NGOs

Räumung "eine wirkliche Schweinerei"

Maria Sterkl, 21. Dezember 2009, 10:19
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    foto: standard/regine hendrich

    Vom Hörsaal ins Ungewisse: Obdachlose

Verband der Wohnungslosenhilfe "mehr als enttäuscht": Heute hätte ein Hilfsplan für Obdachlose im Audimax präsentiert werden sollen

Ein "humanitärer Wahnsinn" sei die überraschende Räumung des Audimax der Uni Wien, sagt Markus Reiter, Geschäftsführer des NeunerHAUS und Verbandsvorsitzender der Wiener Wohnungslosenhilfe. Für die rund 80 Obdachlosen hätte noch heute ein Hilfsplan präsentiert werden sollen, doch das Rektorat der Uni Wien kam dem zuvor: Die Polizei räumte den Hörsaal, die Obdachlosen wurden via Informationszettel angewiesen, sich an das P7, eine Obdachlosen-Einrichtung der Caritas Wien im zweiten Bezirk, zu wenden.

Notschlafstelle: "Aus den Medien erfahren"

Doch dort war man über den drohenden Ansturm gar nicht informiert worden. "Wir haben das selbst aus den Medien erfahren", sagt Ruth Schöffl von der Caritas Wien. Abgesehen davon hat das P7 selbst keine Schlafstellen, sondern teilt Obdachlose nur aufnahmefähigen Notschlaf-Einrichtungen zu. Und genau daran mangelt es in Wien: Der Großteil der Audimax-Obdachlosen sind EU-BürgerInnen, und für die sind die Caritas-Notschlaftstellen per Gesetz nicht zuständig. "Die meisten Obdachlosen wissen das natürlich. Die gehen dort gar nicht erst hin", sagt Reiter.

Bei der Caritas zeigt man sich vom Vorgehen des Rektorats überrumpelt: "Wir wollten heute noch Streetworker in den Audimax schicken, um zu besprechen, wo die Obdachlosen hingehen können." Nun sei es umso schwieriger, eine Lösung zu finden, da die Obdachlosen nicht mehr greifbar sind. Im Laufe des Montags seien nur 15 Obdachlose ins P7 gekommen, für sie wurden nun Notschlafplätze aufgetrieben. "Wir müssen warten, bis sich das herumspricht", sagt Schöffl.

Tageszentrum als "provisorische Lösung"

Die Caritas will nun eines ihrer Tageszentren als "provisorische Lösung" auch nachts offen halten, bis sich eine endgültige Lösung gefunden hat. Auch das Rote Kreuz und der Fonds Soziales Wien werden vorübergehend Schlafplätze zur Verfügung stellen. Wie berichtet, sucht die Wiener Caritas nach Räumlichkeiten für eine zweite "Gruft" für EU-BürgerInnen. Wie das mit dem Wiener Sozialhilfegesetz vereinbar ist, wonach Obdachlosen-Unterkünfte nur österreichischen StaatsbürgerInnen offen stehen, kommentiert Schöffl so: "Grundsätzlich darf niemand in Österreich auf der Straße erfrieren." Auch Peter Hacker, Spracher des Fonds Soziales Wien (FSW), sagte angesichts der Wetterlage eine "großzügige Auslegung" des Paragrafen zu.

Dass die Uni-Leitung die Räumung mit NGOs akkordiert habe, wie vom Rektorat in einer Aussendung behauptet, weist Markus Reiter zurück: Ursprünglich hatte die Uni-Leitung zugesagt, die Räumungstermin mit den Wohnungslosen-Hilfsorganisationen zeitlich abzustimmen. "Weder NGOs noch die Einrichtungen der Stadt Wien sind informiert worden. Wir sind alle mehr als enttäuscht." Dafür, dass die Uni im Alleingang Taten setzte, hat Reiter nur zwei mögliche Erklärungen: "Entweder man war massiv überfordert - oder es war ein eiskaltes Manöver."

Grüne Kritik

Auch die Sozialsprecherin der Grünen Wien, Heidi Cammerlander, übte am Montag scharfe Kritik. "Rektor Winckler wollte offenbar Fakten schaffen, bevor das Problem der Obdachlosen im Audimax gelöst worden wäre. Diese Vorgangsweise wirft ein schlechtes Licht auf Rektor Winckler", so Cammerlander. Für die Obdachlosen müsse nun schnell und unbürokratisch Hilfe geleistet werden. "Die Stadt Wien darf nicht warten, bis die ersten Kältetoten zu beklagen sind." (mas, derStandard.at, 21.12.2009)

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voolla
00
das sagt wohl alles:

ein video beleuchtet die zusammenhänge: http://bit.ly/75Ztud

cerberos69
 
00
29.12.2009, 13:36
Prinzipiell rechtens

Es ist selbstverständlich das Recht eines Hausherrn, in dem Fall des Rektors, eine polizeiliche Räumung zu veranlassen - überhaupt keine Frage.
Was hier als Schwei*erei bezeichnet wird - und zu Recht - ist, erst mit NGO's zu verhandeln und diesen zuzusichern, dass man erst räumt, wenn eine Lösung gefunden ist, und dann den Räumungstermin bewußt so anzusetzen, dass es keine Lösung geben kann. Vorteil für den Rektor: Die ganzen rechten Recken freuen sich, man hat's der "Linken" wieder mal so richtig gegeben. Vorteil für den Gesetzgeber: Es besteht wenig bis keine Gefahr, dass bekannt wird, dass EU-Bürger in Ö, wenn obdachlos, nicht einmal eine Notschlafstelle in Anspruch nehmen können/dürfen. Nachteil für die Betroffenen: Sie erfrieren.

myope
00
28.12.2009, 12:18
einfach eine "falle" einrichten für die nicht mehr greifbaren obdachlosen

einen öffentlichn warmem raum mit sitzgelegenheiten oder liegen nicht versperren oder abends räumen.
einige tage lang.
das wird sich rumsprechen und dann kann man mal sozialarbeiter hinschicken und die obdachlosen obdach geben!

Monytaurus1
00
27.12.2009, 16:39
Wiener Herz wie du schmerzt...

meineMeinung1969
05
27.12.2009, 08:52
Ein Bekannter ...

... hat sich das neugierdehalber vor Ort angesehen.
Von Protesten hat man nichts mehr gesehen und zwischen den Besetzern und den Sandlern war optisch eigentlich auch nicht viel Unterschied.
Die ganze "Protestbewegung" (so gut sie ursprünglich sein hätte können) hat sich nach ca. 3 Wochen selbst ins Nichts geführt.

mM

JetztOderNIe
00
25.12.2009, 00:18
Die Sozialarbeiter haben die Wohnungslosen...

... ins Audimax geschickt, weil sie sie nicht aufnehiemen durften!

Nicht die Studis haben sie geholt oder wollen sie dort beherbergen. Sie sind es die vielmehr die Lösungen von den Verantwortlichen verlangen!

Die Politik hat versagt und das wurde im Audimax sichtbar. Das den Studis vorzuwerfen ist lächerlich.
Häupl hat sogar seine wöchentliche dienstägliche PK aus lauter Feigheit abgesagt, um nur ja nicht Stellung nehmen zu müssen.

Prof. Alois
 
14
24.12.2009, 18:16
Die Frau Cammerlander gefällt mir

Zuerst werden Obdachlose von wem wohin eingeladen, wo man selbst nicht zuhause ist. Dann zeigt man mit erhobenem Zeigefinger auf den, der dort eigentlich zuhause ist und die Obdachlosen weg haben will.

Die Audimaxisten sind elende Geiselnehmer. Sie haben Sozialgeiseln genommen. Welche, die nicht anders können, als jeden warmen Platz zum schlafen zu nützen, werden instrumentalisiert. Und wenn es nicht klappt, was vorauszusehen war: Tschüss, liebe Obdachlose! Wir übergeben euch in die Obhut derer, die wir grad erfolglos bekämpft haben.

Liebe Frau Cammerlander: Von Ihnen k ann ein Strache noch was lernen.

Lord Schaumloeffel
113
23.12.2009, 12:49
es ist doch ganz, ganz einfach:

jeder, der hier brüllt, was das für ein kalter, grausamer faschistenstaat ist, der aus einem uni-hörsaal wieder einen solchen macht (anstatt ihn als schlafplatz für sandler zukacken zu lassen), beweist die tiefenschärfe seiner noblen gesinnung und nimmt einen (ja, jeder nur einen) obdachlosen über weihnachten bei sich zu hause auf. dann sind alle von der strasse weg - und ihr könnt euch völlig zurecht als die moralisch überlegene progressive kraft fühlen, die nicht verhindert, sondern etwas macht.

ach so? aha... he, hallo, wo lauft ihr denn so rasch hin? ja wo sind sie denn alle auf einmal?

1234567100
00
22.12.2009, 22:01
Kontrastprogramm: Prinz William als Obdachloser

Will mit der Aktion auf das Schicksal von Obdachlosen aufmerksam machen...
http://www.kurier.at/freizeit/... 965121.php

meineMeinung1969
00
27.12.2009, 08:48
Mit Thermounterwäsche, ...

... Schlafsack und Bodyguards ... *hehehehehe*

mM

Tom Kranich
49
22.12.2009, 18:19

Die Gutmenschen schreien sich wieder einmal die Seele aus dem Leib und verkennen die Sachlage. Uni für Obdachlose zuständig? Kann ja nur ein schlechter Witz sein!

Aufwachen, ihr Weltverbesserer!

Die perverse Logik der Rechten
20
24.12.2009, 12:57
Neid ?...

... Obdachlose Sandler sind anscheinend beliebter als Tom Kranich

instant karma
00
25.12.2009, 23:49
Neid?

Worauf? Dass die unterstützenswerten Anliegen der StudentInnen für eine Sozialdebatte, die eigentlich Rumänien führen müsste, missbraucht werden?

stefan81
38
22.12.2009, 17:43

bitte was? das ist immer noch ein hörsaal und kein schlafsaal für obdachlose oder eine spielwiese für linke studenten....

silverfinger
52
23.12.2009, 18:25

besser auf der uni spielen als später in der politik oder wirtschaft - da richtet man mehr Schaden an - Beispiele gibts ja genug

onduras
11
22.12.2009, 17:11

ui wo kommen wir den da hin, es kann doch nicht sein das man das audimax(verzeihung männerwohnheim) zweckentfremdet oder gar räumt

buresch
26
22.12.2009, 17:07
die besetzer

haben da drinnen gehaust wie die russen, wie man hört. völlig zugedröhnt und alles völlig zugeschi**en.
advent advent, uni brennt.

Das fünfte Element
02
22.12.2009, 17:03
wieso ist nirgends im standard zu lesen,

dass heute spontan eine von der caritas geführte und vom FSW (=der stadt wien!) bezahlte einrichtung für die obdachlosen geöffnet wurde?

http://wien.orf.at/stories/411534/

Erster Maat der HMS Delirium
50
22.12.2009, 23:46

Weil dieses Heim nur für Österreicher offen steht. Und das ist in meinen Augen ein Verstoß gegen die UN-Menschenrechtskonvention. Es ist keine positive Nachricht.

Das fünfte Element
01
23.12.2009, 07:58
hätten sie den link gelesen wüssten sie,

dass alles was sie tippen nicht stimmt - mittlerweiel berichtet das sogar derstandard

Rob Stop
29
22.12.2009, 15:24
Raeumung war ueberfaellig

Camerlander, Reiter, die Universitaet ist nicht fuer das Obdachlosenproblem zustaendig!
Vielleicht sollten die Gruenen und andere Organisationen, intensiver und haerter an diesem Problem arbeiten. (z.b. die Frage der "Erreichbarkeit" der Obdachlosen koennte mit regelmaessigen Treffen an bestimmten Orten geloest werden, wo Sozialarbeiter -anwesend sein koennten und Hilfe anbieten sollten)
Die Uni jedoch ist fuer die Ausbildung der Studenten zuestaendig und sollte sich bezueglich des Obdachlosenproblems nicht schuldig fuehlen .

de la passion
 
14
22.12.2009, 17:12
Wahre Worte...

...endlich sehe ich auch Kommentare, die mir persönlich zusagen!!!

Mir war durch diese lächerlichen Proteste nicht möglich an einigen Vorlesungen teilzunehmen, weil ich nebenbei arbeite. Endlich hat es ein Ende!

Schade für die Obdachlosen, aber die Uni ist nicht die Caritas. Verstehe und unterschreibe die Räumung - finde auch, dass es KEIN "bösartiges" Manöver ist!

Erster Maat der HMS Delirium
63
22.12.2009, 23:47

Belehrung:

2 Stunden in der Kälte stehen, dann wirst scho anders reden burschi.

-joB
10
22.12.2009, 16:51

wie wär´s mit etwas Fantasie...

zB
die geisteswissenschaftliche Fakultät koordiniert ein interdisziplinäres Forschungsprojekt zur Verhinderung der Obdachlosigkeit und lässt Soziologie, Politologie, Volkswirtschaftslehre und andere Institutionen ein Programm erarbeiten, das die Umsetzung in die Wege leitet...

Mihilist
 
02
22.12.2009, 14:18
Der Brand ist nicht aus

Was sollte der Rektor tun? Gesprächsbereitschaft schön und gut, was gab es noch zu besprechen, was Angelegenheit der Universität war oder wenigstens zu ihrer Angelegenheit zu machen gewesen wäre - außer Sicherheitsfragen? Wenn die spürbare Unterstützung der Bevölkerung nach zwei Monaten in ein paar Dutzend Obdachlosen besteht, ist die Universität einfach nicht mehr der Ansprechpartner und der Ort. Die Studierenden sollten für die nächsten Aktionen lernen, sich die richtigen Verbündeten zu suchen. Arbeitslose Akademikerinnen, unterbezahlte Lektoren mit Bettelverträgen und andere, die ernst zu nehmen sind, wenn über Bildung diskutiert wird. Hoffentlich gibt es einen Kern kritischer Studierender, die dran bleiben.

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