Lesen kann Ihre Gesundheit fördern

20. Dezember 2009, 19:16
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Was ist gesund? Bin ich krank? Und überhaupt: Wie funktioniert der Körper eigentlich? Mit zunehmendem Alter werden Systemschwächen schlagend, und spätestens dann ist Gesundheit ein Thema. Die Standard-Redaktion präsentiert eine Auswahl medizinischer Ratgeber

Körperfunktionen begreifen

Bei einem Arztgespräch sind es die harten Fakten, die zählen. Allein: Die Wissenskluft zwischen Medizinern und Patienten ist oft so riesig, dass der Wissentransfer nicht klappt. Das MSD Handbuch Gesundheit will hier eine Brücke schlagen. Ursprünglich als Nachschlagewerk für Ärzte konzipiert, wurde es für eine breite Leserschaft adaptiert. Auf 1514 Seiten wird jede Krankheit übersichtlich samt anatomischen Skizzen beschrieben, werden Diagnosen und Therapieoptionen aufgezeigt - ein Beweis, das ein Buch besser als die Infoflut im Internet ist. (pok)
Robert Berkow: MSD Manual. Handbuch Gesundheit. Goldmann 2004

Medizinische Anekdoten

Gesundheit ist flüchtig und schwer greifbar wie Glück und Liebe, und wer zweifelt, ob er glücklich verliebt oder gesund ist, ist es vielleicht schon nicht mehr. Der Wissenschaftsredakteur der Süddeutschen Zeitung, Werner Bartens, hat Fragen von Menschen gesammelt, die sich irgendwie unwohl fühlten. Wehes Knie? Ist mein Arzt gut? Gesund durch Wein? Bartens, selbst Mediziner, beantwortet sie wohlwollend mit viel Wissen und einer wunderbaren Portion Ironie, die an der medizinischen Ratgeberfront rar ist. Lachen ist bekanntlich auch Medizin. (pok)

Werner Bartens: Medizin & Wahnsinn. Droemer 2009

Expedition in die Tiefe

Krankheit ist Kränkung, und Krebs ist einer der größten Störfälle im Leben, so auch für den ehemaligen Spiegel-Journalisten Jürgen Leinemann, der eines Tages mit der Diagnose Zungengrundkrebs konfrontiert ist. Er beschreibt schonungslos, wie sein Leben dann weitergeht: Schmerzen, Therapie, Verzweiflung. "Mal hab ich mich bestraft gefühlt, bin in Selbstmitleid versackt. Mal hab ich gedacht: Hast es nicht besser verdient, warst ein eingebildeter Pinsel." Was die Lektüre bringt? Am Ende schreibt er wortgewaltig und mitreißend über sein Leben. (pok)

Jürgen Leinemann: Das Leben ist der Ernstfall. Hoffmann und Campe 2009

Gegen Diät, für Lebensmittel

Die Kürzestfassung seines Buches stellt der Wissenschaftsautor Michael Pollan an den Anfang: "Essen Sie Lebensmittel, nicht zu viel und vorwiegend Pflanzen." Trotzdem ist Lebensmittel kein weiterer der unzähligen Ess-Ratgeber, sondern eine fundierte Kritik an Diätwahn, Agro-Industrialisierung und entsprechend denaturierter Nahrung. Unterm Strich machen wir uns damit krank. Und was auch nicht hilft, ist die fixe Idee, wir müssten das Essen in Nährstoffe zerlegen und diese ständig neu kombinieren. Vielmehr rät er zur Besinnung auf, eben: Lebensmittel. (mf)

Michael Pollan: Lebensmittel. Goldmann 2009

Hirnnahrung für alle

Die Hirnforschung ist in den letzten Jahrzehnten explodiert, und mit ihr Schritt zu halten scheint nicht mal den Experten zu gelingen. Trotzdem haben zwei von ihnen zwei Dutzend Kollegen dazu gebracht, über ihr Fachgebiet nicht nur für Eingeweihte, sondern sogar für Laien verständlich zu schreiben. Neu(ro)gierige erfahren, wie sich im Kopf Mitgefühl und Kunstverständnis entwickeln, woraus sich das Gehirn zusammensetzt, wie es sich selbst therapiert und mehr. State of the Brain Art, vergnüglich serviert. (mf)

Manfred Spitzer & Wulf Bertram (Hg.): Hirnforschung für Neu(ro)gierige. Schattauer, 2009

Alles über Sex - mit ganz viel Witz

Das US-Magazin New Yorker nannte Mary Roach "the funniest science writer in the country". Nach der Lektüre ihres jüngsten Buches mit dem lakonischen Titel Bonk (was auf Englisch so viel wie f*ck heißt) kann man sich dem Urteil nur breit grinsend anschließend. Das Buch bietet in erster Linie eine Geschichte der Sexualwissenschaft unter Berücksichtigung besonders bizarrer Experimente. Roach bietet zudem einen Überblick über Neuigkeiten aus der Orgasmusforschung und den letzten Stand der Dinge in Sachen Penisoperationen. Witziger geht's nicht! (tasch)

Mary Roach: Bonk. München, dtv 2009

Diagnose Barbie-Syndrom

Das Dilemma beginnt mit der ersten Barbie-Puppe, die zur Identifikationsfigur wird, setzt sich in Hochglanzmagazinen fort und endet in der Unzufriedenheit mit dem eigenen "echten" Körper. Mehr Busen, ein bisschen Fett weg, Lider straffen und Falten wegspritzen? Das alles, verspricht die Schönheitsindustrie, sei kein Problem. Ist es aber doch, beweisen vier Expertinnen und beleuchten diverse Methoden mit gebührend kritischem Blick. Denn es gibt viele unseriöse Angebote, und deshalb ist die Lektüre vor allem für Beauty-Junkies bewusstseinserweiternd. (pok)

Unterdorfer/Deutinger/ Richter: Wahnsinnig schön. Goldegg-Verlag 2009

Ein Hoch auf die Schulmedizin

Naturwissenschafter halten sich an alles, was messbar ist. Der Journalist Simon Singh und der Mediziner Edzard Ernst haben die Alternativmedizin ins Visier genommen, haben Studien gesammelt und sie durch statistische Evaluierung geschickt. Das ernüchternde Ergebnis: ein klares Plädoyer gegen Alternativmedizin wie Akupunktur, Homöopathie oder Heilkräuter. Ein Einwand: Nicht messbare Größen wie etwa psychische Faktoren kommen dabei zu kurz. Trotz aller Kritik ist das Buch aber ein gutes Nachschlagewerk zu diversen Methoden, über die viele sprechen und wenige Bescheid wissen. (pok)

E. Singh / E. Ernst: Gesund ohne Pillen. Hanser 2009

Aufbruch in die Prävention

Die beiden Standard-Mitarbeiter Martin Rümmele und Andreas Feiertag haben es auf die Shortlist der besten Wissenschaftsbücher des Jahres gebracht: Zukunft Gesundheit blickt hinter die Kulissen des Systems, dem zunehmend Geld fehlt. Nicht nur Gesundheitspolitiker sind aufgefordert, verkrustete Strukturen zu ändern, sondern viele Bereiche sind betroffen, wenn es darum geht, einen Beitrag zur Prävention von Krankheit zu leisten, etwa Landwirtschaft, Bildung, Verkehr oder Umwelt. Fazit: Das Buch ist ein Aufruf zu Reformen und zeigt Lösungen auf. (pok)

Martin Rümmele / Andreas Feiertag: Zukunft Gesundheit. Orac 2009

(DER STANDARD, Printausgabe, 21.12.200)

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