Josef Bucher und dieTradition der Herrenbauern

20. Dezember 2009 17:35

Der "andere" Kärntner, Josef Bucher, ist ein klassischer Wirtschaftsliberaler des Mittelstandes, der in Deutschland Mitglied der FDP wäre

Der "andere" Kärntner, Josef Bucher, ist ein klassischer Wirtschaftsliberaler des Mittelstandes, der in Deutschland Mitglied der FDP wäre. Konsequenterweise ist er gegen Zwangsmitgliedschaften und für "Wahlfreiheit" . Er schätzt, wie er in der sonntägigen ORF-Pressestunde mehrmals betont, demokratische Abstimmungen. Bucher ist kein Egomane, kein Anhänger des "Führerprinzips" - dessen Dynamik ja die Spaltungen im "dritten Lager" auslöst.

Den Verlust der Kärntner Herrenmenschen um die Gebrüder Scheuch herum empfindet er deshalb als Gewinn. Das BZÖ soll eine österreichische FDP werden. Geht das?

1993 hat Heide Schmidt den bis zum Dezember 2009 letzten Versuch gestartet, im Parteienspektrum eine liberale Fraktion zu etablieren. Sie scheiterte, aber sie war und blieb für linksliberale Städter mit ihrer an Ralph Dahrendorf orientierten Verantwortungsethik eine Frau mit Charisma.

Sie verlor, weil sie politische Fehler machte und weil ihr Alexander Van der Bellen ein bis zwei Prozent der Wählerschaft abspenstig machte. Er war als Grünen-Chef eine charismatische Persönlichkeit, gleichzeitig aber eine (links)liberale Leitfigur.

Über all diese Qualitäten verfügt Bucher nicht. Er würde eine Art Grasser brauchen - ohne Neigung zum Jetset und zu riskanten Buberl-Geschäften. Peter Westenthaler ist es nicht. Er hat auch in der Politik den Habitus eines Fußballfunktionärs. Und der wortgewaltige Ewald Stadler eignet sich ebenfalls nicht. Er ist katholisch-konservativ, freiheitlich und national. Warum Bucher in der Pressestunde diese beiden und andere als Rechtsliberale verteidigte? Sowohl Waltraud Langer als auch Michael Fleischhacker haben das nicht begriffen: In Österreich war unter den Liberalen die national-liberale Richtung immer die stärkste - und schillerndste.

Jörg Haider war ihr bisher gewaltigster Vertreter - weshalb viele in der Person seiner Witwe oder seiner Schwester Ursula Haubner eine Integrationsfigur sehen. Beide tragen viele historische Devotionalien mit sich, aber sie sind für eine moderne, offensive Partei zu mütterlich und letztlich zu still.

Insgesamt keine guten Karten für ein BZÖ ohne Kärnten und ohne eine Bank, aus der man immer wieder Geld für Wahlkämpfe und Volksbegehren ziehen könnte.

Für die ÖVP machte es Sinn, einen Mittelständler wie Bucher herüberzuziehen, obwohl er das Bündesystem ablehnt. Aber koalieren? Dafür ist das BZÖ viel zu klein.

Josef Pröll hat (siehe den Fall Graf) die Brücken zur FPÖ nie abgebrochen. Dazu kommt eine erneut wachsende Neigung unter den ÖVP-Bauern: eine (unbewusste) Sympathie für das Gedankengut des "Landbundes" , der in den 20er- und 30er-Jahren in Kärnten und in der Obersteiermark führend war - als Verfechter der Scholle, als Jäger mit Leib und Seel. Ihr Kirchenverständnis liegt weit weg von jenem der Kirchenvolksbegehrer. Sie stehen loyal zu den formalen Traditionen der christlichen Kirchen - sind mitunter sogar fromm und spendenfreudig. Aber eine Reformkirche ist nicht ihre Sache.

So ist die Gemengelage im Hintergrund des Parteienspektrums. Josef Pröll kann zwar gut mit Werner Faymann, aber innerlich vielleicht besser mit den Kärntner Herrenbauern. (gerfried.sperl@derStandard.at/DER STANDARD-Printausgabe, 21. Dezember 2009)

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Posting 1 bis 25 von 55
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rawlsianer
21.12.2009 18:26
Liberalismus lernen!

Alexander Van der Bellen als (links)liberale Leitfigur zu bezeichnen und ihn in einen Topf mit der faszinierenden liberalen Vorkämpferin Heide Schmidt zu werfen, zeigt, welch - Verzeihung - wirres Liberalismus-Verständnis Herr Sperl hat. Ein diffuses Verständnis, das letztlich nur ihn selbst - mit linkskatholischer ÖVP-Vergangenheit, nun Grün-Akklamierer - als Liberalen (im Sinne eines "guten Menschen") verkaufen soll. Deshalb wiederholt er es wahrscheinlich auch so oft. Richtiger wirds deshalb aber nicht.

Rudi Wieser
21.12.2009 18:17
keiner hier mag die liberalen

in Österreich sind es die konservativ Rechten die vermehrt an Stärke gewinnen.

** und das ist zum speiben :-( *

Woprschalek Jacqueline
21.12.2009 18:04

besser freibauer als gemeindebauprolo.

santamonica
21.12.2009 16:01
das bzö wird in kärnten weiter aktiv bleiben und über 15% kommen, glaube ich. der putsch ist misslungen

Dreistein
 
21.12.2009 16:09
Den Kärntnern ist so etwas tatsächlich zuzutrauen

Baer8
21.12.2009 12:39
Bei dem Kuddelmuddel an divergierenden Ansichten kennt sich kein Wähler mehr aus...

Faymann ist so damit ausgelastet seinem Herbuben Pröll auf den Kutschbock zu helfen damit er nachher als Trittbrettfahrer mitfahren darf, daß er nicht sieht was sich um ihn herum tut. Seine Felle werden gerade verteilt und er träumt noch immer von einer türkisch-österreichischen Gesellschaft.

Dreistein
 
21.12.2009 16:11
Sind Sie ganz sicher, dass sie hier nicht im falschen Film sind?

lichaot
21.12.2009 12:34
Ich finds interessant

Wer wo wäre, wenn er könnte...

Ich vermute aber, dass sich die FDP gegen Leute wehren wollte, die eine Politik von Haider, Stadler, Gaugg, Strache und Konsorten unterstützen. Und dass zumindest eine FDP diese Leute nicht als liberal dazupassend einschätzte.

Wilfred Streitenberger
21.12.2009 17:40

Ein Gaugg ist nicht beim BZÖ. Weiß nicht, was du mit dem willst.
Und Strache natürlich auch nicht.

schlitzohrlinski
21.12.2009 17:08
Da haben Sie völlg recht!

nebenerwerbsposter
21.12.2009 12:23
für die blauen revolutionsgarden

...ist der peperl pröll höchstens der knecht!

hans wurst
 
21.12.2009 11:55

Ich habe aber noch nie von Bucher etwas in der Öffentlichkeit gegen die Erzkonservativen (Dolinschek, Mainoni) oder die dum*men Rülps-Rabauken (Hojac) oder die einfach nur sinnlosen Schmarotzer (Petzner) gehört. Ach so liberal ist er ja nicht.

1116er
21.12.2009 11:34
pröll's song

mit steuerzahlers geld in der tasche
wander ich durchs ganze land.
ich sammle auf, was sich so findet,
und sei es auch der braune rand.

wenn ich auch auf retter mache,
so habe ich doch nur ein ziel:
kanzler werden mit allen mitteln.
ja ich will, ich will, ich will!

Franz Robert Ceeh
 
21.12.2009 11:16
alte kärntner Bauernregel

Wenn der Bauer aufs Pferd kommt reitet er im Galopp

Helicopterman
21.12.2009 09:23
Zumindest beim Haarschnitt

scheint Bucher sich Grasser bereits als Vorbild genommen zu haben.

her wig
21.12.2009 08:59

Der Bucher scheint halt nicht so sexy wie es andere Herrentypen tun. Von den politischen Prinzipien her aber nicht uninteressant, ich meine das mit der individuellen Wahlfreiheit, das würde diversen Institutionen nicht schaden, diversen Herrlichkeiten aber vllt. schon.

koschka
21.12.2009 08:33
KLar kann Pröll mit den Braunen in Kärnten.

Die braucht er doch als Mehrheitsbeschaffer und deshalb hat er schon mal was in die Freundschaft investiert: Das Geld der Östrerreicher, wenn er den Chaoten in Kärnten den Offenbarungseid ersparte und ein dümmelnder Dörfler anschließend ganz Österreich auf seine kümerlichen Ärmchen nahm und alle auslachte in dem er sagt, dass Kärnten gnügend Geld versteckt hielte. Pröll hat die hirnlosen Braunen einfach davonkommen lassen, damit die, und das wußte Pröll, sich mit dne Blau/Braunen ins Bettchen legen konnten und er irgendwan sich dazu legen darf um Kanzler zu werden. Ganz nebenbei hat er die HypoAA sturmreif für die Übernahme gemacht, wo also Konrad bald zuschlagen wird. Nicht vergessen: Österreichs Steuerzahler zahlen alles mit vielen Mrd..

Helicopterman
21.12.2009 07:41
Die derzeitige österreichische Parteienlandschaft

ist ein trauriges Spiegelbild unserer Gesellschaft: Eine rechtsextreme Partei mit einem Wählerpotenzial von 30+ Prozent, eine stockkonservative Dollfußverehrende Bauern- und Unternehmerklientelpartei, eine Sozialdemokratie, die sich schon jahrelang ohne Aussicht auf Erwachen im politischen Tiefschlaf befindet und Grüne, die sich bevorzugt mit sich selbst beschäftigen. Angesichts der deswegen zu erwartenden Zukunft für unser Land kann man als halbwegs intelligenter Bürger nur noch auswandern oder sich in seinem Schrebergarten verschanzen!

Artefix
21.12.2009 11:43
Bei der ÖVP bitte nicht vergessen

auch traditionsstarke Beamten- und Lehrerpartei.
Leute mit prekären Einkommen und kleine Freiberufler sind beiden Großparteien als Klientel wurst.

Helicopterman
21.12.2009 12:42
Wobei ich die Lehrer und sonstigen öffentlich Bediensteten

nicht wie viele hier als persönliches Feindbild betrachte sondern es ihnen gönne, dass sie noch einen halbwegs anständigen Dienstgeber haben. Das würde ich mir auch für die Privatwirtschaft, wo die geringbezahlten Ausbeuterjobs immer mehr werden, wünschen.

schlitzohrlinski
21.12.2009 17:14
ÖVP auf jeden Fall ist sie eine Partei für


- die Beamten generell, also egal ob Lehrer oder nicht, ohne die geht in der ÖVP gar nix, also ohne Neugebauer's Zustimmung geht nix, da hat selbst Schüssel auf Beton gebissen

- die Untenehmer: Hier muss man schon differenzieren, da kann man sagen, dass seit Schüssel die IV an Einfluss gewonnen hat und die WK an Einfluss verloren hat

- wobei die IV sicher eine vernachlässigbare Größe gegenüber dem Raiffeisen Konglomerat ist!

- die Raika hatte unter Schüssel sicher weniger Einfluss und massiv durch Josef Pröll als Parteichef gewonnen.

- ansonsten ist sie gesellschaftspolitisch streng wertekonservativ.

- und wenn es um die eigenen Besitzstände geht reformresistent

wie auch die SPÖ es bei ihren ist.

Marcus Octavio
 
21.12.2009 02:03
wie schnell man doch vergisst.

herr bucher hatte so gar nichts gegen den führerkult rund um haider, dem er folgte.
jetzt wo es gegen "schlimme" buben geht, wird das nur all zu gerne vergessen.

Wieviel Demokratie ist es bitte?
20.12.2009 23:03
Im Grunde sind das doch alle taube Nüsse

von gestern, die allesamt unfähig sind mit der größer formatierten Welt von heute zurechtzukommen und eine Ansammlung Gebäuden und Infrastrukturen für Bürger zu verwalten, ohne ihre total inadäquaten Ideologien in alles und jedes zu kippen und den Leuten erklären zu wollen, wie sie zu leben haben.

Parteien bilden sich viel zu viel ein und das Meiste geht sie nichts an!

Bzw.: alles was sie etwas angehen könnte, ist ihnen längst entglitten, weil sie eben als Gestrige mit Heutigem nicht zurechtkommen und als Heutige, nicht mit Morgigem.

Die sollen sich um die Logistik kümmern wenn sie regieren, kein Geld verschwenden und darum, daß etwas gebaut und administriert wird, wenn etwas fehlt.

Um rechts/links geht es global *nicht mehr*!

vito don´s schwester
21.12.2009 09:44
einspruch

um rechts/links wird es immer gehen, solange das paradies nicht auf erden einzieht. egal wie sie es nennen, aber die frage wer wieviel und mit welchem recht vom großen kuchen bekommt wird immer die wichtigste frage auf diesem planeten bleiben. man muss nur links/rechts neu definieren oder anders benennen.

moshe dayan
20.12.2009 22:28
der landbund...

...hatte zwar viele gläubige mitglieder und vorgängerorganisationen führten das wort "christlich" im titel aber politisch war er immer strikt antiklerikal.

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