Opposition verlor wichtigste Symbolfigur

20. Dezember 2009, 18:39
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Regierungskritischer Geistlicher Montazeri gestorben

Teheran/Amara - Die Opposition im Iran hat ihre wichtigste Symbolfigur verloren. Der Reformpolitiker und Großayatollah Hossein Ali Montazeri ist im Alter von 87 Jahren in der heiligen Stadt Qom (Ghom) gestorben, wie die Nachrichtenagentur Isna am Sonntag meldete. Montazeri war der prominenteste regierungskritische Geistliche des Iran.

Der Großayatollah sei in der Nacht zum Sonntag sanft entschlafen, teilte sein Enkel Nasser Montazeri mit. Der Website des staatlichen Fernsehens zufolge litt der Ayatollah an Asthma und Arteriosklerose.

Nach der Todesnachricht versammelten sich nach Angaben einer oppositionellen Internetseite zahlreiche Studenten an der Universität von Teheran und zitierten Koranverse zu Ehren Montazeris. In Ghom, wo Montazeri am Montag beigesetzt werden soll, wurden am Sonntag an vielen Plätzen starke Polizeieinheiten aufgezogen.

Der aus einer Bauernfamilie stammende Montazeri wurde mit 17 Jahren in der Theologenschule von Ghom zum Schüler des späteren Gründers der Islamischen Republik, Ayatollah Ruhollah Khomeini. Ab 1963 beteiligte sich Montazeri an der Seite Khomeinis an der Protestbewegung gegen den vom Westen unterstützten Schah.

Nach der Islamischen Revolution 1979 hatte Khomeini ihn zunächst als seinen Nachfolger vorgesehen. Der als liberal geltende Montazeri distanzierte sich jedoch zunehmend von Khomeini und kritisierte vor allem die Unterdrückung von Oppositionellen. Den Mullahs warf er vor, im Namen des Islam eine Diktatur errichtet zu haben, und forderte tiefgreifende demokratische Reformen.

1989 kritisierte er die Massenhinrichtungen und fiel bei Khomeini kurz vor dessen Tod in Ungnade. Daraufhin folgte Ayatollah Ali Khamenei ins Amt des geistlichen Staatsoberhaupts. Montazeri wurde nach Ghom verbannt, wo er bis 2003 teilweise unter Hausarrest stand, nachdem er Khamenei die Fähigkeit zum Regieren abgesprochen hatte. Erst 2003 wurde der Hausarrest wieder aufgehoben.

Nach der umstrittenen Präsidentenwahl im vergangenen Juni stellte sich Montazeri offen gegen den wiedergewählten Präsidenten Mahmud Ahmadi-Nejad und Khomeinis Nachfolger Khamenei. Er zweifelte die Rechtmäßigkeit des Urnengangs an und verurteilte die Unterdrückung der Proteste. In seiner letzten öffentlichen Äußerung am vergangenen Mittwoch beklagte er auf seiner Internetseite erneut den "Tod unschuldiger Menschen" und kritisierte die "illegalen Schauprozesse" .

Bohrturm-Besetzung beendet

Die iranischen Soldaten, die einen Bohrturm im iranisch-irakischen Grenzgebiet besetzt hatten, sind nach irakischen Angaben abgezogen. "Die iranischen Truppen sind verschwunden, und die Arbeiter der Ölfirma sind zu der Ölquelle zurückgekehrt" , sagte ein zuständiger Regierungsvertreter am Sonntag. Die beiden Staaten wollen die Grenzziehung in dem umstrittenen Abschnitt in einem gemeinsamen Ausschuss festlegen. (Reuters, AFP, dpa, ap, red/DER STANDARD, Printausgabe, 21.12.2009)

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    "Diktatur im Namen des Islam": Hossein Ali Montazeri.

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