Steiermark bekommt Schubhaftzentrum

20. Dezember 2009 15:32

70 Prozent stimmten in Vordernberg dafür - In Burgenland regt sich Protest gegen Erstaufnahmestelle

Innenministerin Maria Fekter (ÖVP) hat noch vor Weihnachten ihre zwei wichtigsten Bauprojekte unter Dach und Fach gebracht. Am Wochenende ging es Schlag auf Schlag. Samstag wurde bekannt, dass die dritte Erstaufnahmestelle für Asylwerber im Südburgenland, genau in Eberau errichtet wird. Den Tag darauf votierten die Bewohner der steirischen Gemeinde Vordernberg für den Bau eines Schubhaftzentrums.

Die Bürgerbefragung endete mit einem deutlichen Ergebnis. 69,9 Prozent der Vordernberger sprachen sich für den Bau aus - und das bei einer recht guten Beteiligung von 60 Prozent. Bürgermeister Walter Hubner (SPÖ) sprach von einem Traumergebnis: "Die Menschen haben diese Jahrhundertchance für die Gemeinde erkannt."

Dass die Gemeinde für das Schubhaftzentrum ist, war schon an der Fragestellung abzulesen: "Sind Sie für eine positive Gemeindeentwicklung durch die mögliche Gründung von Gewerbebetrieben in Vordernberg, die Absicherung der örtlichen Infrastruktur (Nahversorger, Arzt, Apotheke usw.), eine Investition des Bundes von rund 15 Mio. Euro in Vordernberg, eine jährliche Wertschöpfung von rund 10 Mio. Euro, die Schaffung von rund 150 Arbeitsplätzen in Vordernberg und eine Mehreinnahme im Gemeindehaushalt von bis zu 130.000 Euro im Zusammenhang mit der Errichtung eines Schubhaftzentrums?"

Für Innenministerin Fekter ist nach dem Votum der Bau des ursprünglich in Leoben geplanten Zentrums im benachbarten Vordernberg fix. Sie sei überzeugt, dass sich die Landesebene dem Ergebnis der Bürgerbefragung nicht verschließen werde und der Errichtung des Zentrums keine Steine mehr in den Weg gelegt würden. Morgen muss die Landesregierung noch den entsprechenden Flächenwidmungsplan absegnen. Tut sie das, soll das Zentrum für 250 Schubhäftlinge bis Sommer 2012 errichtet sein. Die Planungsarbeiten sollen laut Fekter prompt beginnen, ein Architektenbewerb wird ausgeschrieben.

Alleingang im Burgenland

Während dem Schubhaftzentrum vermutlich nicht mehr all zu viel im Weg steht, gibt es in Eberau jede Menge Ärger. Bürgermeister Walter Strobl (ÖVP) hatte das Projekt Erstaufnahmezentrum mehr oder weniger im Alleingang durchgezogen und auch persönlich die Baubewilligung erteilt. Der Gemeinderat wurde erst am Abend vor der öffentlichen Bekanntgabe informiert. Der Vorsteher des betroffenen Ortsteils Kulm, Norbert Laky trat zurück, weil ihm gesagt worden sei, dass das betroffene Grundstück in Wohngebiet umgewidmet werden soll.

Bei einer Bürgerversammlung sprach sich auch ein Großteil der Eberauer gegen die Erstaufnahmestelle aus, deren Errichtung kommendes Jahr beginnen und 2012 abgeschlossen sein soll. Die knapp 1.000-Einwohner-Gemeinde wäre von dem Zentrum mit rund 300 Flüchtlingen überlastet, wurde seitens der Bevölkerung argumentiert. Auch Rücktrittsforderungen gegen den Bürgermeister wurden laut. Der wiederum verteidigte das Projekt, würden doch nur mindestens 130 neue Arbeitsplätze entstehen, auch die Wirtschaft in der Region würde mit diesem Entschluss nachhaltig gestärkt.

Die burgenländische Politik reagierte fassungslos. VP-Landeschef Franz Steindl zeigte sich von seiner Parteifreundin Fekter enttäuscht und will die Bürger befragen. Gleiches plant Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ), der "heftigen und anhaltenden Widerstand gegen diese Steindl-Fekter-Aktion" ankündigte. Besonders giftet die burgenländischen Politiker, dass sie von der Innenministerin ausgetrickst wurden. Denn ein neues Raumordnungsgesetz, mit dem das Land die Erstaufnahmestelle verhindern hätte können, ist zwar schon beschlossen, tritt aber erst 2010 in Kraft.

Dementsprechend frohlockte Fekter: "Wir waren schneller als die Verhinderer." Die Kritik Niessl hält sich für "Wahlkampfgetöse", gehen die Burgenländer doch kommendes Jahr zu den Urnen. Freunde gemacht hat sich die Innenministerin in Nieder- und Oberösterreich. Die Landeshauptmänner Erwin Pröll und Josef Pühringer (V) begrüßten den Bau in Eberau ausdrücklich, da auf diesem Weg die Erstaufnahmezentren in Traiskirchen (Niederösterreich) und Thalham (Oberösterreich) entlastet würden.

Erfolgreich war letztlich der mit Drohungen geführte Abwehrkampf der Kärntner Landespolitik gegen die Errichtung einer Betreuungsstelle für Asylwerber. Dass sie vor den Kärntnern in die Knie gegangen wäre, bestritt Fekter, konzedierte aber: Es sei klar, dass sie sich für jenes Projekt entschieden habe, das man auch umsetzen könne. (APA)

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Jürgen Mayer
20.12.2009 18:45
Also ich finde diese Fragestellung

skandalös. Gibt es da noch andere Beispiele für solche Fragen bei politischen Entscheidungen in Österreich?

bennibanni
20.12.2009 19:24
skandalös

ich finde es skandalös, dass sie es skandalös finden! damit unterstellen sie ja den dortigen bürgern die deutsche sprache nicht zu beherrschen bzw. eine deutschen satz nicht richtig zu verstehn (also unmündig zu sein)! (inoffiziell geb ich ihnen vollkommen recht!! die wenigsten des lesen mächtigen verstehn auch das gelesene...beim hören ist es ja nicht viel anders....und das wissen die politiker und erzähln deshalb recht gern märchen und unsinnige sachen...und daher auch diese fragestellung. ) erinnert mich ein wenig an "des kaisers neue kleider". wer gibt schon gern zu nix zu verstehn (bzw die meisten wissens ja gar nicht, dass sie´s nicht kapiern). so gesehn: gratulation zu dieser skandalös sensationellen fragestellung! (CAVE: ironie)

Herzerzog Johann
20.12.2009 21:57
Ich gehe davon aus, daß 50% der Menschen Dummköpfe sind ...

... und daß es täglich mehr werden!

Adam Markus
20.12.2009 17:56

Die Logik des auf den kleinsten hinhackens habe ich nie verstanden. Warum machen die Menschen ausgerechnet die ärmsten, schwächsten, rechtlosesten unserer Gesellschaft für alles verantwortlich. Die Oberschicht verspielt Milliarden und die "Kleine Mann" hat nichts besseres zu tun als auf die noch Ärmeren zu schimpfen.

Und dass auch noch alle Parlamentsparteien bei diesem unmenschlichen Unterschichten- Hetzwahlkampf mitmachen müssen und auch noch aus den Ärmsten Kapital schlagen wollen ist nur mehr grauslich.

greenberetta
20.12.2009 19:03

In einer Welt des Wettbewerbs ist jeder ein möglicher stärkerer Konkurrent. Die könnten mir ja direkt meinen Platz am Trog streitig machen.

K R
20.12.2009 19:58
anders ausgedrückt: ich müßte doch glatt wieder etwas tun für meinen platz am trog ...

blackbeauty3
20.12.2009 17:55

Ist sicher toll das mit dem Leid von Menschen Geschäfte gemacht und "Arbeitsplätze" geschaffen werden. Eine enorme spirituelle Aufwertung der Gegend. Man muß sich das Vorstellen:Struktur schwaches Gebiet, daher großer sozialer Druck und die Mizzi nutzt das schamlos aus und ist noch happy das Ihre Idee so "gut" ankommt. Einfach irr....Die Menschen mutieren zu Bettlern des Geistes, und bekommen dafür ein paar Zahlungseinheiten.

Jürgen Mayer
20.12.2009 19:35
Stimmt.

Eigentlich sehr zynisch

gwfak
20.12.2009 17:50
Warum wird Niessl nicht im o-Ton zitiert.

Im Mittagsjournal sprach er davon, jetzt eine Gegenbewegung "inszenieren" zu wollen. Kein Thema ist so verantwortungssschwer, dass es nicht für einen Wahlkampf missbraucht würde.

Nichtschweiger
 
20.12.2009 17:40
Burgendländische Politiker auszutricksen...

...kann ja nicht besonders schwer sein!

FSK
20.12.2009 17:05

abgeschobene werden ja meist ausgeflogen, wäre es nicht günstiger das in der nähe eines Flughafens zu bauen?

Säure- und hitzebeständiges Archaebakterium
20.12.2009 16:50
Schubhäftlinge als Wirtschaftsfaktor!

Unsere Gesellschaft ist schon eine perverse Sauerei...

Nessus
20.12.2009 16:27
Die Formulierung dieser "Volksbefragung" klingt sehr vertraut!

Fragen so zu stellen, dass sie überhaupt nicht mit "nein" beantwortet werden können, hat seinerzeit bei der Abstimmung über die Pflichtmitgliedschaft bei den Kammern schon funktioniert.

Allein sowas als "Befragung" zu bezeichnen ist eigentlich schon eine Frechheit!

Kontrahent1
20.12.2009 17:29
Nun, jetzt wissen Sie,

warum solche Fragestellungen bei Gericht als 'Suggestivfragen' nicht zulässig sind.

Ampheta Min
20.12.2009 16:33
Toll!

Jetzt wissen wir, warum soviel Geld in diese Fremdenverkehrs- bzw Tourismusregion Eisenstraße, Herzbergland und Hochsteiermark, denen vrodernberg angehört, gepumpt worden ist. Die neue Touristenattraktion heisst wohl nun: "Gemma Schubhäftlinge schau´n"!

teh_pwnerer
20.12.2009 15:35
Faketicker, 2021: Die Frage auf dem Stimmzettel lautete nun:

"Sind sie für ein Verbot von explizit rechten oder linken Parteien, die das stabile Gleichgewicht der politischen Zweiparteienmitte sehr wahrscheinlich durch rechts- oder linksextreme Stimmungsmache bis hin zur Gewalt und Putschversuchen gefährden könnten? Es sei erwähnt, dass ein Verbot eine erhebliche Steuersenkung aufgrund der reduzierten Parteiförderungen zur Folge hätte"

Kontrahent1
20.12.2009 17:30
Lol !

Nessus
20.12.2009 16:36
Der Zusatz fehlt

"Was als als links- oder rechtsextremistisch gilt, bestimmt die Regierung."

Gute Idee eigentlich, oder? Würde jede Menge mühsamer politischer Konkurrenz durch automatisches Verbot der Opposition ersparen...

earlofcarinthia
20.12.2009 15:31

wahrscheinlich wohnt der Bürgermeister nicht in der nähe von diesem schubhaft zentrum
was ist das überhaupt a Gefängnis oder?

Fisch^^Fisch
20.12.2009 17:52

Sie wissen nicht was das ist aber sicherheitshalber einmal dagegen.

Recht ist Auslegungssache
20.12.2009 15:25
Diese Entwicklung gefällt mir nicht...

Begonnen hat dieser ganze "Wahnsinn" Ende der 90er Jahre. Bis zum Exzess getrieben wurde es von 1990 bis ca. 1996, seither geht es in (abgeschwächter) Form munter weiter.

DAS ist doch keine Politik mehr. :(
Noch SUBJEKTIVER kann man eine Frage ja gar nicht mehr stellen...
Fällt nur noch als Auswahlmöglichkeit ein JA mit Schriftgrösse 20 und ein Nein mit Schriftgrösse 4.
"Anschluß reloaded"??

Demokratie, WOHIN gehst du in Österreich? *schauder*

Rene Stangeler
20.12.2009 15:18
Möglich

dass die Burgenländer denen das Erstaufnahmezentrum ungefragt aufs Auge gedrückt wurde auch für ein Schubhaftzentrum gestimmt hätten.

Ist halt ein Unterschied zwischen einer Haftanstalt zu der die Insassen gebracht und (zum Schub) wieder abgeholt werden oder ob 300 Personen mit keinen oder nur minimalen Sprachkenntnissen (beim zu erwartenden Überbelag wohl eher 500) quasi ins Dorf ziehen.

Asylwerber leben im Dorf, Schubhäfltinge sind im Dorf nicht präsent.

wieso auch nicht
20.12.2009 15:10

Das Südburgenland ist strukturschwach. Wenn die nicht Infrastruktur kriegen, dann gibt es das halt auch nicht mehr lange.

Solodreier
20.12.2009 15:54

ausser asylwerber werden dort nicht viele zusiedeln. ein ausbau der polizeipresenz und ärztliche versorgung wird daran nichts ändern.

mich würde interessieren, ob diese kosten (oder auch einnahmen) wien oder brüssel bezahlt.

Kategorischer Imperativ mit der Waffe in der Hand
20.12.2009 15:08

Die Frage auf dem Stimmzettel lautete nun: "Sind Sie für eine positive Gemeindeentwicklung durch die mögliche Gründung von Gewerbebetrieben in Vordernberg, die Absicherung der örtlichen Infrastruktur (Nahversorger, Arzt, Apotheke usw.), eine Investition des Bundes von rund 15 Mio. Euro in Vordernberg, eine jährliche Wertschöpfung von rund 10 Mio. Euro, die Schaffung von rund 150 Arbeitsplätzen in Vordernberg und eine Mehreinnahme im Gemeindehaushalt von bis zu 130.000 Euro im Zusammenhang mit der Errichtung eines Schubhaftzentrums?

Jetzt kann man sich ungefähr vorstellen, was österreich die asylpolitik jährlich kostet ...

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