Bayreuth und Burkina Faso

20. Dezember 2009, 18:55
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Schlingensief über sein "Festspielhaus Afrika"

Wien - In seiner Ready-Made-Oper Mea Culpa am Akademietheater (im März 2009) hatte Christoph Schlingensief die Vision seines Projekts "Festspielhaus Afrika" bereits als Bühnenmodell präsentiert. Inzwischen ist das Vorhaben, das aus seiner Opernregiearbeit in Bayreuth entstanden ist (Parsifal, 2004 ff.), weitergewachsen. Mehr darüber gibt es im nächsten Feuilleton der Zeit zu lesen, das Schlingensief zur Gänze gestaltet.

Noch mehr aber gab es am Freitagabend im Akademietheater zu hören und zu sehen, als der an Lungenkrebs erkrankte Regisseur anstelle einer avisierten Lesung aus seinem Krankentagebuch (So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein, 2009) zu einem computergestützten Benefizabend für sein interkontinentales Opernprojekt anhob: mit Filmbeispielen aus früheren Projekten, etwa seinem ersten, aus eigener Sicht eher schiefgelaufenen Afrika-Film United Trash, über die Aktion Chance 2000 am Wolfgangsee oder die Big-Brother-Paraphrase Bitte liebt Österreich! vor der Staatsoper.

Es war ein Abend der Verausgabung, eine dreistündige Rede, in der Gedanken und Bekenntnisse eines Künstlers, eines Menschen, eines Sohnes, eines Kranken lebhaft kulminierten. In seinen Sprüngen und Querverweisen folgte dieser manische Monolog ganz dem Schlingensief'schen Gesamtkunstwerk. Alles tritt miteinander in Beziehung: Bayreuth gehört zu Burkina Faso, die Ferienfilme von Schlingensiefs Vater zu den Krebs-Röntgenbildern von heute.

Im Internet können Anteilscheine des Operndorfes gekauft werden, das ab Februar nach Entwürfen des Architekten Francis Kéré errichtet wird. Prominente Spender wie Roland Emmerich, Henning Mankell oder Herbert Grönemeyer machen es möglich. Das Gebäude soll auch Schule, Küche und Kino beherbergen. (Margarete Affenzeller/DER STANDARD, Printausgabe, 21. 12. 2009) 

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