Nowotny verteidigt Bankprüfer

20. Dezember 2009, 19:33
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OeNB-Gouverneur: "Hypo-Daten waren unvollständig"

Wien/Klagenfurt - OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny verteidigt in einem "profil"-Interview neuerlich die Arbeit seiner Bankenaufseher bei der notverstaatlichen Hypo Alpe Adria. "Die Daten waren unvollständig. Wir haben nachgehakt und das hat dann zu einer Revision geführt," erklärte Nowotny, warum die Prüfer noch vor einem Jahr die Hypo als "nicht notleidend" eingestuft und sogar einen Gewinn von 225 Mio. Euro für 2009 prognostiziert hatten.

Ende 2008 habe es sich um keine umfassende Prüfung der Bank, sondern eine Stellungnahme im Auftrag der Bundesregierung im Zusammenhang mit der Bewilligung der EU für die staatliche Kapitalspritze an die Hypo gehandelt. Die Einschätzung der Lage einer Bank könne nur aufgrund der "vorliegenden Unterlagen" erfolgen: "Aber die konkrete Wirtschaftsprüfung können wir nicht leisten."

"Brenzlige Situation nach der Lehman-Pleite"

Dass sich der Verlust der Hypo Alpe Adria nun als höher herausgestellt hat, als damals bekannt, sei "genau das Ergebnis der Untersuchung, die wir damals veranlasst haben". Kritik, wonach die Kärntner Bank ein Jahr zu spät verstaatlicht worden sei, ließ Nowotny nicht gelten: "Man darf nicht vergessen, wie brenzlig die damalige Situation kurz nach der Lehman-Pleite war. Vermutlich wäre es uns damals auch nicht billiger kommen als heute."

Laut dem "profil"-Bericht operierte die Hypo Alpe Adria bereits unter dem langjährigen Vorstandschef Wolfgang Kulterer - er musste im September 2006 nach dem Skandal um die Swap-Verluste abdanken - mit behübschten Zahlen. Im Jänner 2007, also wenige Wochen nach dem Einstieg der Investorengruppe Berlin und wenige Monate vor dem Verkauf an die Bayern, seien interne Planrechnungen vorgelegen, die dem Geldhaus eine überaus prosperierende Zukunft verhießen, schreibt das Nachrichtenmagazin.

Berlin rechnete mit Gewinn für 2009

Demnach hätte die Bank 2009 einen Gewinn vor Steuern von 459 Mio. Euro machen sollen, 2010 gar 541 Mio. Euro, obwohl die Geschäfte am Balkan schon damals nicht kalkulierbare Risiken in sich geborgen hätten - unabhängig von der Finanz- und Wirtschaftskrise. "Die Risiken, die jetzt schlagend werden, wurden lange von dem hohen Wirtschaftswachstum am Balkan überdeckt. Alles, was jetzt an Belastungen im Kredit- und Leasinggeschäft auftaucht, wurde vor 2007 eingegangen", wird Harald Ettl, Vorstand der Finanzmarktaufsicht zitiert.

Nach profil zugespielten internen Dokumenten soll der Kurzzeit-Investor und Ex-Vorstand Tilo Berlin noch im März dieses Jahres, also einen Monat vor seinem Abgang, für das Gesamtjahr 2009 einen Gewinn vor Steuern in Höhe von 44,4 Mio. Euro für 2009 budgetiert haben, für 2010 sogar 207 Mio. Euro. (APA)

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