Scotland Yard warnt die City: "Bombay kommt nach London"

20. Dezember 2009, 19:12
55 Postings

Angriff von Selbstmordattentätern befürchtet

Zuletzt fühlte sich das Londoner Finanzzentrum City vor allem durch höhere Steuern und neue Regeln für Kasino-Banker belästigt. Jetzt hat Scotland Yard eindringlich darauf hingewiesen, dass die Finanzjongleure an der Themse einer wesentlich existenzielleren Bedrohung ausgesetzt sind: Die Antiterrorspezialisten der Londoner Polizei fürchten eine Attacke entschlossener Selbstmordattentäter wie vor gut einem Jahr in der indischen Millionenstadt Mumbai, dem früheren Bombay. Dort hatten zehn Terroristen binnen weniger Stunden 170 Menschen erschossen und mehr als 300 verletzt.

Ein hoher Yard-Beamter warnte vor kurzem eine Versammlung von Sicherheitsbeauftragten führender Finanzunternehmen: "Bombay kommt nach London." Die angsteinflößende Prognose stützt sich offenbar auf Geheimdienst-Erkenntnisse, wonach islamistische Extremisten eine Attacke à la Mumbai auch für europäische Städte in Erwägung ziehen.

Spätestens seit dem Massenmord vom Juli 2005, als vier Terroristen in der U-Bahn und einem Doppeldecker-Bus 52 Menschen töteten und Hunderte verletzten, gilt London als eines der wichtigsten Ziele von Al-Kaida-Zellen. Sowohl die City selbst als auch das neue Finanzzentrum Canary Wharf liegen direkt an der Themse, eine Terrorzelle könnte also wie in Mumbai ein Schnellboot als Transportmittel wählen.

Gegen die traditionellere Bedrohung durch Bombenleger der irisch-katholischen IRA wurde die City schon vor 15 Jahren mit einem sogenannten Ring aus Stahl versehen, also Fahrbahnverengungen und Polizeikontrollen, die bei konkreten Verdachtsmomenten jederzeit die Zufahrtsstraßen zum Finanzviertel abriegeln können. (Sebastian Borger aus London/DER STANDARD, Printausgabe, 21.12.2009)

 

Share if you care.