Langes Leben der Treibhausgase

19. Dezember 2009, 00:22
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Die typische Großkonferenzhektik von Kopenhagen überdeckt, worum es eigentlich geht - Deshalb ein kurzer Blick auf die Klima-Basics

Frage: Warum drängen alle Verhandlungsteilnehmer darauf, dass die Erderwärmung möglichst auf zwei Grad begrenzt wird?

Antwort: Seit Beginn der Industrialisierung sind die CO2-Konzentrationen von rund 280 ppm (parts per million, Teilchen pro Million) aufgrund 380 ppm in der Atmosphäre angestiegen. Bei 500, maximal 550 ppm sollte dieser Prozess gestoppt werden, damit die Folgen der Erderwärmung in einem beherrschbaren Ausmaß bleiben und es nicht zu dem gefürchteten Point of no return kommt; also dass etwa die Polkappen massiv abzuschmelzen beginnen. Dieses Limit bei einer weiteren Anreicherung von Treibhausgasen in der Atmosphäre entspricht zwei, maximal zweieinhalb Grad Celsius weitere Erwärmung gegenüber dem Ende des 20. Jahrhunderts.

Frage: Kann der Klimawandel überhaupt noch gestoppt werden?

Antwort: Nur noch das Ausmaß kann abgeschwächt werden. Vor allem, weil Treibhausgase ausgesprochen langlebig sind und ihre Wirksamkeit noch viele Jahre entfalten, nachdem sie freigesetzt wurden, muss bald damit aufgehört werden, fossile Energieträger zu verbrennen.

Frage: Welche Treibhausgase bedrohen das Klima?

Antwort: Mengenmäßig am wichtigsten ist Kohlendioxid (CO2), das bei der Verbrennung fossiler Brenn- und Treibstoffe entsteht. Durch Nutztierhaltung und Reisanbau kommt Methan (CH4) in die Atmosphäre. Die Landwirtschaft ist für Lachgas (N2O) verantwortlich, das bei Stickstoffdüngung auftritt und das 310-fache Erwärmungspotenzial von CO2 hat. Dazu gehören FCKWs, eingesetzt in der Kältetechnik.

Frage: Sind alle fossilen Energieträger schlecht fürs Klima?

Antwort: Im Wesentlichen ja, es gibt aber große Unterschiede. Am schädlichsten für das Klima ist Kohle, da es beim Verbrennen am meisten CO2 freisetzt. Am saubersten ist Erdgas, weshalb es innerhalb der fossilen Energieträger sogar als "grün" bezeichnet wird. Kompliziert wird es dadurch, dass Kohle im Gegensatz zu Erdöl noch lange verfügbar ist und sich Schwellenländer wie China nicht verbieten lassen werden, die eigenen Vorkommen auszubeuten.

Frage: Warum tun sich alle Regierungen so schwer damit, konkrete Klimaschutzziele zu formulieren?

Antwort: Der Wohlstand einer Gesellschaft hängt in einem hohen Maße vom Energieverbrauch ab. Eine Abkoppelung des Wirtschaftswachstums vom Energieeinsatz ist noch nicht wirklich gelungen, obwohl es große Unterschiede in Sachen CO2-Intensität (Emissionen pro BIP-Einheit, siehe Grafik) gibt. Österreich ist dabei übrigens relativ gut. (ruz/DER STANDARD, Printausgabe, 19.12.2009)

 

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