Viele Treffen, viele Kompromisse und ein abendlicher Durchbruch

19. Dezember 2009, 01:31
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Bei hektischem Konferieren auch in den Nachtstunden wurde eine Formel gefunden, mit der alle bei den Klimaverhandlungen leben können

Am Vorabend des entscheidenden Tages liegen die Nerven blank. Nur noch etwa 24 Stunden, dann soll alles beschlossen sein. Die Verhandlungen laufen wieder. In den Arbeitsgruppen hat es keine großen Fortschritte gegeben. Jetzt liegt alles an den Staats- und Regierungschefs, vor allem an US-Präsident Barack Obama und Chinas Premier Wen Jiabao. Eine Chronologie dramatischer Stunden:

Donnerstag, 20.00 Uhr, Schloss Christiansborg, Kopenhagen: Die Führer dieser Welt kommen zu einem Galadiner bei Dänemarks Königin Margarethe II. zusammen. Einer nach dem anderen schreitet den roten Teppich ab. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon, Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel, US-Außenministerin Hillary Clinton, auch Österreichs Kanzler Werner Faymann. Die Lage bei den Verhandlungen ist so prekär, dass Handeln gefragt ist.

23.00 Uhr, Bella Center: Der dänische Ratsvorsitz beruft eine Sitzung ein. 25 Länder, die EU-Kommission, der UN-Generalsekretär sind vertreten. Das Ziel: Ein Papier auszuarbeiten, das doch noch Konsens finden kann.

Freitag, 2.00 Uhr: Die Staats- und Regierungschef übergeben die Verhandlungen ihren Ministern und hohen Beamten.

3.00 Uhr: Der dänische Konferenzvorsitz legt einen ersten Textentwurf vor. Die europäischen Staaten lehnen den Text ab.

7.30 Uhr: Die Verhandlungen gehen weiter. Der Text wird zurückgenommen mit der Auflage, ihn nachzubessern. Schwedens Premier sagt: "Die Lage ist sehr ernst."

8.00 Uhr: Die Staats- und Regierungschefs der 25er-Gruppe treffen erneut ein. Die Dänen haben einen neuen Entwurf eingebracht, auf dessen Basis die Verhandlungen wieder beginnen.

9.00 Uhr: Weitere Staats- und Regierungschefs treffen ein. Um zehn Uhr soll das Plenum anfangen, in dem dann über ein mögliches Verhandlungsergebnis entschieden werden soll. Brasilien, Indien und China treffen sich, sagen Delegierte. Zu den Beratungen gehört auch ein Mini-Gipfel: US-Präsident Barack Obama, Frankreichs Nicolas Sarkozy, Chinas Vizeaußenminister He Yafei, Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel, Brasiliens Präsident Luiz Lula da Silva, Russlands Dmitri Medwedew, Indiens Regierungschef Manmohan Singh.

11.55 Uhr: Konferenzpräsident Lars Lokke Rasmussen eröffnet das Plenum. Weder Wen noch Obama kündigen etwas Neues an. Teilnehmer äußern sich enttäuscht. Pause bei den Verhandlungen in der 25er-Gruppe. Acht von zwölf Punkten sind nach deutschen Angaben bis dahin besprochen worden. Aber keiner ist abgehakt. Obama trifft Wen.

14.00 Uhr: Die Verhandlungen in der Kerngruppe werden wieder aufgenommen. EU-Vertreter äußern sich optimistisch, dass eine Einigung doch noch möglich ist.

16.30 Uhr: Die Staats- und Regierungschefs der EU kommen zu einem Europäischen Rat zusammen und besprechen die neuesten Verhandlungsergebnisse. Ein Text aus der 25er-Gruppe wird als nicht ausreichend eingeschätzt.

19.00: Ein zweites Treffen zwischen Obama und Wen ist angesetzt. Die beiden Politiker haben schon am Vormittag eine Stunde lang beraten. Medwedew verlässt als einer der ersten den Gipfel und fliegt zurück nach Moskau, obwohl die UN darum gebeten hat, noch nicht abzureisen.

21.44: Erste Meldungen über eine Einigung kursieren. (raa/DER STANDARD, Printausgabe, 19.12.2009)

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