Erstaufnahmezentrum

Angewandter Fekterismus

Wolfgang Weisgram , 20. Dezember 2009, 20:05

Was Maria Fekter hier mithilfe des ÖVP-Bürgermeisters von Eberau vorgeführt hat, ist im Grunde nichts anderes als eine einzige - 'tschuldigung schon - Verarschung

Vielleicht liegt es ja wirklich nur an der zeitlichen Nähe, dass einem am Wochenende immer Uwe Scheuch eingefallen ist, wenn Maria Fekter geredet hat. Andererseits war es naheliegend, sich zu dem Sager der schwarzen Innenministerin - "Wir waren schneller als die Verhinderer" - das Scheuch'sche Feixen nach der Notverstaatlichung der Kärntner Hypo Alpe Adria dazuzudenken. Denn was Maria Fekter hier mithilfe des dörfleresken ÖVP-Bürgermeisters von Eberau vorgeführt hat, ist im Grunde nichts anderes als eine einzige - 'tschuldigung schon - Verarschung.

Nein, nichts spricht gegen ein Asylzentrum im Südburgenland. Und ja, ein solches "drittes Traiskirchen" kann sehr wohl als auch ökonomischer Impuls im vernachlässigten Stremtal aufgefasst werden. Aber den 1000 Einwohnern von Eberau ungefragt ein Lager mit 300 Insassen hinzuknallen unter der Vorspiegelung, hier Wohnraum schaffen zu wollen, ist schlicht jenseitig. Und zwar nicht im theologischen, sondern im handfest demokratiepolitischen Sinn.

Dass der - von seinen Bürgern direkt gewählte - Bürgermeister von Eberau, Walter Strobl, sagen kann, die Innenministerin - ein Exekutivorgan - habe in dieser Causa halt "Stillschweigen angeordnet", muss doch alle Alarmglocken der Gewaltenteilung läuten lassen. Im Vergleich dazu ist der Umstand, dass am Freitagabend zeitgleich mit dem Eberauer Gemeinderat immerhin die Kronen Zeitung informiert wurde, bloß ein Ärgernis.

Dass es grundsätzlich auch anders gehen würde, zeigte die sonntägige Volksbefragung im steirischen Vordernberg, wo bei guter Wahlbeteiligung 70 Prozent für die Errichtung eines Schubhaftzentrums stimmten - nach längerer öffentlicher Debatte.

Im Fall des Erstaufnahmezentrums Süd für Flüchtlinge war die Sache insofern anders, als die dafür infrage kommenden Bundesländer quasi wie rohe Eier sind. Kärnten drohte offen mit Krieg. Die Steiermark wählt im nächsten Jahr, dort rechnet sich die ÖVP eine Wiedereroberung des Landesthrons aus. Im Burgenland, das am 2. Mai 2010 wählt, wäre ein solches Ansinnen wohl vermessen.

Also wirft die ÖVP-Innenministerin - in einer Art angewandtem Fekterismus - das heikle Thema Flüchtlinge in den pannonischen Wahlkampf, der jetzt ein zusätzliches Thema hat: die "Asylanten". Und vor diesem Thema muss sich jeder, der noch einen Funken Anstand hat im Leib, wirklich fürchten. Die jüngsten Wortmeldungen waren bloß ein Vorgeschmack. Das kommt noch gröber. Und das hat sich weder das Burgenland noch ganz Österreich wirklich verdient. (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD Printausgabe 21/22.12.2009)

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Frodo10
00
23.12.2009, 08:23
´tschuldigen schon, aber die sache ist viel mehr so zu sehen:

http://www.andreas-unterberger.at/2009/12/n... blik-mehr/

hexe caracas
00
22.12.2009, 21:07
angesichts des Schengen Raumes

müsste Österreich gar keine "Erstaufnahmezentren"
bauen - zuständig sind die EU-Außenländer (Rumänien, Ungarn, Slowakei, Polen, Griechenland, Italien,Spanien, Malta usw.)
wenn abgestimmt wird, ist die Sache klar - nicht nur im Burgenland - also wozu die ganze Mühe und Streit...

Cuchullain
01
22.12.2009, 09:21
@ Hr. Weisgram:

1. Diese Fektersche Provokation zielte eindeutig auf die SPÖ ab, um nach deren schwammigen Reaktion erneut "Es reicht!" zu rufen und Österreich in einer Koalition mit den FPlern endgültig in den Abgrund zu reissen!

2. Wenn Kärnten Österreich "den Krieg erklärt" kann sie den gerne haben: Keinen einzigen € nach Kärnten, wann werden wir sehen, was in Kärnten los sein wird!

Walles
01
21.12.2009, 17:52

Im Fall des Erstaufnahmezentrums Süd für Flüchtlinge war die Sache insofern anders, als die dafür infrage kommenden Bundesländer quasi wie rohe Eier sind?
Quatsch, in Frage kommen die gleichen Bundesländer.
Die Sache ist insofern anders, dass die Bevölkerung bei einem Erstaufnahmezentrum mit den Asylwerbern in Kontakt kommt, bei einem Schubhaftzentrum nicht.

Es muss ein schwerer Schock für Brickner&co. sein, dass ein Schubhaftzentrum von der Bevölkerung mit breiter Zustimmung angenommen wird, während ein offenes Flüchtingslager so viel Unbehagen auslöst.

-_-
12
21.12.2009, 17:36
als Oberösterreicher schäme ich mich für Frau Fekter

sie ist an Inkompetenz und Unfähigkeit nicht zu überbieten, abgesehen von den Dörflers, Scheuchs & Dobernigs in diesem Land....

Vater von Lisa
10
21.12.2009, 17:16
Konsenspoitik vs. Pragmatismus

Ein Minister hat die Aufgabe im Interesse der Allgemeinheit staatliche Funktionen auszuüben - dafür wurde er gewählt und dafür wird er bezahlt.
Es ist jetzt eine Streitfrage ob jede Entscheidung eines Ministers zwangsläufig einen breiten Konsens finden muss oder nicht. Natürlich, wenn ich eine "everybody's darling"-Politik machen, dass mache ich nichts falsch - aber es geht auch wenig weiter. Wenn ich hingegen im Rahmen meiner Macht bestimmte Entscheidungen eigenständig durchsetze, dann kann es vielleicht hi und da Widerstände geben, aber insgesamt geht allers viel schneller und effizienter. Ich habe nichts dagegen wenn sein Minister verantwortungsvoll mit seiner Macht umgeht. Den Rahmen dafür muss jeder Minister selbst bestimmen.

Cuchullain
00
22.12.2009, 13:38
"... Den Rahmen dafür muss jeder Minister selbst bestimmen."

Den Entscheidungsrahmen kann nur die Verfassung liefern !!!!
Oder ist die ÖVP mit den Nationalen schon eine Koalition eingegangen?

pefra
00
23.12.2009, 07:02
Nach dem Motto : Uns gehört Österreich

Erst recht, wenn wir "christlichen" mit den Scheuchbrüdern zusammengehen

naihoit
01
21.12.2009, 17:46
Wenn die Frau Fekter durchsetzt,

daß erst einmal alle Bdl. ihrer Aufnahmeverpflichtung nachkommen, dann dafür sorgt, daß die Asylverfahren in einem vertretbaren Zeitraum abgeschlossen sind und dann noch immer zusätzlichen Raum braucht, dann sollte sie das auch duchsetzen (und nicht tricksen) können.
Die o.a. Reihenfolge ist aber Pflicht.

Nono
10
21.12.2009, 17:13
Was wollen wir denn, ...

wer eine Schottergrube führen kann, kann doch auch staatstragend agieren.

Dilbert
00
21.12.2009, 16:03

Mit der ÖVP ist kein Staat zu machen.

Alekto
01
21.12.2009, 14:45
Regierungsschleimschlachtdiktatur

Da es in der Politik nur mehr um Wählerstimmen, und nicht mehr um Überzeugungen, Ideale und Zukunftsvisionen geht, ist der Grundgedanke der Demokratie schon längst tot.

thomasthomasthomas
00
21.12.2009, 14:24
"Dass der - [...] direkt gewählte - Bürgermeister [...] sagen kann, die Innenministerin - ein Exekutivorgan - habe in dieser Causa halt "Stillschweigen angeordnet", muss doch alle Alarmglocken der Gewaltenteilung läuten lassen."

Daß der Bürgermeister direkt gewählt wurde, ändert nichts daran, daß er (nicht anders als ein Bundesminister) ein Organ der Vollziehung (in Journalistendiktion "Exekutivorgan") ist. Es ist daher nicht ganz klar, welche Gewalten der "Standard" hier getrennt wissen möchte ...

europa fassen
04
21.12.2009, 15:56
Gemeint ist,

dass der Bund keine Weisungsbefugnis für Organe der Länder und Gemeinden hat.
Einzige Ausnahme: Mittelbare Bundesverwaltung (ein paar wenige Themen) und die geht über den Landeshauptmann.

thomasthomasthomas
00
22.12.2009, 18:54
Abgesehen davon, daß Ihre Ausführungen in ihrer Allgemeinheit nicht ganz richtig sind (zB ist die Weisungsbindung des Bürgermeisters in Angelegenheiten des übertragenen Wirkungsbereichs, soweit diese aus dem Vollzugsbereich des Bundes stammen, in

Art 119 Abs 2 B-VG ausdrücklich angeordnet; und die mittelbare Bundesverwaltung beschränkt sich keineswegs auf "ein paar wenige Themen", sie ist vielmehr der Regelfall der Bundesvollziehung, vgl. Art 102 B-VG) - im vorliegenden Fall besteht natürlich keine Weisungsbindung.

Worauf ich hinauswollte, war aber etwas anderes: Ein Journalist sollte doch bitte nur dann verfassungsrechtliche Prinzipien beschwören, wenn er überhaupt weiß, was deren Inhalt ist (Herr Weisgram verwechselt offenbar die Gewaltentrennung mit dem Grundsatz der Trennung der Vollzugsbereiche). Daß Sie als Leser es übernehmen, zu erläutern, was der Journalist vermutlich gemeint ist - das ist ein nettes Service Ihrerseits, aber es sollte eigentlich nicht notwendig sein :-)

NegR h.c.
01
21.12.2009, 15:50

Da ein Bürgermeister kein Organ der mittelbaren Bundesverwaltung ist, hat er von einer Ministerin keine dienstlichen Weisungen anzunehmen, wenn er sich nicht dem Verdacht des Amtsmissbrauchs aussetzen will.

brummbaer
18
21.12.2009, 13:15

eine ministerin, die solcherart mit demokratischen regeln bricht, ist nicht tragbar. das sollte man bundespolitisch abhandeln.

Zivilgeselle
01
21.12.2009, 16:11
Untragbarer Charm

Die fektersche Charmeoffensive soll der FPÖ Angst und Bange machen.
Zusätzlich verscheucht die Innenministerin mit Gezänk und Schnapsideen die letzten christlichen und humanistische Wähler.

Besonders demokratisch und rechtskonform scheint sie auch nicht zu "agieren", wenn unsere Mizzi andere Entscheidungsträger dazu anhält, in Geheimverfahren überregional "wirkende" Anhaltelager in die Landschaft zu diktieren.

Aber da sie so brav ein paar Ausschüsse abdrehen half, war sie fürs Innenministerium "qualifiziert". Vertuschen und keifende Dementis sind die Wunderwaffen unserer Wolfäugin.

Michael Holzermayr2
12
21.12.2009, 12:18
Was hacken alle Berufs-Linken auf einem Bürgermeister herum?

Jedem Bürgermeister in Österreich gehört die
Baubehörde 1. Instanz entzogen.
Begründung:
1. Inkompetenz
2. Schieberei

oyooful
10
21.12.2009, 12:05

Ein Asylzentrum im Niemandsland, da freuen sich die Asylwerber (zum Glück ist Wien in diesem Fall nicht so weit entfernt)...

NegR h.c.
00
21.12.2009, 15:51

"Nicht weit" ist in diesem Fall weiter als von Wien nach Salzburg (sowohl mit dem Auto als auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln). ^^

van.der.stiege
11
21.12.2009, 11:59
ich verstehs nicht.

angeblich werden ja die asylanträge und positiv genehmigten von jahr zu jahr weniger.

warum dann jetzt was baun was in 2 bis 3 jahren fertig ist?? einfach diesen trend fortsetzen und schneller die anträge abarbeiten.... dann erledigt sich dieses "problem" von selbst :-)

Seria
30
21.12.2009, 11:51

trotzdem hat die Ministerin das Richtige getan:
- ein Problem gelöst.
Die Anderen sollten so schnell wie möglich auf den Wagen springen, es sei denn man will Strache Politik führen. Das wäre natürlich traurig für Österreich

naihoit
00
21.12.2009, 17:49
Sie hat ein Problem geschaffen,

soviel ist sicher.
Gelöst hat sie auch eines ? Welches denn ???

Erimias Doolittle
01
21.12.2009, 11:38
nur dummheit oder kalkül ?

ist die frau fekter wirklich so dumm wie sie sich benimmt, oder hat sie aber mit dem aufschrei gerechnet und kann nun zeigen, wie 'schlecht' sich die burgenländische spö verhält.

die werden ja nun alles tun um das asylantenlager zu verhindern. und fekter hat wieder einen grund mehr die zuwanderung zu verschärfen. diesmal aus platzgründen.

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