Verkehrte Welt

21. Dezember 2009, 16:53
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Yamaha baut für die YZ450F einen neuen Zylinderkopf und neigt den Zylinder nach hinten, was vor allem in der Kurve was bringen soll

Normalerweise fangen Presseaussendungen damit an, dass sich irgendwo jemand vor ein weißes Blatt Papier gesetzt und zu arbeiten angefangen hat. Natürlich muss man sagen, dass dies wohl auch so stimmen wird, wenn es Arbeiten ist, das alte Modell jetzt in einer ganz neuen Farbe und mit geändertem Luftfilterkasten-Innenmuster zu entwerfen. Dabei dürfte es diesmal wirklich so gewesen sein, dass sich einer vor ein weißes Blatt gesetzt hat. Es ist aber auch gut möglich, dass es der Ferialpraktikant war, der da die neue YZ450F hätte zeichnen sollen. Und weil die Yamaha-Zeichen-Aushilfe von einem Motorrad nur wusste, dass es zwei Räder und einen Lenker hat, ist ihr ein ganz entscheidender Fehler passiert. Ein Anfängerpatzer. Ziemlich blöd. Einfach einmal nicht nachgedacht.

Was der Bursche angestellt hat war nämlich, dass er den Zylinder verkehrt an die Zu- und Abluft angeschlossen hat. Sprich, er hat die Frischluft von vorne in den Zylinder gejagt und die Abluft hinten rausgeschossen. Der Auspuff ist ja hinten - und wenn man da einmal kurz nicht aufpasst, ist schon alles verkehrt. Nur, diese Unschuld, mit der da jemand den neuen Motor der YZ gezeichnet hat, war beim genaueren Hinschauen gar nicht so schlecht. Der Motor kann nun die Frischluft leichter ansaugen, und das holt aus dem Werkl gleich mehr Leistung. Nur eine ganz entscheidende Sache ist da noch:

Neue Optik
Der Zylinder ist in der YZ450F nach hinten geneigt, und offiziell heißt es, dass die Yamaha-Ingenieure die innovative Idee hatten, den neuen Zylinderkopf mit den getauschten Ein- und Auslassventilen zu bauen. Nun gut. Dass die YZ nun mit vier statt wie zuvor mit fünf Ventilen auskommt, sieht man natürlich nicht auf den ersten Blick. Was aber schon von Weitem sofort ins Aug sticht ist, dass an dem Motorrad einfach etwas nicht passt. Der nach hinten geneigte Zylinder irritiert doch ordentlich unseren Sehnerv. Aber das neue Konzept soll vor allem in den Kurven entscheidende Vorteile bringen. Mit dem neuen Motor sind die Massen zentralisiert, und das bringt klare Handling-Vorteile, verspricht Yamaha.

Die Gesamtlänge des Auspuffrohrs ist übrigens nicht kürzer geworden, wie man vermuten möchte. Der Abgasschlauch windet sich halt jetzt anders, aber das war es schon. Andernfalls, so vermute ich, hätte man vielleicht beim Drehmoment Abstriche machen müssen. Aber was weiß ich...

Bohrung mal Hub macht Schub
Mit den geänderten Ein- und Auslässen, sowie der Reduzierung der Ventile war aber der neue Häfen nicht fertig. Bohrung und Hub mussten geändert werden und sind nun ident mit denen der KTM 450 SX-F: Mit 97 Millimeter Bohrung und 60,8 Millimeter Hub ist die YZ jetzt kurzhubiger, und das Verdichtungsverhältnis wurde angehoben. Außerdem kommt die YZ450F mit einer Benzineinspritzung, die auf wechselnde Bedingungen reagiert, Drosselklappenstellung, Ansaugdruck, die Temperatur der angesaugten Luft und die des Kühlmittels misst, das Ganze gekonnt in eine Formel einsetzt, flott mit der Schublehre ausdividiert und der Werte entsprechend einspritzt. Oder so.

Die klasse Einspritzung bringt ein Feature mit sich, das schon im Fahrerlager die Streu vom Heizer trennt. Im Zubehör kann man sich den YZ-Power-Tuner kaufen, mit dem man ganz schnell die Standardeinstellungen je nach Strecke, Wetter und anwesender potentieller Geschlechtspartner einstellt. Die Einspritzmenge lässt sich in 15 Stufen regeln, die Zündung in 14 Stufen. Natürlich kann man verschiedene Kennfelder auch programmieren und speichern, damit man sie je nach Strecke schnell abrufen kann. Im Fahrerlager wird das trotzdem ein hektisches Geklopfe auf dem kleinen blauen Kastl geben, und man darf gespannt sein, was der Kollege mit dem jeweils technisch neuesten Klumpat und den schlechten Rundenzeiten heuer für Ausreden findet, wenn er wieder nur hinten nach fährt. Aber so lange sich die Zylinder nur nach hinten neigen und sich nicht - wie wir - vor Lachen krümmen, kann uns das wurscht sein. (Guido Gluschitsch)

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