Sechsstöckiger Neubau auf geschützter Grünfläche

20. Dezember 2009, 21:04
38 Postings

Grüne und FPÖ sprechen von Packelei der SPÖ und ÖVP - Die Marillenalm soll in Besitz der ÖVP übergehen, die Stadt bekommt von der Volkspartei den Springerpark daneben

Wien - Die Marillenalm bringt sogar Grün und Blau zusammen. Die geplante Verbauung der geschützten Grünfläche in Wien-Meidling sei eine Packelei zwischen Rot und Schwarz und könne nicht ohne Anrainerbefragung erfolgen, finden die Gemeinderäte Rüdiger Maresch (Grüne) und Herbert Madejeski (FP). Die FPÖ brachte im Gemeinderat einen Antrag auf Anrainerbefragung zur sofortigen Abstimmung ein, er wurde von SPÖ und ÖVP abgelehnt. Die Grünen stellten einen schriftlichen Antrag, für dessen Beantwortung die zuständigen Magistratsabteilungen vier Wochen Zeit haben.

Umwidmung

"Auf diese Weise muss sich die SPÖ zumindest ein paar Argumente überlegen, warum diese geschützte Fläche plötzlich umgewidmet werden soll", sagt Maresch.

Baufläche der Springerpark

Wie berichtet, will die politische Akademie der ÖVP auf dem Grundstück an der Grünbergstraße, das derzeit als Waldspielplatz genutzt wird, ein neues Seminarhotel bauen. Ursprünglich schwebte den Schwarzen als Baufläche der Springerpark vor. Im darin gelegenen Springer-Schlössl ist die Akademie seit Jahrzehnten untergebracht, auch ein von der VP betriebenes 40-Zimmer-Hotel befindet sich auf diesem geschützten Flecken Grün.

Sechsstöckiger Neubau auf der Marillenalm

Nach Anrainerprotesten präsentierte die Stadt Wien einen Alternativstandort für den geplanten sechsstöckigen Neubau mit 140 Zimmern. Die Marillenalm soll in Besitz der ÖVP übergehen, die Stadt bekommt im Gegenzug von der Volkspartei den dreimal so großen Springerpark daneben.

Eine Idee, die nicht nur bei politischen Gegnern auf wenig Gegenliebe stößt: "Wenn das realisiert werden sollte", sagt Karl Glotter, ehemals Leiter des Grün- und Freiflächenreferates in der MA 18 (Stadtplanung), "stellt das den gravierendsten und folgenschwersten Eingriff in eine durch Widmung geschützte Grünanlage unserer Stadt der letzten Jahre dar."

Wenn nicht einmal mehr die Umweltschutzabteilung der Stadt Wien etwas dabei finde, dass aus rein ökonomischen Gründen in einem Parkschutzgebiet wie der Marillenalm ein derart großes Gebäude errichtet werde, "hört es sich mit der Gemütlichkeit auf", findet der ehemalige Stadtbedienstete und bekennende Sozialdemokrat.

ÖVP lehnt Bürgerbefragung ab

Die Meidlinger SPÖ hat den roten Gemeinderäten aus ihrem Bezirk zwar nahegelegt, für eine Anrainerbefragung zu stimmen - schließlich haben SP und VP auf Bezirksebene auch ein Papier zum Grundstückstausch ausgearbeitet, in dem die Befragung als "geboten" bezeichnet wird. Der blaue Antrag auf Anrainerbefragung wurde von den Roten dennoch abgelehnt.

Zwei Bürgerinitiativen 

Aus demokratischer Sicht, so der stellvertretende Bezirksvorsteher Peter Kovar (SP), sei ja auch nichts dagegen zu sagen, dass sich die schwarze Akademie vergrößern wolle. Bezüglich der Bedingungen für die Umsetzung dieses Ansinnens werde weiter diskutiert, auch mit den beiden Bürgerinitiativen, die sich inzwischen gebildet haben. (Martina Stemmer, DER STANDARD Printausgabe 21/22.12.2009)

Share if you care.