Reportage

Eine schöne Bescherung im Audimax

20. Dezember 2009, 17:00
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    foto: pumberger

    Besetzungskooperative im Audimax: Studierende und Obdachlose protestieren gemeinsam - für unterschiedliche Ziele. Doch Weihnachten im Hörsaal ist wohl nicht geplant.

"Morgen kommt der Bildungsmann, kommt mit seinen Gaben" : Sonntagsputz, Christbäume und Stromausfall

Wien - Tag 60 im besetzten Audimax war Putztag. Sonntag ist Saubermachtag. Und so wuselten Obdachlose, die in Koexistenz mit den Studierenden das Auditorium maximum zu ihrer vorläufigen Bleibe erkoren haben, mit Putzfetzen und Besen durch den größten Hörsaal der Uni Wien, um die Spuren der Besetzungskooperative zu beseitigen. "Blitzblank" werde alles sein, sagte ein Student aus der AG Presse im Standard-Gespräch.

Das warme Mittagessen aus der Volxküche ließ zwar auf sich warten - Stromausfall -, aber ansonsten haben es sich die Besetzer durchaus heimelig gemacht. Es gibt mehrere Christbäume, und auch musikalisch weihnachtet es sehr. Aus bekannten Weihnachtsliedern werden besinnliche Protestsongs. An den Weihnachtsmann glaubt im Audimax niemand mehr, sie sehnen einen andern her, wie im Video auf unibrennt.tv zu sehen ist: "Morgen kommt der Bildungsmann/ kommt mit seinen Gaben/ Freiheit, Bildung und viel mehr/ gleiche Chancen - sozial fair/ Recht auf Bildung und noch mehr/ sind bei ihm zu haben."

Inhaltlich standen am "Queer-feministischen Wochenende" "Queere Lesarten der Hebräischen Bibel" und "Antisexistische Selbstuntersuchung" , aber auch Hausmusik mit den Obdachlosen und eine Reihe von Konzerten und DJ-Auftritten auf dem Programm.

Heute, Montag, geht es am Abend basisdemokratisch im Plenum wieder um die Causa prima: Abzug aus dem Audimax - oder nicht? Diese Frage wird jedenfalls "der wichtigste Tagesordnungspunkt sein" , sagte Georg vom AG-Presse-Team zum Standard: "Da gab es beim letzten Mal noch ziemlich viel Diskussionsbedarf."

Ob es überhaupt zu einer Abstimmung kommt, sei aber "nicht sicher" . Noch habe das Plenum keine akkordierten Forderungen an das Rektorat, nur "Vorschläge" . Ganz wichtig sei die Versorgung der Obdachlosen, aber auch "technische Fragen, wie es mit unseren Räumen ausschaut, ob wir die Bühne behalten und unsere Plakate hängenbleiben dürfen, müssen geklärt werden" , sagt Georg. Und die Form der künftigen Besetzungen - "Teilbesetzung oder Lehrveranstaltungen im Rahmen der Besetzung" - sei ebenfalls zu klären.

An der Universität Graz gibt es keinen Klärungsbedarf mehr. Besetzer und Rektorat erzielten (wie schon an der Uni Salzburg und an der Uni Innsbruck) eine Einigung über die Rückwidmung der zweckentfremdeten Hörsäle. Der besetzte Hörsaaltrakt ABC wird während der Weihnachtsferien freigegeben, die Studierenden übersiedeln in Ersatzräume, kehren am 7. Jänner aber zurück in den Hörsaal B. Hörsaal A wird dann nur noch an vier Tagen der Woche abends für Versammlungen genutzt. Denn: Der Protest geht weiter. (Lisa Nimmervoll/DER STANDARD-Printausgabe, 21. Dezember 2009)

Kommentar posten
22 Postings
Karin Hügel
00
21.12.2009, 14:42
Queere Lesarten der Hebräischen Bibel

Der Vortrag "Queere Lesarten der Hebräischen Bibel" entstand ausgehend von meiner Publikation Homoerotik und Hebräische Bibel, ca. 597 S.,
ISBN 978-3-8366-7213-9, OLP: EUR 68,00, die im Zuge meines Studiums der Evangelischen Fachtheologie an der Uni Wien geschrieben wurde.
Er wird als Artikel in der Publikation der FrauenFrühlingsUniversität 2009 oder 2010 demnächst erscheinen. Nähere Informationen dazu und meiner Person siehe
http://www.unet.univie.ac.at/~a9104666

Iris Hajicsek
Iris Hajicsek
62
21.12.2009, 02:59
Antisexistische Selbstuntersuchung Einladungstext Teil 2

Aber auch verdeckte Sexismen (Einstellungen, unbewusste Denk- und Verhaltensmuster) prägen den Umgang miteinander: ihnen auf die Spur zu kommen ist das Ziel der antisexistischen Selbstuntersuchung in diesem Workshop. Nicht primär im Sinne einer theoretischen Reflexion, sondern im Sinne des Spürens und Bewusstmachens der eigenen Wahrnehmungsgewohnheiten und Ausgrenzungsmechanismen, das erst die Grundlage für ihre Überwindung sein kann. Im Anschluss daran sollen auch Widerstandsstrategien und die Utopie einer sexismusfreien Welt angedacht werden.

Fritz234
05
21.12.2009, 11:27

Genau deswegen hab ich meine Unterstützung für die Besetzung schon seit langem eingestellt.

Dauernd wurde man zugetextet - Solidarität da, Antirassismus dort, Antidiskriminierung hier und Antisexismus sowieso - alles schön und gut, aber erstens kommt mir schon bei der Formulierung das Grausen und zweitens hab ich für Bildung in Österreich demonstriert.

hanslblasta
03
21.12.2009, 07:24
wahrscheinlich hilft jene Haltung,

die man ein "offenes Herz" nennt, recht schnell, mit sich und der Welt ineins zu kommen;
intellektuelle Reflexion von "gesellschaftlichen" Zuständen - die letztlich immer durch individuelle Handlungen zutage treten - kann man trefflich reflektieren - mit ungefähr dem Effekt von Klimakonferenzen;

DschiEm
00
21.12.2009, 08:47

bla bla bla.......

hanslblasta
00
21.12.2009, 21:01

sehn's, und schon hat mein Posting bei Ihnen eine - emotionale - Reaktion ausgelöst ;-)

ricko
28
21.12.2009, 04:13
Das erinnert mich an Hans Rauschers Einserkolumne vor ein paar Tagen, er bemerkte, in Lächerlichkeit endet ein zu beginn vielversprechender Studentenaufstand,

die ureigenen Interessen werden mit Lobbying der Obdachlosen kaschiert.

Ich fragte von Anfang an: was hat Feminismus oder all die anderen Sidekicks mit "Freier Bildung" zu tun? Antwort war so oft: "Es geht um mehr", aber die Realitätsverweigerer werden letztlich das 'wir haben immerhin eine Diskussion in der Öffentlichkeit gestartet' blechene Trostpflasterabzeichen als größten Erfolg werten.

Die TUbrennt ist schon zu, Chance verpasst. Man kann nur verhandeln, wenn man was anbieten kann.

Univie: 64230, TU: 15613 Studis.

Wieviele Besetzer? Wieviele in den AGs? Sympatisanten?

Ist bewusst, wieviele gegen die Fortführung dieser Farce sind, auch ehemalige Besetzer? Wieviele Männer UND Frauen bspweise wg den Femis aufhörten?

It´s over babe.

LGM
00
21.12.2009, 08:44

Ja, der Fokus auf die Bildungsprobleme wurde sehr schnell verloren, außerdemverzichtete man darauf, die Bewegung auf eine möglichst breite Basis zu stellen, in dem man sich als "links" definierte.

schmeiser
00
21.12.2009, 07:14

babe?

ricko
00
21.12.2009, 15:42

und?

Iris Hajicsek
Iris Hajicsek
32
21.12.2009, 02:59
Antisexistische Selbstuntersuchung Einladungstext Teil 1

Der Einladungstext:

Wir alle reproduzieren in mehr oder weniger großem Ausmaß gesellschaftlich
geprägte Normen und Diskriminierungsmechanismen. So wurde Sexismus auch im Rahmen der aktuellen Audimaxbesetzung zum Thema. Trotz einer grundsätzlichen Ablehnung von sexistischem Verhalten ist es immer wieder zu sexistischen Vorfällen (und zur Kritik daran) gekommen. Vielen war aber nicht klar, was mit dem Vorwurf des Sexismus eigentlich gemeint ist. Offensichtliche Beispiele sind abwertende Wortmeldungen gegenüber nicht-männlichen Redner_innen oder körperliche Übergriffe.

leonidis
01
20.12.2009, 23:10
zunehmend lächerlich

in den USI-Turnhallen sind derzeit Ersatzhörsäle untergebracht, mittendrin ein kleines Queer/Anti/Irgendwas/Schlagmichtot-Kammerl, natürlich besetzt.
Szenerie Freitag vormittag(!): betrunkene Punks krakeelen lauthals herum, werfen sich die Bierdosen zu, belästigen Studentinnen, es stinkt erbärmlich, alle Wände sind vollgeschmiert, Dreck überall, dazu dröhnt laute Discomusik, die den Unterricht in den provisorischen Hörsälen nebenan entsprechend beeinträchtigt.
Daraus resultiert ein Bild der Besetzer (hab keine Innen gesehen), das keiner braucht: Berufsdemonstranten, die die Studienbedingungen weiter verschlechtern und dabei alle Schnorrerklischees eindrucksvoll pflegen.
Demonstration ja, aber um das Wie darf man durchaus diskutieren.

teesa01
00
21.12.2009, 15:42

komisch, ich hab das alles genau gegenteilig erlebt. mittwoch abends: audimax schon um 5 sehr gut gefüllt, von dreck keine spur, alkohol und rauchverbot zumindest im hörsaal. es stinkt ganz und gar nicht, höchstens in direkter nähe der obdachlosen in der letzten reihe. das stört aber nur die spießbürger.
andre heller spricht, der saal ist gsteckt voll, die stimmung toll.

die räumung haben wir uns selber zuzuschreiben. wir hätten früher reagieren müssen. die unibrennt - bewegung wird das aber höchstens stärken.

es geht weiter! wir sind viele, und wir kommen wieder!

leonidis
00
22.12.2009, 01:30

das Audimax habe ich ohne Grund nicht beschrieben. da dort die Medien hinschauen wird natürlich darauf geachtet, dass die Sitten nicht völlig einreißen.

Das von mir beschriebene besetzte Kammerl hingegen liegt sehr versteckt im Unigelände, wo niemand zufällig vorbeikommt, der nicht wirklich dorthin will. Das sind derzeit eben die Studierenden, die in die USI-Hörsäle müssen. Für alle anderen existiert das Ding gar nicht.

Und damit das auch so bleibt hängt auf der Tür des Kammerls ein selbstgemaltes Schild: "Fotografierverbot"

Sagt m.E. ohnehin alles.

Strom
00
20.12.2009, 23:05
Nett!

byron sully
02
20.12.2009, 23:41
nett ja,

rein emotional gesehen. andererseits (rein von der vernunft-seite her): es ist von seiten der audimax-besetzerInnen ein christlich-religiöses statement und somit ist es ein signal, daß die audimax-besetzung eine christliche ist und keine religionsneutrale. das darf/sollte man ruhig hinterfragen.
ändert nichts daran, daß ich rein emotional gesehen (also die rationale seite weglassend) so was dennoch durchaus sympathisch finde.

Hauptsache dagegen
00
20.12.2009, 23:00
wat

wat

Jadzia Dax1
25
20.12.2009, 22:02

Was ist antisexistische Selbstuntersuchung?

Southwind
01
20.12.2009, 18:12
André Heller im Audimax: "Das merkt man diesem Land bitter an"

Wenn 10.000 Studenten sagen wir haben Arbeitsbedingungen die indiskutable sind...
Bedenkenswert: http://www.ustream.tv/recorded/3165110

01010110
15
20.12.2009, 18:06
Spendenkonto für "UnsereUni" Aktion?

Wenn André Heller spenden kann... wie können es andere die nicht zum Audimax kommen Können? Ihr seid toll! Danke.

morgaine11
00
21.12.2009, 09:02

Die gratis Unibrennt-Zeitung MORGEN freut sich sicher auch: morgen.dieunibrennt @ gmail.com

claschu
03
20.12.2009, 18:55
konto ist leider schwierig

aber die ag finanzierung hat sicher eine lösung für spendenwillige, mail an ag.protestfinanzierung(at)gmail.com für mehr info!
großes danke für das lob und den unterstützungswillen!! :)

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