Diskussion um Koralm-Aufschub

20. Dezember 2009, 19:25
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Vorschlag des ÖVP-Verkehrssprechers Maier stößt durchwegs auf Ablehnung

ÖVP-Verkehrssprecher Ferry Maier hatte am Wochenende vorgeschlagen, den Bau des umstrittenen Koralm-Tunnels auf der Südstrecke zwischen Graz und Klagenfurt um 40 Jahre zu aufzuschieben. "Nach dem Finanzdebakel in Kärnten und der Wirtschaftskrise sollte man nachdenken, ob Zusagen, die zuvor gemacht wurden, noch zeitgemäß sind", wurde Maier im "Kurier" zitiert.

Seiner Meinung nach werde der Koralm-Tunnel derzeit nicht benötigt. Zuvor müssten nämlich erst die Häfen am Mittelmeer entwickelt werden, um ausreichend Frachtaufkommen auf der Koralmstrecke zu haben. Ansonsten würde man nur für "Geisterzüge" bauen.

Bures erteilt der Idee eine Absage

Mit dem Vorstoß ist Maier allerdings sowohl in der steirischen Landespolitik als auch bei Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ) auf Ablehnung gestoßen. Die Verkehrsministerin stehe hinter dem Projekt, hieß es: "Die Südbahn ist ein wichtiger Teil des großen Ausbauprogramms der umweltfreundlichen Schiene. Und gerade bei langfristigen Investitionen sind Kontinuität und Verlässlichkeit entscheidend."

SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter ersuchte die ÖVP sogar "dringend, den völlig entgleisten Herrn Maier zur Räson zu bringen". Sowohl der Koralm- als auch der Semmeringbasistunnel würden gebaut werden, diese stehe fest, so Kräuter. "Der Umstand, dass Kärnten von einer orange-blau-schwarzen Chaotentruppe regiert wird, bedeutet nicht, dass Weichenstellungen für den Wohlstand künftiger Generationen verabsäumt werden. Industrie, Wirtschaft und Wachstum werden auch in Zukunft entlang von Verkehrswegen konzentriert sein, eine leistungsfähige Nord-Süd-Schienenverbindung für Güter und Personen ist daher ein entscheidendes Zukunftsprojekt für die Republik Österreich."

"Nicht akzeptabel"

Auch Maiers Parteikollegin, die steirische Verkehrslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder, meinte, die Idee sei "nicht akzeptabel", und sie stehe hinter dem Projekt. "Eine Verzögerung des Koralmbauprojektes um 40 Jahre ist unter keinen Umständen akzeptabel. Gerade Infrastrukturprojekte sind keine Prestigeprojekte, die man von heute auf morgen einfach absagen kann", entgegnete sie.

Verträge seien einzuhalten, daher gehe sie davon aus, dass die Kärntner Landesregierung ihren Teil als Vertragspartner erfüllt. Man würde nicht hinnehmen, dass ein hausgemachtes Bankendebakel das Projekt gefährdet.

Ein klares "Nein" zur Verschiebung kam auch vom steirischen BZÖ-Chef Gerald Grosz. Er sei entsetzt, dass die einstige Vereinbarung des verstorbenen Landeshauptmanns Jörg Haider und der ehemaligen steirischen Landeshauptfrau Waltraud Klasnic "mir nix, dir nix" beerdigt werden soll. (red)

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    Koralm-Tunnelbau stoppen? Ja, sagt der VP-Abgeordnete Ferry Maier.

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