Der Gipfel der enttäuschten Hoffnungen

19. Dezember 2009, 00:29
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Am Ende regierte in Kopenhagen die Müdigkeit. Und die Frustration von jenen Teilnehmern, die auf einen echten Durchbruch gehofft hatten

Aber, so der kleine Trost: Es wird wieder eine Klimakonferenz geben.

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Der Journalist von der Jakarta Post lässt sich nicht beruhigen. Zwei Meter steht er vor der Tür des Saales „Asgar Jorn", vor ihm haben sich Sicherheitsleute aufgebaut, zwei Frauen, zwei Männer. „Sorry, bitte treten sie zurück. Wir dürfen niemanden mehr hineinlassen." Es ist 22.45 Uhr Freitagnacht. Schwedens Ministerpräsident Frederik Reinfeldt hat sich zur Pressekonferenz ange-
sagt, auch EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso will
kommen.

Der Abschluss des Gipfels. Er sei seit zwei Wochen hier, brüllt der Journalist aus Jakarta. Er habe ein Recht darauf. „That is my job!" Die Stimmung ist angespannt. Alle sind müde. Die Journalisten, aber auch das Sicherheitspersonal. „Asgar Jorn" ist nicht der offizielle Presseraum, sondern ein kleiner Saal neben der Halle mit verschiedenen Ständen. Das meiste ist inzwischen abgebaut. Die aufwendigen Fotos, die Bildschirme, die Plakatwände. Fir men werben für klimafreundliche Techniken, Länder wie Tuvalu präsentieren ihre Strände, die nicht untergehen sollen. Hier wird auch der tägliche Klimakiller-Preis der Nichtregierungsorganisationen präsentiert.

Am Freitag, dem letzten Gipfeltag, haben Kanada, Japan und Australien die zweifelhafte Auszeichnung erhalten. Weil sie nicht mithalten können mit der Langzeit-Finanzierung für die Entwicklungsländer, die US-Präsident Barack Obama noch einmal bekräftigt hat.

„Klimakiller des Jahres" ist Kanada geworden. Es habe eines der schlechtesten Angebote für die Senkung der Emissionen gemacht und sich in Kopenhagen nicht bewegt, begründen die Umweltaktivisten die Entscheidung. Müde sind auch die Delegierten, die in kleinen Gruppen in der Haupthalle sitzen oder sich umdie Bildschirme scharren, weil jetzt US-Präsident Barack Obama spricht.

Auf den Tischen steht dreckiges Geschirr, Zettel mit Statements und Flyern liegen auf dem Boden. Das Café hat schon zugesperrt. Ein Diplomat aus den Vereinigten Arabischen Emiraten sitzt auf einem der weißen Plastikstühle und zuckt mit den Schultern. „Es ist ein Prozess", sagt er. „Es ist nicht das Ende aller Tage." Die nächste Klimakonferenz komme ohnehin. Zur verkündeten Eini-
gung fragt er nur: „Ist das eine Einigung?" Einen Tisch weiter sitzt die Delegation von Nepal. Diplomaten gehen vorbei in Richtung Ausgang, einige haben schon ihre Koffer dabei. Im ersten Stock führen Fernsehjournalisten Interviews oder berichten live.

Auf dem Tisch liegen Flyer aus Nepal: Ein Foto zeigt die Sitzung des nepalesischen Kabinetts auf dem Mount Everest. „Wir waren so enthusiastisch und sind mit so viel Energie hierhergekommen", sagt Kedar Chandra Sharma, ein Berater des Umweltministers. „Wir wollten, dass die Menschen fühlen, was der Klimawandel für uns bedeutet. Die Verhandlungen habe man in den letzten Stunden anderen überlassen. Seitdem hat die Delegation gewartet. „Das Problem ist, dass wir das irgendwie nicht Ernst genommen haben." (DER STANDARD, Printausgabe, 19.12.2009)

 

 

 

(Julia Raabe aus Kopenhagen/DER STANDARD, Printausgabe, 20.12.2009)

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