Gefährlicher Personenstau

27. Dezember 2009, 18:00
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Es geht um Minuten, wenn verhindert werden soll, dass sich nach Großveranstaltungen bedrohlich dichte Menschenmengen aufbauen - In dieser Lage helfen neue Simulationstools

Jedes Jahr gibt es Tote, weil eine Menschenmenge in Panik gerät. Durch sogenannte Crowd Control kann man das Gehverhalten von mehreren zehntausend Personen, die sich gleichzeitig bewegen, simulieren und Events oder belebte Plätze sicherer machen. Computer berechnen, wie sich Fußgänger einem Ziel nähern, interagieren und sich um ein Hindernis bewegen. Das ähnelt der Bewegung von Elektronen: Ziele ziehen an, Hindernisse stoßen ab und Personen halten Abstand voneinander. Diese Informationen bilden die Basis, um herauszufinden wie sich Szenarien mit verschiedenen Menschendichten auf die Bewegung der Menge auswirken. Dafür brauchen vorhandene Computermodelle aber viel Zeit.

Entscheidungshilfen

Einsatzleiter bei Veranstaltungen benötigen aber kurzfristig Entscheidungshilfen. Ein Beispiel: eine dicht gedrängte Menschenmenge auf einem Bahnsteig nach einem Konzert oder Fußballspiel - und ein vollbesetzter Zug wird zusätzlich erwartet. Mit einem von Siemens neu entwickelten Modell erhält ein Lotse vor Ort drei Minuten nach der Anfrage die Information, ob sich eine lebensbedrohliche Verdichtung aufbauen kann. In diesem Fall sollte der Zug kurz zu gestoppt werden, bis der Bahnsteig leerer ist. Basis für das Modell ist mathematisch gesehen die Einteilung des Raumes in Zellen, die entweder leer oder voll sein müssen, und die Reduktion der Einflussfaktoren auf das Gehverhalten auf das Wesentliche, die für einen schlanken Algorithmus sorgt. In Zukunft soll der Simulator für die Verarbeitung von Echtzeit-Daten fit gemacht werden, die aus Kamerasystemen stammen oder mit Funktechnologie erhoben werden.

 

  • Computersimulation von Menschenströmen: bei Rot wird es eng. Mit einem neuen Tool lässt sich das Gehverhalten im Zeitraffer simulieren.
    foto: siemens

    Computersimulation von Menschenströmen: bei Rot wird es eng. Mit einem neuen Tool lässt sich das Gehverhalten im Zeitraffer simulieren.

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