Die Legende der letzten Bahnhofsnacht

18. Dezember 2009, 23:20
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"Urban Destruction Party" im Südbahnhof

Der Ansturm übertraf alles, was sich Benjamin Loudon, Hennes Weiss und Stefan Hiess vorzustellen(zu fürchten) gewagt hatten: Allein via Facebook hatten über 6000 Personen angekündigt, Freitagnacht zur Abschiedsparty vom Wiener Südbahnhof zu kommen. Bloß: Mehr als 1560 Besucher durften der Web-2.0-Marketingmann (Loudon) und die Erfinder von Wiens hippstem Club ("Pratersauna" ) nicht zur "Urban Destruction Party" auf die Plattformen des toten Bahnhofes lassen.

Nicht aus Angst um die Hütte: Die hat jetzt ja nur mehr ein "Date" - das mit der Abrissbirne. Dass den Veranstaltern, die die ÖBB erst im November fragte, ob sie diese letzte Nacht des Hauses schmeißen wollten, da mulmig war, stand bloß zwischen den Zeilen: "Wir haben die Securities angesichts des Feedbacks zum Glück massiv aufgestockt" , seufzte Loudon, als sich schon früh trotz Eiseskälte Pulks vor der Halle bildeten. Freilich: Wer tatsächlich an den alten Ticketschaltern Eintritt zahlen durfte, zählte einzig Freitagnacht. Denn schon bald wird halb Party-Wien behaupten, dabeigewesen zu sein.

Schließlich braucht nicht nur jede Stadt, sondern auch jeder Ausgeher Legenden. Die kann man dann auch noch Jahre später an kalten Winterabenden jenen erzählen, die dumm genug waren zuzugeben, damals daheimgeblieben zu sein. (rott/DER STANDARD, Printausgabe, 19.12.2009)

  • Züge gehen nicht mehr ab, dafür die Post, wenn Hennes Weiss (li.) und Stefan Hiess am Südbahnhof clubben lassen.
    foto: standard/urban

    Züge gehen nicht mehr ab, dafür die Post, wenn Hennes Weiss (li.) und Stefan Hiess am Südbahnhof clubben lassen.

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