Regierung gibt systematische Kontrolle von DDR-Post zu

20. Dezember 2009 17:04

Verordnung war sogar bis zum 31. Dezember 1991 formal in Kraft

Berlin - Die deutsche Bundesregierung hat zugegeben, dass bis 1990 Post aus der DDR von westdeutschen Behörden kontrolliert worden ist. In einer dem "Tagesspiegel" (Montagsaugabe) vorliegenden Regierungsantwort auf eine Kleine Anfrage der Linkspolitikerin Petra Pau heißt es, verantwortlich dafür seien nach der sogenannten Interzonenüberwachungsverordnung vom 9. Juli 1951 die Zollbehörden gewesen.

Die Deutsche Post der DDR musste demnach alle Poststücke entsprechend "vorführen", wenn sie "dem Anschein nach Waren enthielten", schreibt die Zeitung unter Bezug auf die Regierungsantwort. Finanz-Staatssekretär Hartmut Koschyk (CDU) schrieb laut Bericht an Pau: "Es ist davon auszugehen, dass Postsendungen aus der DDR in die Bundesrepublik Deutschland bis zur Wiedervereinigung am 3. Oktober kontrolliert wurden." Formal gültig war die Verordnung laut Bundesregierung sogar bis zum 31. Dezember 1991.

Pau sagte dem "Tagesspiegel", sie sei "fassungslos, dass es für diese Überwachung noch nicht einmal ein Gesetz gab, sondern dass auf Grund einer Verordnung so weitreichende Eingriffe in das Postgeheimnis vorgenommen worden sind". Sie kritisierte, dass die Bundesregierung nicht in der Lage sei, Auskunft zur Zahl der Betroffenen zu geben, deren Sendungen geöffnet oder gar beschlagnahmt wurden.

Die Regierung rechtfertigt sich dem Bericht zufolge, die Vorgänge lägen zu lange zurück, um Fragen nach der Zahl der Betroffenen, der Häufigkeit der Kontrollen sowie zur Zahl der beschlagnahmten und geöffneten Sendungen zu beantworten. "Dienststellen, bei denen entsprechende Aufzeichnungen möglicherweise geführt wurden", seien aufgelöst worden. (APA)

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milo66
23.12.2009 20:28

Vermutlich hat der Zoll nur kontrolliert, was die Ossis den Wessis so an Konsumgütern und Freßpaketen in die unterentwickelte BRD geschickt haben... ;)

Aber ernsthaft: Was ich nicht kapiere - wieso sollte der Zoll das Recht haben, innerdeutsche Briefe oder Pakete zu öffnen? Noch dazu im Jahr 1991, wo die Vereinigung praktisch vollzogen war? Was wollen die denn da kontrolliert haben, und warum? Das ist zwar ohne gesetzliche Regelung passiert, aber was steht eigentlich in der Verordnung, die da zugrunde gelegt wurde?

el dus
 
23.12.2009 19:28
Das "Waren-Argument" ist so offensichtlich eine Schutzbehauptung,

dass hier hoffentlich folgendes passierte: Über die Antwort des Kandidaten Jobses geschah allgemeines Schütteln des Kopfes ............

Provo Kant
23.12.2009 16:18
Zensur

Der Sachverhalt war so: Da schrieb einer an einen Freund in der DDR einen Brief, und zum Schluss die Bemerkung: "Ich hoffe, Du erhältst mein Schreiben, weil bei Euch in der DDR soll ja die Zensur so streng sein". Nach 6 Wochen erhielt er den Brief ungeöffnet zurück. Mit dem amtlichen Vermerk auf dem Umschlag: "Bei uns in der DDR gibt es kein Zensur!"

Fritz Wunderlich
23.12.2009 10:11

alles poststücke vorführen, wenn sie anscheinend waren enthielten - also zollkontrolle?

milo66
21.12.2009 20:13

Es ist schon ein Wahnsinn, was für ein demokratisches Bewußtsein manche hier haben - Bruch des Briefgeheimnisses als Kavaliersdelikt, KP-Verbot sowie Berufsverbote als notwendiges Mittel zur Verteidigung der Verfassung - eine Verfassung, die das nötig hat kannst eh vergessen -, Angehörige einer demokratischen Partei werden als SED-Neobolschewisten beschimpft... Vor Euch krieg ich echt das Gruseln.

Srta. Ofelia
23.12.2009 10:34

Sie haben ja auch nie unter einem "sozialistischen" Regime leiden/leben müssen !

Illuminati
02.01.2010 07:35
Bei uns leiden wir schon zulange unter Grokonelllen, trotzdem werden die das abstellen wollen, zu Nazis gestempelt.

Keiner steht vor Gericht - Justiz ist einvernehmlich grokonell.

milo66
23.12.2009 20:32

Was hat die Qualität des Lebens unter einem sozialistischen Regime damit zu tun, dass es als Kavaliersdelikt angesehen wird, wenn die Leute, die tatsächlich dort gelebt haben dann auch noch von den "Freunden" aus dem Westen ausspioniert werden?

Aber bei Ihrem nickname sollte man vermutlich keine Intelligenz voraussetzen...

Mario Rutar
21.12.2009 09:53

Wäre das Thema nicht so traurig, müßte man sich amüsieren, dass ausgerechnet die SED-Neo-Bolschewiken sich darüber beklagen...

Nick Tameer
29.12.2009 21:34
Huch, die Bolschewiken -

wie nostalgisch gruselig und aufregend altmodisch!

Speziell für Sie, dieser noch nicht ganz so alte Oldie:

http://www.youtube.com/watch?v=EsCyC1dZiN8

analustia
 
22.12.2009 07:58
Gratulation für diesen Kommentar

Gerade die Kommunisten müssen sich darüber empören! Aber trotzdem ist es schon erschreckend, dass derartiges ohn gesetzlkiche Grundlage geschehen konnte!

NIE4
21.12.2009 13:28

sie meinen frau pau?

Pierre d´Aubusson
21.12.2009 08:06
Das

sind Stasi-Methoden!
Rücktritt, Rücktritt !!

Girgl Galgenstein
21.12.2009 09:35
Erst nachdenken

dann posten. Wer soll denn von den Ministern, die vor 18 Jahren an der Regierung waren zurücktreten?

Lichtfreak
21.12.2009 07:33
Nur nicht aufregen!

Heute passiert das schon, zumindest in guten Ansätzen, vollautomatisiert elektronisch!

peace & love
21.12.2009 03:23
na sowas aber auch.


heute gang & gäbe, dank einer knieweichen regierungspartei.

eine schande.

OGHaha
21.12.2009 02:57
Der österreichische Zoll macht auch Pakete auf, ohne sich um ein Briefgeheimnis zu kümmern.

Zumindest war das in den 70er,80er,90er Jahren so, wie ich aus eigener Erfahrung weiss.
Mir war dass auch lieber so, als jedes Mal eine Vorladung zu bekommen und dort zur Öffnung antanzen zu müssen.

Ein Umgehen unter strikter Berufung auf "geheim" ist ja nicht möglich.

Ausserdem habe ich vor gar nicht so langer Zeit im TV einen Film über die Arbeit einer deutschen Zolldienststelle gesehen, da wurden die Pakete auch geöffnet ohne dies als "Besonders" zu erwähnen.

Jürgen Rembremerding
 
21.12.2009 08:31
Der Zoll durfte immer Pakete öffnen!

Da gab es sogar den Hinweis "Zoll darf öffnen"!

Wegen Schmuggel aber auch der Möglichkeit, illegale Waren zu versenden.

Jürgen Rembremerding
 
21.12.2009 02:05
Das finde ich gut!

Dann steht jetzt nachvollziehbar in den Akten, dass ich ein loyaler BRD-Bürger bin!

Ich habe auf die Ansichtskarten "von drieben" immer draufgeschrieben, was für ein Sch***land die DDR doch ist. Die Analphabeten von drieben haben es übrigens trotzdem zugestellt und mich auch immer wieder rausgelassen aus ihrem Arbeiterparadies!

Bin froh und dankbar, dass meine mutige Systemkritik von oben mitgelesen wurde!


zwanziger
28.12.2009 11:16
Das fände ich gut!!

Schade rembremerding,dass ich sie damals nicht in der DDR getroffen habe..ihnen würde ihr gesäß heute noch weht tun :-)

milo66
20.12.2009 21:33

Da sieht man mal wieder die ganze Verlogenheit der deutschen Geschichtspolitik. KPD-Mitglieder wurden jahrelang ins Gefängnis gesteckt, nur weil sie sich nicht von ihrer politischen Meinung losgesagt haben (wer's nicht glaubt: "Karl Schabrod" googeln), jetzt das - das einzig Gute an der Sache ist, dass da jetzt mal was öffentlich wird. Nicht dass ich glaube, dass sich viel ändern wird dadurch...

Girgl Galgenstein
20.12.2009 23:14
Nicht wegen seiner Meinung

sondern weil er einer verfassungsrechtlich verbotenen Partei angehörte und sich von dieser nicht lossagte. Wäre ihm nicht anders ergangen wenn er Mitglied der Sozialistischen Reichspartei gewesen wäre.

sell
20.12.2009 18:51
Frau Pau sollte sich schämen

Wahrscheinlich hat sie vergessen, dass in der DDR willkürlich das Postgeheimnis gebrochen wurde. Nicht nur Sendungen, die Waren enthielten, sondern auch Briefe wurden nicht nur geöffnet, sondern von der Stasi einkassiert, natürlich "zum Wohle des Volkes". Und Briefe waren damals das einzige Mittel, mit dem DDR-Bürger mit ihren Familien im Westen kommunizieren konnten. Telefonieren in den Westen ging nicht, bzw. Gespräche (wer ein Telefon hatte) konnten nur offiziell angemeldet werden, damit die Stasi das alles schön abhören konnte.
Aber über alles wächst Gras, Menschen vergessen gern und schnell, was ihnen nicht in den Kram passt oder ihnen unangenehm ist.

Girgl Galgenstein
21.12.2009 09:40
Werten Sie solche Vorstöße doch ganz einfach als einen Versuch der Linken die Geschichte zu revidieren

Dieser und andere Vorstöße unternehmen den Versuch die DDR im Nachhinein als einen ganz normalen Staat darzustellen, der nicht schlechter als die BRD war.

Sieh an
20.12.2009 21:23
...der springende Punkt ist, dass die BRD bis heute sich als Demokratie, Rechtsstaat und sonst was hinstellt ...

... und dabei wohl verlogener war als die von ihr verteufelte DDR... denn dort gab es wenigstens Gesetze, die die Eingriffe rechtfertigten... im Rechtsstaat BRD nicht...

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