzten Hörsäle
"Kommunikationsräumlichkeiten" unter Verantwortung der Hochschülerschaft an.
14. Dezember: Die Besetzer beschließen, dass im Audimax grundsätzlich wieder Lehrveranstaltungen
stattfinden können, allerdings im Rahmen der Besetzung und auch nur, wenn das
Rektorat gewisse Bedingungen erfüllt.
16. Dezember: Neu besetzte Räumlichkeiten an der Uni Wien werden polizeilich
geräumt. Polizisten tragen rund 15 Personen aus einem Büro, in das nach Angaben
der Uni-Leitung in der Nacht eingebrochen worden war.
18. Dezember: Nach siebenwöchiger Besetzung des größten Hörsaals der Uni
Innsbruck einigen sich die Studenten mit der Uni-Leitung und ziehen in den
"Geiwi-Turm" um.
21. Dezember: Aufgrund einer laut Rektorat "massiv verschärften
Sicherheitslage" im Audimax bittet die Uni-Leitung
die Polizei um Räumung. Rund 80 Obdachlosen und etwa zehn Studenten verließen
auf Aufforderung der Polizei hin ohne Widerstand den Hörsaal. (APA)